Mikroapartments im Rasterkoloss
Sanierung in der Slowakei von Atrium Architekti
„Arbeiterschließfächer“ nannte man solche Wohnanlagen früher spöttisch. Sie entstanden vor allem – aber nicht nur – im ehemaligen Ostblock. Dieses besonders schöne Beispiel steht in Košice im Osten der Slowakei, nicht weit von der ukrainischen Grenze. Dort produziert ein 1959 eröffnetes Stahlwerk, das seit 2000 zum amerikanischen Konzern U.S. Steel gehört, rund 4,5 Millionen Tonnen Stahl jährlich.
Als es errichtet wurde, baute man dazu auch neue Wohnviertel in Plattenbauweise. Das 13-geschossige Gebäude, um das es hier geht, ist nach der Stahlsorte Kosmalt genannt und bis heute der größte Wohnblock im Quartier Terasa. 2021 bis 2025 wurde es nach Entwürfen von Atrium Architekti (Košice) im Auftrag des Immobilieninvestors Intrade Group umfassend saniert und überarbeitet.
Die Originalentwürfe stammten von Ladislav Greč und Róbert Kandrik. Das ehemalige Arbeiterwohnheim beherbergt nach wie vor 507 Kleinstapartments mit 21 Quadratmetern Größe. Ziel des Sanierungsprojekts war es, in der funktionalen Grundrissstruktur Mikroapartments mit eigener Küche und Bad zu schaffen und dabei die Identität des Blocks zu bewahren. In der Nähe liegen Universität und Krankenhauseinrichtungen. Das Vermarktungskonzept des Investors sieht sowohl Miete als auch Eigentum vor.
Analysen in der Entwurfsphase hätten bestätigt, dass die kompakten XS-Grundrisse für Einzelpersonen ebenso wie für Paare geeignet seien, schreiben die Architekt*innen. Großzügige Verglasungen und Loggien sollen mit Ausblicken auf die Stadt trotz kompakter Wohnflächen ein Gefühl von Weite erzeugen. Eingangsbereiche, Flure und vertikale Erschließungszonen sind großzügig proportioniert und als soziale Begegnungsräume gestaltet.
Wichtiger Teil des Projektes sei gewesen, die Originalmaterialien wieder freizulegen und überflüssige Einbauten zu entfernen, erläutern die Architekt*innen. Unter anderem wurden der Gussterrazzo in den Fluren und Treppenhäusern, die Marmorverkleidung im Eingang, der Travertinsockel der Fassade sowie die Stahlgalerie und -treppe in der Eingangshalle instandgesetzt. Neu hinzugefügt wurden Brüstungen aus Streckmetall und Wellblech, Treppenwangen aus Stahl und Lampen, die Atrium selbst entwarfen. Darüber hinaus setzten sie mittels einer eigens für das Haus neu entwickelten Signaletik des Grafikers Tomáš Eisner Farbakzente in Pastelltönen.
Außen orientiert sich der Umbau ebenfalls am Original. Dort allerdings entfernte man vorhandene Farbakzente, um mit einheitlichem Grau die Monumentalität des Gebäudes und das strenge Raster seiner absolut identischen, 22 mal 13 Meter messenden Fassadenfelder zu betonen. So drängt sich beim Betrachten dieses monochromatischen Kolosses das Bild vom „Arbeiterschließfach“ dann doch wieder ein wenig auf. (fh)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Atrium Architekti
- Tragwerk:
- Erik Duhan
- Statik:
- Michal Varga
- TGA und Elektrik:
- Stefan Petkanic, Erik Spak
- Grafik:
- Tomas Eisner
- Betonmalereien:
- Natreto
- Generalunternehmer:
- Chemkostav
- Bauherrschaft:
- Intrade Group
- Fläche:
- 15.625 m² Nutzfläche
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