Vollintegrierter Starnberger Flügel
Planungen von Auer Weber am Münchner Hauptbahnhof
Seit 20 Jahren beschäftigt sich das Büro Auer Weber (Stuttgart/ München) bereits mit dem Neubau des Münchner Hauptbahnhofs. Nach einem mehrjährigen Wettbewerbsverfahren, das 2006 zu einem Ergebnis führte, und vielen Jahren der Planung haben vor einiger Zeit die Bauarbeiten für das neue zentrale Empfangsgebäude begonnen. Der schlichte Rasterbau mit seinem charmanten Vordach aus der Nachkriegszeit wurde bereits abgerissen. An seiner Stelle wird ein Neubau errichtet, der mit wuchtig ausladendem Kopfbau in Richtung Stadt blickt.
Doch damit nicht genug. München verfügt nämlich über einen dreiteiligen Hauptbahnhof. Südlich der Haupthalle liegt der vorgelagerte Holzkirchner, nördlich der Starnberger Flügelbahnhof. Beide Flügelbahnhöfe haben über die letzten Jahrzehnte für den täglichen Bahnbetrieb erheblich an Bedeutung verloren, werden aber immer noch genutzt. Während der Holzkirchner Flügelbahnhof von den aktuellen Neubauplanungen unberührt bleibt, wird der Starnberger Flügelbahnhof in architektonisch-städtebaulicher Hinsicht freilich eine wahre Renaissance erleben. Hier wird ein Hochhaus errichtet, das das gesamte Bahnhofsensemble steil überragen wird.
Anfang des Jahres gaben Auer Weber bekannt, dass die Ausführungsplanungen für Empfangsgebäude und Starnberger Flügelbahnhof beginnen. Im Mai billigte die Stadt den Bebauungsplan für den 69 Meter hohen Büroturm, der den westlichen Abschluss des gesamten Neubauensembles bilden wird. In diesem Zusammenhang wurde ein neuer Planungsstand für den 32.700 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassenden 17-Geschosser veröffentlicht, der in erster Linie Büroflächen sowie – im Erdgeschoss, aber auch auf der obersten Ebene – Gastronomie bieten wird.
Auch wenn der aktuelle Planungsstand nur über Visualisierungen kommuniziert wird, lohnt sich ein Blick auf die Fassadenlösung des Flügelbahnhofs, die die Gestaltung des zentralen Empfangsgebäudes weiterführt. Insbesondere der Vergleich mit dem Planungsstand von 2015 ist aufschlussreich. Damals artikulierte sich der Flügelbahnhof noch als eigenständiger Baukörper mit einer vertikal gegliederten Fassade. Die aktuellen Bilder zeigen einen integrierten Baukörper. Der Bahnhof zeigt sich als zusammenhängendes Ensemble mit rautenförmiger Hülle, das plastisch und präsent den Stadtraum besetzen wird.
Ganz unabhängig davon, dass hier reichlich Büroflächen entstehen, darf der Habitus des Neubaus geradezu als programmatischer Gegenentwurf zum schlicht-klassizistischen Bestandsgebäude begriffen werden, das 1950 nach Plänen von Heinrich Gerbl entstand. Dieses steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Da der Entwurf für den Gesamtkomplex Hauptbahnhof älter ist, gelte für diesen „Vertrauensschutz“ und der Altbau könne abgerissen werden, schreibt die Süddeutsche Zeitung. In dem Beitrag wird auch darauf hingewiesen, dass der Flügelbahnhof und das Hochhaus deutlich früher fertig werden könnten als das zentrale Empfangsgebäude, das konstruktiv mit dem extrem aufwändigen und problembelasteten Bauprojekt eines neuen, zentralen S-Bahntunnels („2. Stammstrecke“) verknüpft ist. Offizielle Angaben zu Baubeginn oder gar Fertigstellung des neuen Flügelbahnhofs gibt es nicht. (gh)
Das Stuttgarter Lichtgezappel ist nichts dagegen. Dieser Prototyp für sämtliche Logistik ist so fundamental wie die Berliner Philharmonie und muss erhalten bleiben.
mit bahnhof hat das alles überhaupt nichts zu tun, das ist nichts als ein (geld-)gieriger angriff auf den bahnhof, der quasi als funktionales anhängsel ins untergeschoss verbannt wird, um dort x-fach gemolken und ausgeraubt zu werden. die deutsche bahn zeigt sich einmal mehr von ihrer selbstzerstörerischen und minderwertigkeitskomplex-behafteten seite. statt ihr kerngeschäft funktional und ästhetisch zu perfektionieren und stolz zur schau zu stellen, siegt mal wieder der ausverkauf. das ding ist von vorne bis hinten vermurkst und einfach nur grauenvoll - in dreißig jahren wird man es zurecht abreißen wollen.
Ich habe Herrn Auer senior auf einer Veranstaltung angesprochen, da hat er herumgedruckst und meinte immerhin, das überdimensionierte Vordach würde er heute nicht mehr bauen, weil der Vorplatz zu klein dafür sei. Irgendjemand muss das stoppen, aber die, die das elegant könnten haben keine Kraft, traurig. Wenns blöd kommt steht in ein paar Jahren da ein Soloturm, mit Sicherheit ohne Integration.
das ist ne heisse definition, das schlage ich beim nächsten projekt der denkmalschutzbehörde vor, auf die reaktion bin ich gespannt ;-) was für ein vertrauen??? wenn mans abreisst isses weg. egal was neues kommt egal ob gutes oder schlechtes