Dynamische Schwingung
Richtfest für Ministeriumsbau in Berlin
Bundesminister Horst Seehofer wird diesen Neu- und Umbau seines Ministeriums nicht mehr beziehen; er ist in Bayern zu Höherem berufen. Dennoch war er am heutigen 22. Oktober 2008 als amtierender Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beim Richtfest dabei: Der vom Berliner Büro Anderhalten entworfene Bau geht auf einen internationalen, beschränkten Wettbewerb aus dem Jahre 2003/04 zurück (siehe BauNetz-Meldung vom 26. Februar 2004), bei dem Claus Anderhalten und sein Team, mittlerweile längst Experten für kreative Umbauten, den ersten Preis erhielt.
Das Ensemble in der barocken Berliner Friedrichstadt, gelegen an der Ecke Wilhelmstraße/Französische Straße, besteht aus mehreren Altbauten sowohl straßenseitig zur Wilhelmstraße als auch im rückwärtigen Hof sowie aus einem neuen Erweiterungsbau zur Französischen Straße.
Der Erweiterungsbau ist sechsgeschossig und lang gestreckt. Er hat eine im Grundriss wellenförmige Fassade aus spaltrauen Natursteinplatten in unregelmäßigem Verband und mit langen, elementierten Fensterbändern. Anderhalten Architekten schreiben dazu: „Das Gebäude folgt der städtebaulichen Grundstruktur der Friedrichstadt und besetzt das leicht konische Grundstück als gebrochenen orthogonalen Baukörper. Die amorphe innere Gebäudestruktur setzt sich in der äußeren Kontur als dynamische Schwingung fort. Die Grundbewegung des Baukörpers steht in einem Wechselspiel zu den überlagernden Fassadenelementen, so dass eine subtile Plastizität entsteht. Der skulptural ausgeformte Neubau kontrastiert mit den historischen Gebäuden. Er bildet eine eigene Typologie am Rande der Friedrichstadt mit ihrem rigiden Blockraster und prägt einen spannungsvollen Straßenraum.“
Der Entwurf für die Altbauten sieht eine behutsame Sanierung mit geringen Eingriffen in die vorhandene Bausubstanz vor.
Die Baukosten betragen insgesamt 42,3 Millionen Euro für 7.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche. Im Spätsommer 2009 sollen die bisher in einem Gebäude in der Mauerstraße untergebrachten 166 Mitarbeiter des Ministeriums einziehen.
Da kann ich noch so oft über die Krümmung des "Canyon" nachdenken, oder den "zeitgemäßen Wiederspruch" zur barocken Friedrichstadt. Es bleibt ein Wort in mir hängen: Hässlich.
Der Typ sitzt auch noch bei Frau Lüschers Baukollegium. Na dann Gute Nacht, Berlin.
Zum Bau: Die Betonarbeiten innen wirken fast wie
bewußt geplant krumm und schief und unperfekt. Mir gefallen diese rohen Kanten.
Die Außenwirkung ist dann aber doch zu banal und hat ja fast 70er Jahre-Fensterband- Charme...
Wenn das Haus nur von Kollhoff oder Kleihues wäre, dann wäre jede Kritik recht, auch wenn sie unter die Gürtellinie geht.
Nur soviel zur Toleranz auf dieser Seite.
P.S. Schreibfehler lassen sich bei schnellem Schreiben nicht vermeiden. Und "Stadtschlößer" darf man auch weiterhin mit "ß" schreiben.
Zur Erklärung:
"Abstossend hässlich" betrifft vor allem die Farbgebung: Dunkelbraun, mit Holzfensterrahmen, und dadurch dunkel wirkenden Befensterung.
"Kein Wunder wenn die Menschen wieder Stadtschlößer oder Fachwerkhäuser haben wollen" will das noch jemand leugnen???????????