Höhe ist nicht alles
Richtfest beim Zoofenster in Berlin
„Höhe ist nicht alles“: Diese Überschrift im Tagesspiegel ist ein Zitat Christoph Mäcklers, des Architekten des höchsten Gebäudes der City-West in Berlin.
Mäckler nimmt dabei Bezug auf die Kritik an der Höhe des als „Zoofenster“ vermarketen Projekts. Der hauptsächlich von der Hotelkette Waldorf-Astoria genutzte Neubau, bei dem nun Richtfest gefeiert wurde, wird mit seinen 119 Metern und 32 Etagen in näherer Umgebung das bei weitem höchste Gebäude darstellen. „Das Erdgeschoss gehört ganz der Stadt“ wird der Architekt weiter zitiert, wobei er auf das im Sockelbereich geplante, legendäre und einst auf der gegenüberliegenden Platzseite ansässige „Romanische Café“ anspielt.
Das Projekt Zoofenster, dessen Baustart jahrelang verschoben worden war, soll – so die Hoffnung von Investoren und Berliner Senat– der City-West einen Impuls des Aufschwungs verleihen (siehe dazu auch BauNetz-Meldungen vom 2. Juli 2008 und 5. Juli 2007 ). Dazu wird dann auch die Anfang nächsten Jahres beginnende Sanierung des „Zentrums am Zoo“ mit dem Bikinihaus gehören (siehe dazu BauNetz-Meldung vom 3. August 2010).
Man erinnere sich noch an die Freude einiger, auch Mäcklers, wie sonnig nun der Breitscheidplatz würde, nachdem das Schimmelpfenghaus abgerissen war. Frag sich ob die zukünftig beiden Hochhäuser links und rechts der Kantstraße nicht mehr Schatten werfen, als es das Schimmelpfenghaus je konnte. Dieses Bauwerk bildete wenigstens eine der drei Platzkanten neben Bikinihaus und Europa-Center aus.
In Westberlin. Lange nichts passiert dort. Hätte schlimmer kommen können. Der Abriß des Schimmelpfeng-Hauses von Müller Sobotka hat sehr weh getan - nun denn, schauen wir nach vorn - oder nach oben. Auch wenn gerade landauf landab schier jede Veränderung des Status Quo als Bedrohung empfunden wird, ist die neue Akzentuierung in der guten alten City West mit einem 120 Meter hohen Hochhaus gelungen. Er vertrüge sogar noch ein paar Meter mehr. Nun sieht man vom Alexanderplatz das Zentrum Westberlins! Die Gedächtniskirche wird es ertragen können, der Eiermann-Bau hält es aus, die Ruine hat eh viel Veränderung gesehen an diesem Ort. Und by the way: die letzten großen Eingriffe in die City West mit Jahns unsensiblen "Karateschlag" des Kranzler-Ecks ins Stadtgewebe und dem plumpen Swissotel-Sack von gmp waren nicht gerade Highlights der Baukultur. Der gestaffelte Baukörper von Christoph Mäckler ist gut proportioniert, reagiert adäquat in alle Richtungen auf dem schwierigen Grundstück und schreibt eine berlinische Tradition der Neunziger auf geschickte Art fort ohne wie sonst üblich zu langweilen. Er wird mit seinen Ladenzonen und (neu)romanischen Café hoffentlich seine Versprechungen zu mehr Urbanität am Bahnhof Zoo einlösen. Wer das Vorbild sucht, schaue sich mal Walter Gropius Beitrag zum Chicago-Tribune-Wettbewerb 1922 an. So long oder so high....
das wird ja tatsächlich so öde wie auf dem rendering ! immerhin kosequent.............