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05.07.2024

Räume der Mobilität

Projektaufruf für die IBA Metropolregion München


Es ist die erste Internationale Bauausstellung (IBA) in Bayern und die erste, die sich dezidiert dem Thema Mobilität widmet. Mit dem gestrigen Projektaufruf startete die IBA Metropolregion München ihre zehnjährige Laufzeit. Wer initiiert sie und wer kann sich beteiligen?

Von Sabina Strambu

Bereits im Herbst vergangenen Jahres gründete sich die Gesellschaft der Internationalen Bauausstellung Metropolregion München, nun wurde mit dem Ideen- und Projektaufruf der offizielle Startschuss gegeben. Die Machbarkeit und Bereitschaft in der Region, eine IBA zum Thema „Räume der Mobilität“ auszurichten, war bereits seit Jahren mit fachlicher, kommunaler und wissenschaftlicher Unterstützung sondiert worden. Jetzt begibt sich die erste bayerische IBA auf die Suche nach geeigneten Projekten, die sie im Ausstellungsjahr 2034 der Weltöffentlichkeit präsentieren will. Die Erwartungen sind hoch. Denkt man an Städte wie Paris, Barcelona, Kopenhagen oder Medellín, so ist es die internationale Messlatte auch.

Wer steckt hinter der Metropolregion?

Als Gesellschafter*innen der IBA-Metropolregion treten neben der Landeshauptstadt München auch die Städte Augsburg und Ingolstadt, die Landkreise München und Freising sowie der Verein Europäische Metropolregion München (EMM) auf. Die Region reicht aber auch weit darüber hinaus. Gesucht werden Ideen und Vorhaben „von urban bis ländlich, von klein bis groß, von schnell umsetzbar bis langfristig,“ sagt Julianna Günther, Geschäftsführerin der IBA anlässlich der gestrigen Pressekonferenz zum Projektaufruf.

Der inhaltliche Rahmen ist ebenso weit gesteckt. Gerade im regionalen Kontext schließt Mobilität nicht nur Verkehr und bauliche Infrastruktur ein, sondern auch die Vernetzung, Pendlerbeziehungen, Logistik, gesellschaftliche Diskurse, Partizipation, Forschung, den virtuellen Raum oder etwa systemische Veränderungen in administrativen Prozessen. Für Elisabeth Merk, Stadtbaurätin von München und nun auch Vorsitzende des Aufsichtsrats der IBA-Gesellschaft, gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt: „Wir werden uns sehr viel mehr mit den Bestandsstrukturen auseinandersetzen müssen, sehr viel weniger neu bauen“, sagt sie. Ein Privileg der Region sei es, trotz der Krisen weiter prosperierend zu sein. „Wachstum durch Transformation der Bestände,“ so formuliert Merk eines der Ziele.

Eine Schlüsselfigur dürfte der Verein EMM spielen. Dieser versammelt – neben vielen weiteren bayerischen Kommunen und Landkreisen – eine Reihe von Unternehmen, Konzernen und Institutionen aus der Region. Für die IBA ist damit auch ein Schwerpunkt auf Wirtschaft und Wissenschaft gesetzt. Doch zivilgesellschaftliche Initiativen oder Privatpersonen können ihre Ideen ebenso einbringen – wenn sie sich später der eigens gegründeten IBA-Unit der EMM anschließen. Diese sieht sich als Pool für kleine Kommunen, Unternehmen, Verbände, Bürgerinitiativen, Start-ups oder Hochschulen, wie Günther erklärt. Immer wieder fällt das Wort „Exzellenz“. Merk betont jedoch, dass durchaus auch „Alltagsprojekte“ erwünscht sind. „Kreativität und unkonventionelle Lösungen sind willkommen“, sagt sie.

Ablauf der Einreichung und erste Frist für den Ideenaufruf

Zwar lässt sich über die gesamte Laufzeit der IBA ein Vorhaben einbringen, eine erste Einreichungsfrist ist jedoch mit dem 15. Oktober 2024 gesetzt. Ein noch nicht näher benanntes, international besetztes Kuratorium trifft dann eine Auswahl, die am 4. Dezember, beim ersten „Tag der IBA-Projektideen“ im Münchner Haus der Architektur vorgestellt wird. Im Herbst tritt auch Oliver Weigel als Geschäftsführer der IBA seinen Dienst an. Dies wurde vor wenigen Wochen bekanntgegeben. Weigel ist derzeit noch Leiter des Referats „Internationale und europäische Stadtentwicklungspolitik“ im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSM) in Berlin.

Die Einreichung läuft über einen Fragebogen, der auf der IBA-Website abrufbar ist. Anhand dessen kristallisieren sich bereits erste Kriterien heraus, die ein Vorhaben erfüllen muss. IBA-Geschäftsführerin Julianna Günther sieht darin aber auch die Chance, eigene Ideen zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Fertige Entwürfe seien noch nicht gefragt. So manches Beispiel ist dann doch wiederum sehr konkret, wie eine Projektskizze für das Bahnhofsareal in Freising zeigt. Einreichen kann man außerdem auch einen „Projektraum ohne Idee“, also etwa eine zu entwickelnde Fläche.
 
Was kann man erwarten?

Eine IBA zum Thema Mobilität ist wichtig und überfällig. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, welche Projekte es auf die IBA-Bühne schaffen – und ob auch stadt- und landräumliche Veränderungen möglich werden, die nicht nur wirtschaftlichen Nutzen generieren, sondern auch ökologische und soziale Interessen bedienen. Ein Schlüsselpunkt im Kriterienkatalog ist die Realisierbarkeit des Vorhabens, wodurch sicherlich so manche Ideen bessere Startvoraussetzungen als andere haben dürften. Doch Mut und die gewünschte ko-kreative Kraft könnten hier greifen.

Gerade in einer Region, in der die Automobil- und Luftfahrtindustrie tief verankert ist – oder in einer Stadt wie München, wo immer noch eine zentralisierte Verkehrsplanung gepflegt wird, teilweise Bürgerinitiativen um jeden innerstädtischen Autoparkplatz kämpfen und zuletzt die temporär verkehrsberuhigten Sommerstraßen auf vehementen Widerstand stießen – überall dort ist eine wirksame und vielseitige Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität der Zukunft dringend notwendig – und eine Chance.


Zum Thema:

Weitere Lektüre zu weltweiten Praxisbeispielen oder Entwicklungen in der Mobilität, zu Zusammenhängen mit dem Zeitgeschehen oder den Auswirkungen des Automobils auf Architektur und Städte haben wir bereits in Buchtipps, Filmtipps und der Baunetzwoche versammelt.


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Luftbild von München; Foto von Sean Zeng auf Unsplash

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Plakat und grober Umgriff der Region für die IBA Metropolregion München „Räume der Mobilität“

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Fußgänger*innen und deren Schatten in der Kaufingerstraße in München; Foto von Jan Antonin Kolar auf Unsplash

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