The Leadenhall in London
Rogers Stirk Harbour ziehen um
Wenn Architekten für sich selbst planen, geht es meist um kleinere Bauten. Anders Rogers Stirk Harbour + Partners, wie jetzt bekannt wurde. Im letzten Herbst konnten die Londoner das fünfzigstöckige Hochhaus The Leadenhall Building fertigstellen, und demnächst ziehen sie selbst dort ein, in den 14. Stock.
Das Leadenhall kommt auf eine Höhe von insgesamt 225 Metern und wird aufgrund seines keilförmigen Äußeren vom spöttischen Volksmund gern als „Käsereibe“ bezeichnet. Die Verjüngung des Gebäudes stellt jedoch sicher, dass der Blick auf die St Paul’s Cathedral, insbesondere von der Fleet Street aus, unverstellt bleibt. Auch Rogers berühmtes Lloyd’s Building auf der anderen Straßenseite hat so mehr Luft zum Atmen.
Das Hochhaus setzt sich aus einem freistehenden Versorgungskern und dem eigentlichen Bürotrakt zusammen. Dieser verfügt über ein außenliegendes Tragwerk, das den Innenraum von Stützen befreit, aber leider nur in der Sockelzone sichtbar wird, da es sich sonst unter der Glasoberfläche versteckt. Dafür erinnern die gebäudehohen Lüftungseinschnitte und der Versorgungskern mit seiner farblichen Betonung der Tragstruktur an Rogers frühere Hightech-Phase.
Dem Stadttheoretiker Rogers ist wichtig, dass das Leadenhall Building den öffentlichen Raum nicht ignoriert. Im Gegenteil, das Erdgeschoss konnte weitgehend frei gehalten werden, indem das Foyer, erreichbar über eine lange Rolltreppe, in den zweiten Stock verlegt wurde. Der benachbarte St Helen’s Square ließ sich so wesentlich erweitern. Spätestens in der Mittagspause kommt das auch Rogers eigenen Mitarbeitern zugute. (sb)
Mit Dank für die Fotos an die Entwickler des Projekts, British Land und Oxford Properties.
Fosters Gurke und das gezeigte Hochhaus sind durchweg qualitätsvolle Gebäude und funktionieren auch als Landmark (die Plaza davor ist aber nur noch stadtfeindlich, erinnert an die Innestadt von Houston). Das TheShard dagegen wirkt regelrecht abschreckend. Um hier auch auf meinen Vor-Schreiber "Stadt" zu kommen, nein ich persönlich würde mir solche wild in die Stadt gepflanzten Gebilde in Berlin, München oder auch Hamburg nicht wünschen.