A-Z
Mein BauNetz
RSS NEWSLETTER

https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Peis_Museum_in_Luxemburg_eroeffnet_-_mit_Kommentar_24268.html

04.07.2006

Orient und Okzident

Peis Museum in Luxemburg eröffnet - mit Kommentar


In Luxemburg wurde am 1. Juli das neue „Musée d’Art Moderne“ eröffnet. Dessen Architekt Ieoh Ming Pei wurde für sein Werk am 3. Juli 2006 der „Orient- und Okzident“-Preis der Erwin-Wickert-Stiftung verliehen.

Das neue, MUDAM genannte Museum liegt auf dem Kirchberg-Plateau über der Stadt im Europa-Viertel. Es steht auf den Mauern, die einst das pfeilförmige Fort Thüngen von 1732 umgaben und die für drei Jahrhunderte Luxemburger Militärgeschichte stehen.

Das 88 Millionen Euro teure Musée wurde zum langwierigstem Projekt in Peis langer Karriere: Die Fertigstellung hat sich mehrmals verzögert, weil gegen den Wunsch des Architekten das Fort nicht mit dem Kunstmuseum verbunden wurde und der Architekt deshalb den Haupteingang auf die andere Seite verlegen musste. Auch um den teuren Kalkstein aus dem Burgund, mit dem die Wände innen und außen des Museums verkleidet wurden und der für die Wirkung von Peis Räumen wesentlich ist, gab es jahrelangen Streit.

Die introvertierte Form des benachbarten Forts findet sich auch im Neubau: Pei hat einen umschlossenen Zentralraum entworfen, wie er der chinesischen Bautradition entspricht. Der strenge Neubau wirkt in seiner Geometrie wie eine Fortsetzung des Forts und seiner asymmetrischen V-Form.
Die Nordfassade, hinter der die Ausstellungsgalerien liegen, hat nur minimale Öffnungen, während die gläsernen Südfassaden Blicke auf die Silhouette der Altstadt bieten. Skulpturale Treppenhäuser locken die Besucher vom Foyer in die Obergeschosse.

Weil sich die Kunstsammlung zum Zeitpunkt des Bauauftrags noch im Aufbau befand, konnte der Architekt keine maßgeschneiderten Räume für bestimmte Kunstwerke entwerfen. Dennoch ist der Bau keineswegs neutral. Die Architektur dominiert nicht die Kunst, sondern will ihr einen Rahmen bieten, der sich selbst als bildhauerisches Werk versteht.

Von der „Grand Hall“, dem 33 Meter hohen Zentrum des Baus, das von einem viereckigen Glasturm überragt wird, fällt der Blick auf die „Dräi Eechelen“ – die „Drei Eicheln“ des Fort Thüngens. Tageslicht fällt über von außen nicht sichtbare Sheddächer in die Ausstellungsräume im ersten Stock. Das gedämpftere Untergeschoss hingegen ist neuen Medien gewidmet. Eichenparkett, gegipste Wände und Architekturbeton, der die Maserung des Douglastanne als Verschalung zeigt, geben den Räumen eine angenehme, kontemplative Wirkung.

Eröffnungsausstellung „Eldorado“ bis 20. November 2006, Mi-Mo 11-18 Uhr, im MUDAM Luxemburg, Eintritt 5 Euro

Kommentar der Redaktion

Das wohlhabende Großherzogtum Luxemburg will von einer drögen Banken- und Bürokratenstadt zur Kulturmetropole werden. Ihr ehrgeiziges kulturelles Infrastrukturprogramm stammt noch von der Regierung Jacques Santer in den 80er Jahren. Santer hatte nach Vorbild von Mitterand und Kohl Pei mit dem Entwurf des neuen Museums direkt beauftragt. Pei nimmt schon seit Jahren keine Aufträge mehr an.

Es wird sich zeigen, ob sein letztes Werk in Europa, dessen formalistisch wirkende äußere Gestalt gewöhnungsbedürftig ist, sich als geeigneter Rahmen der Kunst erweist.

Pei, der 1917 in Kanton geboren wurde und bei dem deutschen Bauhausmeister Walter Gropius in Harvard Architektur studierte, hat mit der National Gallery in Washington, der Louvre-Pyramide in Paris und dem Schauhaus des Deutschen Historischen Museums in Berlin einen neuen Typus des populären Museums entwickelt, das der breiten Öffentlichkeit einen niedrigschwelligen Zugang zu den Exponaten ermöglicht. Diese Qualitäten prägen auch das neue Haus in Luxemburg, das sich als „Diener der Kunst“ versteht und nicht als eitler architektonischer Selbstzweck.

Peis Neubau adelt architektonisch das umgebende „Quartier Européen“, das von einer öden Bürostadt zum Kulturviertel werden soll. Nebenan wurde unlängst die neue Philharmonie von Christian de Portzamparc eingeweiht. Die luxemburgische Hauptstadt dürfte damit die europäische Kapitale mit dem ambitioniertesten und potentesten kulturellen Bauprogramm pro Kopf sein.

Peis Neubau ist ein willkommener, einfacher und monumentaler Anker im austauschbaren Bürohaus-Einerlei an der Place de l’Europe der europäischen Boom-Stadt. Es ist nur das erste von drei Pei-Museen auf drei Kontinenten, die in diesem Jahr eröffnet werden. Das Museum für Islamische Kunst in Doha/Katar und ein weiteres Museum in Peis chinesischer Geburtsstadt Suzhou werden nach Entwurf des Meisters, der in diesem Jahr 90 Jahre alt wird, ebenfalls in diesem Jahr eingeweiht.

Ulf Meyer


Zum Thema:

www.mudam.lu


Kommentare:
Meldung kommentieren





Pei und Santer

Pei und Santer




Alle Meldungen

<

05.07.2006

Weniger Dichte im Dichterviertel

Baubeginn für Plattenbau-Umbau in Leinefelde

04.07.2006

Stadt im Wandel

Kongress in Essen angekündigt

>