Stadtentwicklung in Berlin
Petra Kahlfeldt wird Senatsbaudirektorin
Heute Vormittag haben die designierte Regierende Bürgermeisterin von Berlin Franziska Giffey und der Berliner SPD-Vorsitzende Raed Saleh die Senator*innen der SPD für die künftige Berliner Landesregierung vorgestellt. Demnach wird der bisherige Innensenator Andreas Geisel künftig für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen in der Hauptstadt zuständig sein. Er wird von den beiden Staatssekretärinnen Ülker Radziwill und Petra Kahlfeldt sowie dem Staatssekretär und bisherigen Chef der Senatskanzlei Christian Gaebler unterstützt. Christian Gaebler übernimmt den Bereich bauen und Wohnen, Ülker Radziwill wird den neu geschaffenen Bereich Mieterschutz leiten. Petra Kahlfeldt wird neue Senatsbaudirektorin.
Petra Kahlfeldt und die Stadt Berlin kennen sich seit Jahrzehnten. Sie studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin und der Universitá degli Studi di Firenze. Seit 1987 war sie laut Angaben auf der Bürowebseite in Bürogemeinschaft mit Paul Kahlfeldt selbstständig als Architektin tätig. Im Januar 2022 wird die heute 61-Jährige aus dieser Partnerschaft ausscheiden. Doch nicht nur die Architektur des Büros Kahlfeldt Architekten, sondern vor allem ihre Lehrtätigkeit und ihre Mitgliedschaft in zahlreichen Wettbewerbs- und Gutachterverfahren, Räten, Kommissionen und Beiräten dürften einiges über die Schwerpunkte andeuten, die sie in ihrer künftigen Arbeit setzen wird.
Seit 2004 war Petra Kahlfeldt als Professorin unter anderem an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Berliner Hochschule für Technik tätig und lehrte in den Bereichen Historische Baukonstruktion, Denkmalpflege und Entwurf. Von 2000 bis 2014 war sie Mitglied des Landesdenkmalrats der Stadt Berlin, saß bzw. sitzt in Gestaltungsbeiräten in Landshut, Würzburg, Potsdam und im Welterbebeirat der Hansestadt Lübeck. Kahlfeldt gehörte den Kommissionen zum Bau des Berliner Humboldtforums, zum Wiederaufbau der Altstadt Dom Römer in Frankfurt am Main und auch zur Potsdamer Mitte am Alten Markt (Block III und Block IV) an. Außerdem ist sie Teil des Baukulturellen Beratungsgremiums Siemensstadt Square und seit 2008 Kuratoriumsmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins (AIV) zu Berlin.
Am 8. Dezember hatte die Architektenkammer Berlin Vorschläge für ein Auswahlverfahren bei der Neubesetzung der Position der Senatsbaudirektion gemacht. Vor einer Woche war ein offener Brief an Franziska Giffey und Raed Saleh publik geworden, der ein offenes und transparentes Auswahlverfahren fordert. Über 450 Einzelpersonen und Institutionen hatten diesen bis zum heutigen Tag unterschrieben. (fm)
Kahlfeldt als Stimman 2.0, Ideologiestreit 2.0. Stimmann polarisierte damals mit seinem Planwerk Innenstadt die Architektenwelt oder vielleicht doch eher mit seinem Netz, Freunde von Freunden? Zeitgleich mit der Stimman-Ära wurde in Berlin Grund um Grund an private Investoren verkauft. War es nun das Planwerk das den Ausverkauf ermöglichte? - Wohl kaum. Es waren poltitische Aktuere, die das forcierten. Um bei der Skalierung der Sauerbruchschen Bilder von Einfamilienhäusern zu bleiben... Sind die townhouses am Rande der Bernauer Straße die besseren Stadtraum-Beispiele als die townhouses am Fridrichswerder, weil von den "richtigen" Architekten gebaut und besessen? Und in stödtbaulicher Skalierung: Es wäre gut, sich von der Architektur zu lösen, die die maximale Rendite in den Vordergrund stellt. Das kann eine politisiche Aufgabe sein. Es kann aber auch eine Aufgabe engagierter Architekten sein, die nicht mitmachen, wenn sie vor die Wahl gestellt werden, Auftrag oder Baukultur. Die vor ihren Bauherren Baukultur verteidigen. Oder geht es hier nicht um Stadt, sondern darum, dass die Architekten an den Näpfen der Stimmann-Ära sich im Aufwind sehen, während die Architekenfreunde der Lüscher-Ära um ihre Näpfe fürchten? Ist es gar kein Baukulturstreit? Und schon gar keiner um die Stadt? Keiner um die Räume des öffentlichen Lebens? Kein Fassadenstreit, Traufhöhenstreit? Kein Streit um zukunftsgerichtete Architektur? Wem gehört die Stadt? Den Bauherren und Eigentümern. Schaut man sich Netzwerke und Bauten des Büros des Ehepaars Kahlfeldt an, wird man feststellen können: Es gibt sie, die Säulen und Kapitelle, den Pseudo-Rückgriff auf vergangene Epochen ohne die Grandezza der Konstruktionen und Materialien der Vergangenheit. Aber es gab im Büro den Sinn und Freigeist für Mitarbeiter anderer Herkunft, die Sanierungen bedeutender Ikonen der Berliner Nachkriegszeit auf den Weg brachten. Im Hansaviertel der Berlin Pavillon, das Amerika Haus am Bahnhof Zoo, heute Galerie C/O Berlin, die Berliner Phiharmonie am Potsdamer Platz. Es scheint eine Wertschätzung des anderen, anderer Epochen. Die Befürchtung, dass Bauprojekte vergeben und Wettbewerbe nicht offen ausgetragen werden würden, dass Freunde des eigenen oder des anderen Netzwerkes bevorzugt werden würden; dagegen kann man politisch agieren; auch über Verbandsarbeit der Kammern. Alle weg von den Fressnäpfen. Mehr offene Wettbewerbe, weniger Netzwerke. Das gilt auch für andere Clans und claims rund um Arch+, Baunetz oder ähnliche um Lüscher. Wurden nicht auch hier die immer gleichen an die Töpfe geholt, bestimmten "den" Diskurs? Sind dadurch die besseren Bauten oder Viertel entstanden? Weniger Ideologie, mehr Stadt. Weniger Eitelkeiten, mehr Debatte. Weniger Eigennutz, mehr Stadt. Weniger Bauherrenarchitektur, mehr Baukultur.
(das man hier keine direkten Links setzen kann finde ich irgendwie putzig. Ich dachte, dass Freischalten durch die Redaktion ist euer Spam-Schutz?).
Herr Sauerbruch und co. haben uns einen Bärendienst erwiesen.