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09.02.2017

Komplexität hinter Gittern

Reihenhäuser in Stockholm von Arklab


Manchmal ist die innere Organisation eines Hauses einfach spannender als die äußere Form. Für die schnelle Wahrnehmung eines Projekts in Zeitschriften und im Netz ist das mehr als schwierig, da eine schnittige Außenaufnahme eben weitaus packender ist, als das Studium von Grundrissen und Schnitten. Im Fall der kleinen Reihenhaussiedlung Modet in Stochholm lohnt sich beispielsweise der genaue Blick hinter die grauen Fassaden allemal. Das Projekt wurde vom lokalen Büro Arklab entworfen und befindet sich am Stadtrand der skandinavischen Metropole, wo die Bebauung ausdünnt und die direkte Nähe zur Natur sucht. Insgesamt zwölf Häuser mit hohem Wohnwert liegen beiderseits einer wenig befahrenen Straße in hügeliger Topographie. Konzipiert sind sie als architektonischer Mittler zwischen dem öffentlichen Straßenraum und dem ruhigen Grün eines lichten Kiefernbestands.

Von außen geben sich die kompakten und geschlossenen Volumina mit ihren Pultdächern verschlossen und Grau in Grau. Man kommt nicht drumherum: Die vertikalen Holzlatten vor den Fassaden erinnern ein wenig an Gefängnisse. Auch die stark versiegelten Flächen vor den Häusern und die unvermeidliche Aufreihung der Familienkutschen macht die Sache nicht viel besser. Doch nicht zuletzt verrät die gelungene Staffelung der Einheiten entlang der Straße, dass sich ein zweiter Blick lohnt. Und in der Tat ist die innere, halbgeschossige Organisation der Häuser weitaus interessanter als das Äußere. Die Häuser besitzen vier Ebenen, die auf raffinierte Art und Weise als eine Abfolge vom Öffentlichen zum Privaten inszeniert sind. Man betritt die Häuser an der Straßenseite, wo sich auch die Küche befindet, die mit hohen Fenstern zum öffentlichen Raum orientiert ist. Ein mittig im Haus liegender Treppenlauf führt ein Halbgeschoss nach oben in das große Wohnzimmer, das sich voll verglast zum Wald hinter dem Haus öffnet.

Ein besonderer Clou ist die Verbindung von hier zur dritten Ebene. Die Architekten leisteten sich den Luxus, an den beiden Außenwänden des Hauses je einen Treppenlauf anzuordnen – ein geradezu spielerischer Moment, der zugleich in seiner Symmetrie an repräsentative historische Treppenanlagen erinnert. Auf der dritten Ebene – also wieder zur Straße hin – liegen zwei relativ kleine Kinderzimmer, auf der vierten zwei große Zimmer. Die Architekten sprechen von einem family room, von dem aus man wiederum den master bedroom betritt, der somit als privatester Raum ganz oben und am Ende der Wegstrecke durch das Haus liegt. Interessant ist die Idee des family rooms – ein Optionsraum, der als Spiel-, Arbeits-, Gäste- oder zweites, ruhiges Wohnzimmer nutzbar ist und den alltäglichen Anforderungen von Familien sicherlich mehr entspricht, als die großen, repräsentativen Bade- oder gar Ankleidezimmer, die man vielfach direkt neben dem elterlichen Schlafzimmer findet.

Inwiefern jedoch die graue Lattenverkleidung vor den Fenstern tatsächlich, wie von den Architekten betont, den privaten Charakter der Schlafzimmer in den oberen beiden Stockwerken unterstreicht, bleibt fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass sich im Inneren vermutlich ein unangenehmer, vielleicht sogar beklemmender Eindruck einstellt. Aber dagegen hilft im Zweifelsfall ja einfach eine Stichsäge. (gh)

Fotos: Åke E:son Lindman


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