Das Buch, das aus dem Himmel fiel
Pavillon-Buchladen in Chengdu von MUDA
Chengdu ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas. In der Stadt leben zehn Millionen Menschen, aber längst ist die Metropole über ihre Grenzen hinaus gewachsen – und sie wächst weiter. Seit 2011 ensteht im Süden von Chengdu das ehrgeizige Stadtentwicklungsprojekt Tianfu: Ein neuer Stadtteil auf 1.500 Quadratkilometern, der nachhaltig gebaut und energieneutral betrieben werden soll; außerdem soll keine Wohnung mehr als zwei Minuten zu Fuß vom nächsten Park entfernt liegen. Einer dieser Parks entsteht nun am Südufer des Xinglong-Sees. Und weil private chinesische Investoren ihre Projekte derzeit besonders gerne mit großen Bibliotheken oder architektonisch spektakulären, kleinen Buchläden schmücken (siehe Baunetzwoche #566 „Bühnen für Bücher“), bestand auch hier der Anspruch direkt am Wasser einen kleinen Buchladen zu errichten.
Die Tianfu New Area Investment Group Co. Ltd. lobte 2018 einen Architekturwettstreit aus, für den 486 Bewerbungen eingingen. Gewinnen konnten ihn MUDA Architects (Peking/Boston/Chengdu) mit ihrem Konzept eines „Buches, das aus dem Himmel fiel“. Dazu drehten sie einen netten, kurzen Animationsfilm, in dem Gott beim Einschlafen die Zeitung aus der Hand rutscht, zur Erde fällt und dort, halb aufgeschlagen, am See-Ufer liegen bleibt. Nun gut.
Der reale Pavillon ist ein Rechteck von 12 und 40 Meter Kantenlänge. Das Gebäude steht unmittelbar am Ufer und schaut mit großer Glasfront zum Wasser. Der Fußboden im Inneren liegt sogar einen Meter tiefer als die Wasseroberfläche, sodass die Fische den Menschen beim Lesen zuschauen können. Die Dachkante liegt zum See hin genau drei Meter über dem Wasser. Nach Osten steigt das Dach in schwungvollem Bogen an: Die Nordostecke des Hauses erreicht 7,5 und die Südostecke sogar 16 Meter.
Die Dachfläche und die weitgehend geschlossene Ostfassade ist aus Titanzink, das sich in der Farbe am Wasser orientiert. Um den eleganten Schwung dieses Dachs zu formen, wurde innen allerdings keine Holzstruktur errichtet, auch wenn das auf den Fotos so aussieht. Stattdessen sind es 700 Aluminium-Vierkantrohre, auf die eine Holzoberfläche gedruckt wurde. Gemeinsam mit der betont schlichten Einrichtung aus (echten) Holzregalen und Café-Tischen, die den gesamten Innenraum offen lassen, entsteht laut Architekten ein Innenraum, der ebenso beeindruckend wie beruhigend ist, damit sich die Besucher*innen ganz dem Lesegenuss widmen können. Solange sie sich nicht daran stören, dass vielleicht ein Fisch dabei zuschauen könnte. (fh)
Holzoptik und sauberes Wasser, Fische in der Natur, Traditionelle Bauweise und Literatur u.v.m.
Wollen wir das glauben?
Sollen wir uns gar daran orientieren?
PS: Gibt es so etwas ähnliches auch bei uns nicht schon?
(Referenz z.B. Wal Expo 2000 in Hannover/Niedersachsen)
Frage: schimmelt mir das Holz der Fassade am Übergang Wasser/ Luft nicht innerhalb kürzester Zeit davon? Was ist hier zu erwarten?
obwohl, lese nin der badewanne hat ja bekanntlich was, wenn es auch dem gelesene meist abträglich ist.
hier liegt das buch halb im see und der leser sitzt quasi drin.
sehr märchenhafte stimmung, das helldunkel verhältnis unter dem fischbauchigen dach.
klar könnte man mosern wie immer, bestimmt nicht nachhaltig, so viel alu, fake-holz, betongold und klebrigen händen und überhaupt, china...
aber: die bekommen es halt hin, trotz oder wegen vorschriften und lieferengpässen usw.
und haben kopf und herz für ganz viel gefühl frei.
erstaunlich.