Spätmoderne am Ernst-Reuter-Platz
Sanierung eines Bürohauses in Berlin
1974 eröffnete das von Bernhard Binder erbaute, wuchtige Bürohochhaus an der Ecke Ernst-Reuter-Platz / Bismarckstraße. Ursprünglich als Hauptpostamt 2 konzipiert, wurde es nach der Postreform 1989 von der Telekom weiter betrieben und stand schließlich dreizehn Jahre leer. Nun wurden Sanierung und Revitalisierung des Hauses samt Aufstockung und Teilneubau abgeschlossen.
Mit seiner geradezu monumental gestapelten Baumasse und den mit Kupfer bedampften Fensterbändern zählt Binders Gebäude zu den prägenden Häusern am Ernst-Reuter-Platz. Obwohl das Haus Bestandteil des denkmalgeschützten städtebaulichen Ensembles ist, stand es als Einzelobjekt nicht unter Denkmalschutz. Deshalb war ein Abriss theoretisch möglich. Im beschränkten, geladenen Auswahlverfahren setzte der erstplatzierte Entwurf von Tchoban Voss Architekten (Berlin) jedoch nicht nur auf den Erhalt des Hauses, sondern auch auf eine möglichst weitgehende Wiederherstellung des ästhetischen Erscheinungsbildes im Zuge der Fassadenneuplanung.
Die Revitalisierungsmaßnahmen umfassten die vollständige bauliche und technische Entkernung des Bestands, eine tiefgreifende Schadstoffsanierung und den Rückbau der kontaminierten Fassade. Der zweigeschossige Anbau des ehemaligen Rechenzentrums im Hof wurde abgerissen und neu errichtet, so dass hier nun Büroräume mit drei Patios liegen. Außerdem wurde ein Staffelgeschoss mit Terrassenflächen realisiert.
Der Entwurf für Sanierung und Revitalisierung stammt von Tchoban Voss (Bedarfsplanung, Leistungsphasen 1 bis 4, Leitdetails, Ausschreibungsplanung); die Generalplanung lag bei das projekt. Seit 2019 waren die Büros nicht mehr beteiligt. Stattdessen wurde der Generalunternehmer Hagenauer beauftragt, der zusammen mit der ARGE a-base & BEP Architekten (Berlin) die weitere Umsetzung übernahm. Das neue Team zeichnet ab Leistungsphase 5 verantwortlich, erbrachte aber auch Teile der Leistungsphasen 3 und 4. (iva)
[Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung des Artikels wurden die erbrachten Leistungen von Hagenauer und der ARGE a-base & BEP Architekten nicht erwähnt. Außerdem entsprachen die gezeigten Pläne nicht dem realisierten Projekt. Wir haben die Angaben zu den Beteiligten korrigiert und die Pläne entfernt.]
Fotos: Klemens Renner, Lev Chestakov
Schön das das auch funktioniert.
In der Meldung ist folgendes zu lesen: "Obwohl das Haus Bestandteil des denkmalgeschützten städtebaulichen Ensembles ist, stand es als Einzelobjekt nicht unter Denkmalschutz. Deshalb war ein Abriss theoretisch möglich."
Leider wurden bei der Sanierung die wenigen architektonisch-plastischen Details des Baukörpers (die zurüclspringenden Fassaden an den Ecken) gleich mit weggeschliffen. Das erscheint mit ziemlich unsensibel und auch völlig unnötig, denn an Rationalität und Funktionalität mangelt es diesem großmaßstäblichen Gebäude sonst wirklich nicht. Das Ergebnis ist nun noch austauschbarer, als es der Vorläufer schon war.
Richtig spannend wäre eine architektonische und nutzungsmäßige Transformation gewesen. Aus einem "Büroklotz" wieder einen Büroklotz zu machen, ist keine besonders interessante Weiterentwicklung des Bestandes - es ist halt eine Sanierung. Insofern sind hier die großen Chancen verpasst worden, nämlich ein kreatives Weiterbauen im Bestand.