Vom Experiment zum Wohnhaus
Performative Raumgestaltung in Zürich von Edelaar Mosayebi Inderbitzin
Viele Stadtbewohner*innen wünschen sich in Zeiten angespannter Wohnungsmärkte mit schlechter Umzugsperspektive mehr Flexibilität bei der Wohnraumgestaltung. Clusterwohnen oder die Zuschaltung neuer Räume sind Möglichkeiten, mit denen Architekt*innen auf solche Raumbedürfnisse reagieren. Das in Zürich ansässige Büro Edelaar Mosayebi Inderbitzin bringt mit seinem Entwurf für ein Wohnhaus in der Stampfenbachstraße nördlich der Züricher Altstadt einen weiteren Vorschlag ins Spiel: Im sogenannten performativen Haus mit äußerst anpassungsfähigen Grundrissen entscheiden die Nutzer*innen selbst und stets aufs Neue, wie viele Zimmer ihre Wohnung umfasst. Das Konzept schließt mit zeitgenössischen Mitteln an historische Vorbilder adaptiver Grundrisse nicht zuletzt der klassischen Moderne an.
Schon bei einem Baustellenbesuch im März 2022 wurde ersichtlich, wie sich mithilfe von dreh- und schwingbaren Wandscheiben, Schranksystemen und weiterem flexiblem Mobiliar unterschiedliche Raumkonfigurationen herstellen lassen. So können Wohnzimmer und Küche mal eben eins werden, und auch das Schlafzimmer lässt sich je nach Bedarf dazu schalten oder abtrennen. Gedacht sind die Kleinwohnungen mit Flächen zwischen 26 und 54 Quadratmetern für Single- und Zwei-Personen-Haushalte, denen sie sich – jenseits klassischer Korridorwohnungen oder Einraumlofts – individuell anpassen. Dafür seien grundlegenden Elemente der Architektur wie Boden und Decke, Türen und Wände, Einbauten und Möbel neu gedacht worden, erklären die Architekt*innen.
So spielen neben zahlreichen beweglichen Elementen insbesondere fassadenseitige Podeste eine Rolle. Sie bieten nicht nur zusätzlichen Stauraum, sondern werden durch das Hinzufügen von Kissen und Decken zur sofaartigen Sitz- und Liegefläche. Ganz generell befördert der begrenzte Platz ein minimalistisches Wohnen mit wenig Mobiliar. Es sei „in erster Linie ein Bauprojekt für die Nische der Young Urban Professionals“, erklärte Projektleiter Fabian Lauener während der Baustellenbesichtigung. Realisiert wurde das Projekt für das private Immobilienunternehmen UTO Real Estate Management. Derzeit sind laut Website alle Einheiten vermietet.
Grundlage des Entwurfs war ein Prototyp, der 2019 im Rahmen des an der ETH durchgeführten Forschungsprojekts „Vacancy – No Vacancy“ unter Leitung von Elli Mosayebi entwickelt und von unterschiedlichen Nutzer*innengruppen – darunter auch Studierende, Senior*innen und Tourist*innen – während eines jeweils einwöchigen Probewohnens getestet wurde. Über Drehwinkelsensoren an Türen, Fenstern, Schrankeinbauten und Stauraumschubladen wurde damals gemessen, wie intensiv der „performative Raum“ tatsächlich adaptiert und umgestaltet wurde.
Was die Konstruktion betrifft, so wurde das auf einem Eckgrundstück stehende Haus als vorfabrizierter Holztafelbau mit Massivholzplatten (CLT) bei Wänden und Decken errichtet. Als Ersatz für zwei Vorgängerbauten aus den 1980er Jahren nutzt das entstandene Wohnhaus die bestehenden Untergeschosse. Über dem Erdgeschoss sitzen vier Regelgeschosse und ein Dachgeschoss, dessen verschachtelte Wohnflächen mit Oberlichtern ausgestattet sind. Die Hauptnutzfläche beträgt rund 1.500 Quadratmeter. Die Fassade wird durch eine Aluminiumhaut charakterisiert, die dem Haus ein metallisch-funktionales Erscheinungsbild verleiht. Die straßenabgewandte Seite öffnet sich mit durchgehenden Balkonen und großen Verglasungen zu einem kleinen Hof. (da)
Fotos: Roland Bernath
Wer sich für die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Vacancy – No Vacancy“ interessiert, kann sie auf der Website der Professur Mosayebi herunterladen.
Für eine durchaus nicht ganz unerhebliche Facette der Architektur aber, die äußere Gestalt nämlich, sollte man hingegen schon gute Gründe vorweisen können, um eine so ignorante Haltung der städtebaulichen Situation und dem Erfordernis ihrer Gestaltung gegenüber an den Tag zu legen. Und diese guten Gründe kann ich hier ebensowenig erkennen wie eine auch nur annähernd veröffentlichungswürdige äußere Gestalt. Die Publikation im BauNetz-Newsletter kann daher meines Erachtens leider nur der Dokumentation dienen, wie die Konzentration auf Einzelaspekte von Architektur spätestens dann zum Scheitern des "großen Ganzen" führen kann, wenn ebendieses "Ganze" nämlich nicht über die eigene Flurstücksgrenze hinaus gedacht und verstanden wird.
Vom jemandem, der direkt mit Altersdiskreditierung startet und durch absurde Wortwahl flippig-cool erscheinen möchte, dürfen Sie wohl keine sinnvollen Antworten erwarten.
könnten SIe das mal umschwurbeln in ein verständliches Deutsch dass man Ihr ANliegen und Ihre Meinung auch begreift? Danke
Schließlich war es eure Generation welche mit ihrem tun solch Nomadisierenden Ansprüche und maximalen Minimalismus als Lösungskrücke erst den Nährboden bereitet haben. Weniger Labern und weniger Ideologie wäre an eurer Stelle angebrachter. Ein wenig mehr Ambiguitätstoleranz, bitte. Das verlangte hat nämlich das Projekt und deswegen ist es auch gut, keine Best-Practices Verkaufssprech-Wischiwaschi, es ist einfach gut.