Raum für große Kulissen
Probebühne für das Deutsche Theater in Berlin von gmp
„Eine reduzierte Aussage der Fassaden schafft im heterogenen Gefüge von historischen Gebäuden und schwierigen Rückfassaden eine wohltuende Klarheit“ – so begründete die Jury im 2010 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Probebühnenzentrum des Deutschen Theaters in Berlin ihre Entscheidung für den Entwurf des Berliner Büros gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner. Senatsbaudirektorin und Preisrichterin Regula Lüscher lobte insbesondere die „skulpturale Ruhe“ des projektierten Gebäudes. Nun ist das vom Bundesland Berlin beauftragte und ursprünglich mit 9,9 Millionen Euro budgetierte Probenhaus fertiggestellt und hat seinen Betrieb aufgenommen.
Das Bauprojekt war nicht unumstritten. Denkmalschützer meldeten in Anbetracht der geplanten Lage auf einem engen, keilförmigen Grundstück im Theaterhof, der unmittelbar an den Campus Nord der Humboldt-Universität angrenzt, schon im Vorfeld Bedenken an. Sie befürchteten eine Beeinträchtigung der umgebenden klassizistischen Baudenkmale, insbesondere des 1790 errichteten Tieranatomischen Theaters der Humboldt-Universität von Carl Gotthard Langhans, dem Architekten des Brandenburger Tors. Fingerspitzengefühl und gestalterische Zurückhaltung waren daher gefragt. Die Architekten setzten auf einen neutralen, räumlichen Vermittler, der ihnen zufolge als „Passepartout“ für die geschützte Umgebung fungiert – mit reduzierter Formensprache, hell verputzten Wandflächen, die von vertikalen Fensterschlitzen durchbrochen werden und einer hinterlüfteten Sockelfassade aus anthrazitfarbenen, feingewaschenen Betonelementen.
Auch wenn laut Projektbeschreibung ein möglichst „schlankes“ Erscheinungsbild forciert wurde: Das über L-förmigem Grundriss errichtete Volumen mit 4.426 Quadratmetern BGF ragt trotz gestaffelter Baumasse und Orientierung an der Maßstäblichkeit der Umgebung am Ende doch sehr massiv ins Gesamtbild. Geschuldet ist die kompakte Kubatur des grauen Klotzes aber schlichtweg seiner Funktion: Er führt den gesamten Probenbetrieb des Theaters erstmals an einem zentralen Ort zusammen und ermöglicht die Optimierung der logistischen Abläufe sowie authentische Probensituationen: Im hohen Mittelteil bieten drei übereinander gestapelte Probebühnen – zwei in den originalen Abmessungen der DT-Hauptbühne sowie eine in denen der Kammerspielbühne – Platz für Kulissen in realer Größe.
Westlich und östlich flankierende Gebäudeteile nehmen Werkstätten, Aufenthalts-, Garderoben- und Büroräume auf. Die akustisch voneinander entkoppelten Bühnen verfügen über je eine große Drehscheibe, umlaufende schwarze Wandvorhänge und Galerien für Scheinwerfer und Tontechnik. Die Konstruktion offenbart sich im dunklen Deckenbereich. Im Kontrast dazu sollen die hellen Holzböden und MDF-Wandelemente für Werkstattcharakter sorgen. (da)
Fotos: Christian Gahl
Überdimensioniert und in keiner Weise die Sprache der Umgebung aufnehmend.
Ein krachender Fremdkörper.
Peinlich! Mehr fällt mir dazu nicht ein.
so gesehen, ist es klar, dass es große geschlossene fassadenteile gibt und dass die restlichen flächen gegliedert werden müssen, oder?
die arroganz des ESMUSSJEMANDMALSAGEN finde ich anmaßend! sachliche kritik ist ok, doch 2/3 ihres textes klingt nach missgunst!
cheers
Leicht könnte man den Spieß umdrehen, und die Sattheit in den Chefetagen einiger etablierter Großbüros beklagen und läge hier sicher richtiger als bei diesen unverschämten jungen Leuten.
Solche banalen Kisten entstehen aus einem Mangel an Wettbewerb in Konzeption und Formfindung, und eben gerade dadurch, dass die jungen UND genauso die kleinen Büros aus solchen Verfahren gezielt herausgehalten bzw. im weiteren Verlauf gezielt ausgesiebt werden. Zurück bleiben die großen Brummer, von denen nur Konsens zu erwarten ist.