Buchtipp: Recht auf Stadtraum
Public Spaces NY
Mit der Aufbereitung von Daten lassen sich jede Menge beeindruckende Diagramme produzieren. Sie können helfen, von unbequemen Fragen abzulenken – oder Transparenz schaffen und zum Nachdenken anregen. Letzteres gelingt Michael Meredith and Hilary Sample mit ihrem Buch Public Spaces NY.
Meredith und Sample, die bereits mehrere Bücher und Textbeiträge für nahmhafte Magazine geschrieben haben, sind keine Politikexperten, Datenanalysten oder Stadtplaner, betonen sie selbst. Wie im Vorgängerband Vacant Spaces NY, der 2021 bei actar erschienen ist, recherchieren die beiden Gründer*innen des New Yorker Architekturbüros MOS öffentlich zugängliche Daten und visualisierten diese in einer konsequent zweifarbig gestalteten Feier der Karten und Diagramme.
So bringen sie Phänomene von New York City ans Licht, die man im Vorbeigehen nicht wahrnehmen kann, die aber für ein Verständnis der Millionenstadt hilfreich sind. Zum Beispiel, dass 18 Prozent der New Yorker*innen keinen Internetzugang haben oder dass ein Drittel der Stadt Straßenland sind. Ja, was lässt sich nicht alles messen und ins Verhältnis setzen: Einwohner pro U-Bahnzugang, Straßenfläche pro Einwohner, die Länge der Buslinien und Fahrradwege, die Dichte der Fahrradständer und WLAN-Stationen in einem Quartier, der öffentlichen Toiletten und Duschen, der Bibliotheken, Museen und Straßencafés.
Ganz im Sinne des französischen Soziologen und Philosophen Henri Lefebvre lädt das Buch dazu ein, New York durch die Brille des Rechts auf Stadt zu sehen. Man erfährt, welche Genehmigungen für eine Demonstration wichtig sind, wo jährlich Umzüge stattfinden und Straßen für Autos gesperrt werden. Beeindruckend grün ist die Karte, wenn sie Straßen zeigt, auf denen Wochenmärkte zulässig sind.
Öffentliche Räume sind für Meredith und Sample nie neutral, sondern immer umkämpft und ständig im Wandel. Damit nicht genug, geht es auch um das Verhältnis von privat und öffentlich, um die größten privaten Landbesitzer*innen der USA und die Zuständigkeiten verschiedener Behörden für die restlichen Flächen. Auf den letzten Seiten schließlich öffnen Karten die Augen für ein Was-wäre-wenn. Barcelona oder Amsterdam dienen als Vorbild für städtische Veränderungen, die sich das Duo für den öffentlichen Raum ihrer Heimatstadt wünscht.
So enden die Herausgeber*innen mit einer Botschaft, die aus der Stadt der Superlative ungewohnt klingt: Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Das neue Wandgraffiti zum Beispiel oder der überfüllte Hundespielplatz, der aufgeregte Redner an der Ecke, oder die kalte Brise, die durch die Lücke fegt.
Text: Friederike Meyer
Public Spaces NY
Michael Meredith und Hilary Sample (Hg.)
Englisch
632 Seiten
Park Books, Basel 2025
ISBN 978-3-03860-434-1
48 Euro