Eigensinnige Neuaufführung
Probestudio in Potsdam von abcarius + burns architecture design
Klingelt etwas beim Anblick dieser Sterne? Die Fassade des Hauses für Musik am Alten Markt in Potsdam erinnert nicht von ungefähr an die Wabenkonstruktion des Hauptgebäudes der Fachhochschule Potsdam, das 1977 als Institut für Lehrerbildung eröffnet worden war. Nach Entwürfen von abcarius + burns architecture design (Berlin) ist das Haus für Musik, unter Bauherrschaft der CAL GmbH, als Teil der Neubebauung des ehemaligen FH-Geländes entstanden. Für die Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses an dieser Stelle hatte die Stadtverwaltung 2017 einen Wettbewerb veranstaltet.
Im Zuge des FH-Abrisses gerierten die markanten, von Wolfgang Kärgel entworfenen Sterne zum Symbol des Widerstands gegen die städtische Baupolitik – der vorgeworfen wurde, die jüngere Geschichte Potsdams einer Rekonstruktion des barocken Stadtbildes zu opfern. Originale Fassadenteile zieren teils heute noch kommunale Einrichtungen und linke Hausprojekte in der brandenburgischen Hauptstadt.
Nun schmückt eine Nachbildung also den mit 165 Quadratmetern kleinsten Neubau im sogenannten Block III, der westlich der Nikolaikirche und nördlich des Stadtschlosses entsteht. Das Haus für Musik ist mit elf barrierefreien, anmietbaren Räumen für Musiker*innen aller Art typologisch wie architektonisch die ungewöhnlichste Realisierung im Block III. Die im Unterschied zu den anderen acht Häusern freie Gestaltung und zeitgenössische Anmutung des Neubaus verdanken abcarius + burns dem Umstand, dass diese Parzelle im historischen Stadtgrundriss nicht bebaut gewesen war.
Es mag in der Natur von akustisch abgekapselten Proberäumen liegen, dass zwischen ihnen und den Verkehrsflächen gestalterische Diskrepanz herrscht. Mit Moll Akustik (Berlin) wurde ein entkoppeltes Raum-im-Raum-Prinzip entwickelt. Die Übungsräume mit warmen Farbtönen und Eichenholz sollen Geborgenheit vermitteln. Demgegenüber stehen bewusst kühl und robust gestaltete Erschließungsräume. (kms)
Fotos: Ludger Paffrath
Das ist etwas missverständlich formuliert, denn an dieser Stelle stand auch vor dem Krieg ein Gebäude. Da die benachbarte Friedrich-Ebert-Straße heutzutage u.a. wegen der Straßenbahn breiter ist, als sie es vor dem Krieg war, wurden die Eckhäuser entsprechend um einige Meter verschoben wieder aufgebaut, weshalb die hier besprochene Rest-Parzelle deutlich schmaler ist, als sie es vor dem Krieg war. Daher war für diese Parzelle ein bewusst moderner Ausdruck gewünscht, während alle anderen Parzellen, die der historischen Breite entsprechen, strengen klassischeren Gestaltungsvorgaben gerecht werden mussten.
Mehr aber auch nicht. In einem Probenraum erklingen auch Misstöne. Er muss Mut machen, der Probenraum. Nicht einschüchtern. Macht ein Designhotel draus. Iss nix für Musiker.