Horizontale Einschübe
Ole Scheeren baut Büroturm in Frankfurt für Wohnungen um
Frei nach dem Motto alter Turm – neue Erscheinung steht Frankfurt am Main in den kommenden Jahren ein Umbau der seltenen Art bevor: Aus einem leerstehenden Bürohochhaus soll ein Wohnturm werden. Der 40 Jahre alte, ehemalige Hauptsitz von Union Investment, den die Investmentgesellschaft vor zwei Jahren freigezogen hat, wird von Ole Scheeren in ein offenes, skulpturales Hochhaus umgebaut. Im Frankfurter Bahnhofsviertel, direkt am Mainufer gelegen, sollen durch geschickte Schichtung von sogenannten Panoramaplatten insgesamt 220 Wohnungen mit freier Aussicht auf die Stadt entstehen.
In den unteren fünf Etagen sind rund 100 Wohnungen zur Miete vorgesehen, in den 17 Geschossen darüber 120 Eigentumswohnungen mit Wohnungstypen vom kleinen Apartment bis zur 4-Zimmer-Wohnung. Außerdem schafft der Bauherr, die German Estate Group AG, mindestens 34 von der Stadt geförderte Mietwohnungen. Insgesamt 100 Meter und 23 Stockwerke hoch soll der Bau mit den neu aufgesetzten und in der Höhe balancierenden Loft-Etagen am Ende werden. Sieben Meter mehr als der in die Jahre gekommene Betonturm jetzt hat. Er wurde 1977 nach Plänen des vor kurzem verstorbenen Albert Speer errichtet.
Die vorhandene, freispannende Betonstruktur des Hochhauses ermöglicht eine konstruktive Weiterentwicklung. Großflächige, gestaffelte Panorama-Etagen sollen horizontal in den Turm eingefügt werden und die bestehende Struktur öffnen – bei einem Neubau wäre diese expressive Form, insbesondere im markanten Gebäudeabschluss, sehr viel teurer geworden.
Das als Riverpark Tower betitelte Projekt ist das erste auf europäischem Boden des 2010 in Peking gegründeten Architekturbüros des Karlsruhers Architekten. Der 46-jährige Scheeren, der lange für OMA (Rotterdam/Hongkong) in der Verantwortung stand, unterhält Niederlassungen in Berlin, Bangkok und Hongkong und hat sich vor allem mit Projekten in Asien wie der Pekinger Zentrale des chinesischen Staatsfernsehens einen Namen gemacht hat. Scheerens Projekt The Interlace, ein Wohnkomplex in Singapur wurde 2014 mit dem Urban Habitat Award und 2015 als World Building oft the Year ausgezeichnet. Vor kurzem fertiggestellt wurde zudem der mit 314 Metern höchste Wolkenkratzer Bangkoks mit Namen MahaNakhon.
Den Entwurf für die Hochhausumwidmung in Frankfurt nennt Scheeren selbst eine intelligente Neuinterpretation, die zeige, dass „qualitätsvolles Leben im Hochhaus“ möglich sei. Ein verschlossener Büroturm der Siebziger Jahre werde in ein „offenes, lichtdurchflutetes Wohnerlebnis“ umgewandelt. Baubeginn soll im vierten Quartal 2018 sein, die Fertigstellung 2021. Kostenpunkt: 220 Millionen Euro. (kat)
220 Mio Euro sind eine stolze Summe, aber das Vorhaben ist ja auch sehr komplex. Und durchschnittlich 1 Mio Euro pro Wohnung klingt ok, aber muss auch funktionieren. Mal eine grobe Kalkulation:
30 x 30 m = 900 qm BGF / Geschoss
900 qm - 30% Konstruktion & Technik = 630 qm Wohnfläche / Geschoss
24 Geschosse : 220 WE = ca. 9 WE / Geschoss
630 qm : 9 WE = 70 qm / WE
1 Mio Euro : 70 qm = 14.300 Euro / qm Kaufpreis
Das klingt - auch unter Berücksichtigung der Besonderheit des Gebäudes und der vermutlich großen Qualität des Entwurfs - nach einem stattlichen Preis. Selbst wenn noch ein paar Quadratmeter mehr generiert werden, dürfte der Preis niemals unter 10.000 Euro / qm fallen - da kann man nur hoffen, dass die Baukosten im Griff bleiben und der Markt bis 2021 (auch das ist sportlich!) keine Delle erfährt...
So oder so: Ich bin gespannt auf das erste Projekt von Scheeren in Europa!