Frische Fischkirche
Sanierung einer Markthalle in Göteborg von White Arkitekter
Die sogenannte Feskekôrka (zu Deutsch: Fischkirche) am Rand der Altstadt ist ein Wahrzeichen Göteborgs, das insbesondere für Gourmets bei einem Besuch der südschwedischen Stadt unverzichtbar ist. Seit 1874 wird in der Halle Fisch verkauft, seit Langem kann man dort auch essen. Den sakralen Namen trägt das Haus, da der damalige Stadtarchitekt Victor von Gegerfelt bei seinem Entwurf auf die Formensprache der skandinavischen Stabkirchen und der Neogotik zurückgriff.
Da die Halle im Inneren über die Jahrzehnte mehr und mehr verbaut worden war und in mancher Hinsicht nicht mehr den Ansprüchen gerecht wurde, die eine Stadt wie Göteborg an einen solchen Ort stellt, wurde vor einigen Jahren beschlossen, die Fischkirche von Grund auf zu sanieren. Die Bauherrschaft lag beim kommunalen Immobilienunternehmen Higab, das für Verwaltung und Betrieb von rund 300 Gebäuden in der Stadt verantwortlich ist. Der Entwurf stammt vom Büro White Arkitekter, das in der Stadt seinen Hauptsitz hat (und in diesem Jahr übrigens seinen 75. Geburtstag feiert).
Denkmalpflegerische Aspekte waren zentral, schreiben White über das Projekt, doch eine strenge Rekonstruktion des Originalzustandes habe man nicht angestrebt. Vielmehr ging es darum, bei der Entwicklung des Bestands zu einem zeitgemäßen Gewerbeobjekt (Verkauf und Gastronomie) dem einmaligen Charakter der Halle gerecht zu werden, den die Architekt*innen als „raffinierte Schlichtheit“ beschreiben.
Die raffinierte Schlichtheit war längst überlagert worden – von Theken, Kühlanlagen und Gerätschaften der durchgehenden Verkaufsbereiche zu beiden Seiten der zentralen Erschließungsachse. Letztere nahmen vor allem den großen Fenstern ihre Wirkung. Das Anlegen eines Kellers, in dem nun viele dieser notwendigen Bereiche untergebracht sind, war deshalb ein zentrales Anliegen.
Auch mit dem historischen Holzfachwerk setzten sich Planer*innen und Denkmalpflege intensiv auseinander. In den 1960er Jahren war es teilweise mit Beton ummantelt worden. Außerdem ersetzte man damals die historischen Fundamente durch Betonkonstruktionen. Diese Eingriffe wurden rückgängig gemacht und die Holzkonstruktion unter Rückgriff auf traditionelle Zimmerertechniken repariert. Die Stützen stehen nun wieder auf Granitplinthen.
Acht mit weißen Fliesen verkleidete „Küchenstationen“ strukturieren den Raum funktional. Durch die Neuordnung im Inneren konnte an der südlichen Längsseite der Halle wieder ein Zugang geschaffen werden. Er stellt eine direkte Verbindung zum Kanal her und erinnert daran, dass hier einst der Fisch angeliefert wurde. Alleiniger Mieter und Betreiber der Halle seit ihrer feierlichen Wiedereröffnung am 17. Mai 2024 ist das Unternehmen West Coast Experience. (gh)
- Fertigstellung:
- 2024
- Architektur:
- White Arkitekter
- Bauunternehmen:
- Skeppsviken
- Bauherrschaft:
- Higab
- Fläche:
- 1.120 m²




