Nachnutzung mitgedacht
Olympisches Dorf von SOM in Mailand
Die Olympischen Winterspiele 2026 sind in vollem Gange. Noch bis 22. Februar finden sie in Mailand und Cortina d’Ampezzo statt – erstmals verteilt auf zwei Austragungsorte. Untergebracht sind die Athlet*innen unter anderem im Olympischen Dorf auf dem ehemaligen Industrieareal des Güterbahnhofs Scalo di Porta Romana südlich des Mailänder Stadtzentrums. Das frühere Bahngelände wird derzeit schrittweise zu einem gemischt genutzten Quartier umgewandelt. Die Pläne für das Olympische Dorf kommen von Skidmore, Owings & Merrill (SOM) (u.a. Chicago), die sich 2021 in einem internationalen Wettbewerb durchsetzten.
Entstanden sind sechs Neubauten, die den Athlet*innen als Unterkünfte dienen. Ergänzt werden diese durch zwei ehemalige Fabrikgebäude, die zu Gemeinschafts- und Veranstaltungsräumen umgebaut wurden. Grundlage für das Projekt ist ein Masterplan mit dem Titel Parco Romana des Teams Outcomist mit Beteiligung von Diller Scofidio + Renfro, PLP Architecture und Carlo Ratti Associati.
Auftraggeber ist der italienische Projektentwickler COIMA, in öffentlich-privater Partnerschaft mit der Fondazione Milano Cortina 2026, der Stadt Mailand und der Region Lombardei. Die Tochtergesellschaft COIMA Image (Mailand) gestaltete zudem die Innenräume des Olympischen Dorfs. Die Gestaltung der öffentlichen Grün- und Freiflächen des Areals verantwortet Landschaftsarchitekt Michel Desvigne (Paris). Medienberichten zufolge flossen rund 200 Millionen Euro in den Erwerb des Grundstücks und den Bau des 53.380 Quadratmeter Bruttogrundfläche umfassenden Projekts.
Mit dem Olympischen Dorf setzt Mailand auf eine langfristige Nachnutzung – ein Konzept, das Paris als Gastgeber der Sommerspiele 2024 geradezu beispielhaft vormachte. Dort wurden die Unterkünfte der Athlet*innen, unter anderem realisiert von Cobe und Brenac & Gonzalez & Associés, nach den Spielen in bezahlbaren Wohnraum umgewandelt. In Mailand sollen die Gebäude langfristig als Wohnheime für Studierende genutzt werden. Dafür sind die 1.027 Einheiten bereits mit Betten und Schränken ausgestattet, Schreibtische und Sessel sollen für die spätere Nutzung ergänzt werden. Laut Architekt*innen sollen die Student*innen bereits zum Herbstsemester einziehen können.
Die Bestandsgebäude, das Squadra Rialzo, eine ehemalige Lokomotiv-Werkstatt, und das Basilico, ein ehemaliges Lager, bilden an der südwestlichen Ecke den Auftakt zum neuen Ensemble. Gebäudehülle und Dächer wurden restauriert, während man im Inneren die Tragstrukturen aus Mauerwerk, Holz und Eisen freilegte. Derzeit dienen die Gebäude als Servicebereiche für die Athlet*innen, etwa fürs Catering, danach sollen sie zu Gemeinschaftsräumen, Veranstaltungs- oder Gastronomieflächen umgewandelt werden.
Die Neubauten wurden als Ensemble mit je drei Riegelbauten errichtet. Übergänge an den Enden dienen mit vertikaler Bepflanzung als Treffpunkte für die Bewohner*innen. Gleichzeitig sollen sie den Wohn- vom Straßenraum abschirmen. Im Sockelbereich befinden sich flexibel nutzbare Einheiten, die nach den Spielen zu studentischen Einrichtungen umgewandelt werden sollen. Erhalten bleiben auch die Plätze und Sportanlagen.
Massivholzbauweise, Solarpaneele, begrünte Dächer und Regenwassernutzung werden in Bezug auf Nachhaltigkeit genannt. In den Innenräumen arbeiteten COIMA Image mit Linoleumböden aus Leinsamenöl und Hanf in Zimmern und Fluren, die Küchen- und Badböden bestehen aus italienischem Steinzeug mit hohem Recyclinganteil. Die Möbel stammen von italienischen Herstellern, die recycelte und recycelbare Materialien einsetzen. (dsm)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- Skidmore, Owings & Merrill (SOM)
- Landschaftsarchitektur:
- Michel Desvigne
- Innenarchitektur:
- COIMA Image
- Bauherrschaft:
- COIMA, in öffentlich-privater Partnerschaft mit der Fondazione Milano Cortina 2026, der Stadt Mailand und der Region Lombardei
- Fläche:
- 53.380 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 200.000.000 €