Alpines Facelift
Radikaler Hotelumbau in Südtirol von Peter Pichler Architecture
Wenn man die Renovierung des Hotels Schgaguler von Peter Pichler Architecture (Mailand) im kleinen Südtiroler Dorf Castelrotto mit einem Facelifting vergleichen würde, wäre eine nette, ältere Dame nach ihrer OP mit dem Gesicht eines kalifornischen Fotomodells aufgewacht:
Das Haus wurde 1986 erbaut und liegt im Herzen der Dolomiten, einer von der Unesco geschützten Region im norditalienischen Alto Adige. Ursprünglich im Stil der Südtiroler Regionalarchitektur gestaltet, ist davon nach dem Umbau nicht mehr viel zu erkennen – dabei wurden traditionelle Elemente wie das ortstypische Satteldach durchaus spielerisch in die Umgestaltung einbezogen. So zeichnen die drei monolithischen Baukörper die Silhouette des Hauses vor dem Umbau nach, sind aber als „moderne Interpretation des Alpinen Stils“ zu verstehen, wie es in der Projektbeschreibung heißt.
Die neue Glasfassade soll das Hotel zum Dorf hin öffnen und auch die umgebenden Berge in Gänze erlebbar machen. Dafür wurde die skulpturale Südfassade mit großen Loggias versehen, die durch ihre Tiefe natürlich verschattet werden. Die hellgraue Farbe des kalkhaltigen Fassadenputzes ist an der Tönung der Berge orientiert, während im Inneren lokale Materialien wie Kastanienholz und Kalkstein mit beigen und grauen Stoffen und Bodenbelägen kombiniert werden.
Die insgesamt 4.450 Quadratmeter gliedern sich in öffentliche Bereiche wie Lobby, Bar und Restaurant im Erdgeschoss – die Bar ist mit einer großen Sonnenterrasse verbunden – und Wellnessareal im Untergeschoss. Hotelzimmer und Suiten sind auf den oberen Geschossen untergebracht, sie verfügen über offene Badezimmer mit freistehenden Wannen, zum Entspannen nach Skitouren oder Wanderungen.
Der radikale Umbau des Hotels Schgaguler ist aus einem Wettbewerbsgewinn im Jahr 2015 hervorgegangen. Was angesichts der umfangreichen Umgestaltung verwundert, ist die sehr kurze Bauzeit, die präzise von Seiten der Architekten angegeben wird: Baubeginn war im März 2018, der Abschluss der Bauarbeiten erfolgte nur vier Monate später. Die Stammgäste, die diese Saison zum Winterurlaub wiederkehren, werden sich in jedem Fall die Augen reiben. (kh)
Fotos: Oskar Dariz, Martin Schgaguler
Da nützt auch die Dreigliederung und die Satteldächer nicht mehr viel - es wird als ein Baukörper wahrgenommen, der sich nicht ins Ortsbild einfügt (durch Vollverglasung/ Raster).
Das war vielleicht auch so gewollt um aufzufallen, allerdings wird es - früher oder später - als Bausünde wahrgenommen werden.
Z.B. Maßstab: das Gebäudevolumen ist nach wie vor in 3 ablesbare Baukörper gegliedert. Für mich ist in der Maßstäblichkeit kein Unterschied zu vorher feststellbar. Das gleiche gilt für die angebliche Abwesenheit von Dachüberständen. In den Kehlen sind die natürlich nicht herstellbar, an den Giebelseiten sehr wohl vorhanden. Wurde da vielleicht nicht genau hingeschaut sondern einer Aversion gegen zeitgenössischer Architektursprache nachgegeben?
Im übrigen fallen die verputzten Massivbauten der Region keineswegs durch besonders große Dachüberstände auf, im Gegenteil.
Die regionaltypischen Balkons über die gesamte Gebäudebreite sind ebenfalls umgesetzt, die trichterförmigen Laibungen inteligent interpretiert.
Was ist jetzt eigentlich so radikal an dem Projekt, außer die Ablehnung von süßlicher Folklore a la Kastelruther Spatzen?
... warum fahren dann leute mit eurer einstellung ... nicht einfach nach z.B. la grande motte, dieses gut 50 jahre alte ... touristengetto ... ist absolut modern + minimalistisch ... und der einzelne mensch ... ist hier nichts ...
Immer schon nerven mich diese schrecklichen Hotelbunker im Skigebiet die auf "traditionell" machen aber einfach nur überdimensionierten verkitscht sind für das, was sie sein wollen.
Dann lieber modern, klar und minimalistisch.
Daher liebe ich auch die französischen Alpen mit autofreien (!) Orten wie Avoriaz, La Plange, Les Arcs... :))