Joseph Beuys in Genf
Platzgestaltung von Bureau
Joseph Beuys mit seinen 7.000 Eichen war das Vorbild, Koexistenz lautet das Motto: BUREAU haben kürzlich in ihrer Heimatstadt Genf eine Platzgestaltung fertiggestellt. Diese verwandelt das Umfeld einer unterirdischen Bahnstation samt zugehöriger Bushaltstellen in eine Art Stadtgarten – zumindest perspektivisch, wenn die Vegetation noch ein wenig wuchern konnte. Mensch, Pflanz’ und Tier teilen sich einen Raum, so die Idee.
Das Projekt geht auf einen Wettbewerb zurück, den BUREAU und Daniel Zamarbide zusammen mit Leopold Banchini Architects gewonnen hatten. Die zugehörige Bahnstation gehört zur schweizerisch-französischen CEVA-Linie und wurde – wie auch weitere Bahnhöfe – von Jean Nouvel und Éric Maria geplant. Der neue Platz wurde von der Stadt beauftragt und befindet sich auf dem Plateau de Champel, das auch namensgebend für die Haltestelle war. Von hier führt die Bahnstrecke in einem großen Bogen um die Innenstadt bis zum Genfer Hauptbahnhof Cornavin.
Die Architekt*innen konzipieren ihren Platz als Archipel aus amöbenförmigen Pflanzinseln, was ein vieladriges Wegenetz ergibt. Schnelles Streben ist dadurch ebenso möglich wie entspanntes Flanieren. Auch Bänke wurden in die Struktur integriert, ebenso wie zwei Bushaltestellen mit geschwungene Betondächern. Außerdem vermitteln sanft gebogene Teppen zwischen den unterschiedlichen Niveaus des Platzes und der Eingänge. Die Handläufe dieser Treppen zitieren in ihrer Gestaltung Eichenäste, was an Motive des Jugendstils denken lässt.
In Referenz zu Beuys wurden natürlich auch echte Eichen gepflanzt. Zwar keine 7.000, aber doch immerhin 130 Stück. Hinzu kommen weitere Gewächse verschiedenster Arten. Hier sollen schließlich nicht nur Menschen zu den Bahnsteigen eilen, sondern auch zahllose kleinere Lebewesen Schutz und Nahrung finden. Der Platz kommt damit der Atmosphäre eines Gartens schon recht nahe, zumal fest installierte Lichterketten dauerhaft für sommerliche Leichtigkeit sorgen. (sb)
Fotos: Guillaume Collignon, Dylan Perrenoud
Schön zu sehen, dass auch mal daran gedacht wird, das man sich im öffentlichen Raum nicht stets beobachtet fühlen möchte. In diesen Verschlingungen ein Buch zu lesen oder einen Joint zu rauchen, stelle ich mir wirklich herrlich vor!
Sehr gelungenes Projekt!
Erinnert mich im Baulichen auch an frühere östliche, stark benutzte Freizeitparks, auch mit dem Lichtprovisorium.
Da entstand kein vernünftiger Ort zum Verweilen, sondern eine überdesignte "lustige" Wegeführung zur U-Bahn, mit wenig Sinn für einen Platz als gemeinschaftliche Fläche. Die Zerstückelung der Wahrnehmung entspricht allenfalls der Vereinzelung der Besucher, und erscheint bezüglich sozialer Kontrolle eher problematisch.
Auch als "Garten" erschließt sich mir der Raum nicht, denn die immergleichen Gartennuggets wirken schnell monoton und wenig animierend, selbst wenn die Details der Handläufe und Kantensteine sehr schön gedacht waren.
Eine Verschwendung öffentlichen Raums.