Experimenteller Pragmatismus
Reihenhäuser in Portugal von Summary
Mit passgenauen Betonfertigteilen planen und trotzdem keine 08/15-Projekte fabrizieren: So ähnlich versuchen es die Architekt*innen von Summary schon seit einigen Jahren – und kommen dabei zu sehenswerten Ergebnissen. Kürzlich stellte das Büro mit Sitz in Porto ein Reihenhaus für fünf Familien fertig. Das steht in Farrapa rund 50 Kilometer südöstlich von Porto.
Die Architekt*innen des Büros lassen verlauten, sie seien auf der Suche nach der „Balance zwischen Pragmatismus und Experiment.“ Für diese Mission hatten sie sich bereits vor einigen Jahren einen Experimentierkasten zusammengestellt, aus dem sie sich auch in Farrapa bedienten: das sogenannte Gomos-System. Dieses ermögliche – inspiriert vom Straßenkanalbau – ein rasches Zusammenfügen vorgefertigter Betonmodule. Der Clou daran sei, dass sämtliche Kabelkanäle, Leitungen und Anschlüsse bereits integriert sind und sich die Bauzeit dadurch erheblich verkürze.
Das Projekt G–5 casas erreichte die Architekt*innen über den Direktauftrag einer privaten Bauherrschaft, die eine unbebaute Anhöhe in ländlicher Lage zur Verfügung stellte. Umgesetzt wurde eine Bruttogrundfläche von 835 Quadratmetern. Neben der Architektur überzeugt insbesondere der Ausblick, der bis zum angrenzenden Geopark Arouca geht – einem Gebirgsmassiv und beliebten Ausflugsziel für Einheimische und Tourist*innen. Neben zahlreichen Wasserfällen findet sich hier mit der Arouca 516 auch die längste hängende Fußgängerbrücke der Welt.
Im gewachsenen Kontext des pittoresken Bergdorfs fällt das Gebäude auf: Klar zonierte Scheiben aus Sichtbeton schichten sich über zwei Geschosse und verleihen dem Gebäude einen fast schon wehrhaften Ausdruck. Auf diesem Sockel platzierten die Architekt*innen leicht eingedrehte Quader, die für drei Wohnungen die Maisonette bilden. Diese Zweiteilung erinnert an das Projekt des Büros im Vale de Cambra. Während die Architekt*innen dort versuchten, durch Ausbildung von Dachschrägen eine Art Angleichung an die historischen Bauten zu erreichen, lösten sie sich in Farrapa gänzlich vom kontextuellen Zwang.
Im Erdgeschoss wurden die Wohnungen in Schottenbauweise errichtet. Man betritt sie über separate Eingänge mit je eigener Treppe vom Straßenniveau aus. Auch die Oberflächen der daran angrenzenden Freibereiche sowie der Innenräume werden größtenteils von Sichtbeton dominiert – dabei sollen die Räume zwischen den Volumen als gemeinschaftlich nutzbare Terrassen funktionieren. (tg)
Fotos: Alexander Bogorodskiy
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Summary
- Projektteam:
- Samuel Gonçalves, Inês Rodrigues, João Meira
- Tragwerksplanung:
- FTS, Technical Solutions
- Betonfertigteile:
- Arouconstroi
- Bauherrschaft.:
- privat
- Fläche:
- 835 m² Bruttogrundfläche
Wie komplette Bauteile aus Beton kreislauffähig gemacht werden können, zeigt unsere BauNetz WOCHE #679 mit fünf spannenden Forschungsprojekten.
Aber gut, diese Seite ist halt funktional gehalten, passt! Die Vorderseite als eigentliche Adresse ist interessant. Genial finde ich, wie man durch verschieben, aussparen oder hinzufügen von einfachen Geometrien hier absolut besondere Räume und Erlebnisse produziert. z.B. die runden Öffnungen oder die schräg gestellten Wände auf den Terrassen. Der Kniff mit den auf dem Flachdach-Plateau verdrehten Obergeschossen schafft hier echte Begegnungsräume aber auch genug Privatsphäre. Die Innenräume sind Lo-Fi budgetfreundlich, aber nicht so steril, dass der Lebensraum untergeht. Tolles Projekt.
Auch in experimentellen Wohnbauten leben Menschen für einen längeren Zeitraum.
Das Grundstück einmal durchbetoniert. Findet das jemand schön oder finden die Architekten, dass die Bewohner das "aushalten" müssen? Garten Beton, Loggia allseitig betonumschlossen. Das Innenraumfoto vom Bad hätte jetzt auch problemlos aus einer JVA sein können.