Überdosis Form
OMA gewinnt Wettbewerb in Rotterdam
Vor über einem Monat hatten wir bereits über das Verfahren und die fünf Finalisten für den Entwurf des neuen Rotterdamer Rathauses berichtet (siehe BauNetz-Meldung vom 1. September 2009) – nun ist die Entscheidung gefallen. Nach Auswertung der öffentlichen Kommentare und nach Beurteilung durch die Jury (u.a. Ole Bouman, Mike Guyer, Koen van Velsen und Antonio Ortiz) wurde der Entwurf von OMA zum Sieger gekürt.
Der Entwurf basiert auf einer simplen Strategie: Alle noch existierenden Altbauten werden erhalten, dazwischen wird eine Struktur aus schlichten, rechteckigen und flexibel nutzbaren Modulen eingefügt. Einzelne Module sollen dann – je nach Bedarf – addiert oder subtrahiert werden können. Ob eine Nutzung als Büro oder Wohnung gewünscht ist, spielt dabei keine Rolle. Die „Anschlussstellen“ werden als begrünte Terrassen gestaltet – bis eine neues Modul andockt. Durch das Einbeziehen der Altbauten als „Träger“ können auf Straßenniveau mehrere Module ausgelassen werden, der entstehende Freiraum unter dem Gebäude soll ein öffentlicher Bereich werden.
Gleichzeitig soll das Gebäude aber auch das nachhaltigste Gebäude der Niederlande werden. Zusammen mit den Ingenieuren Werner Sobek und ABT wurde ein System entwickelt, dass im Sommer heiße Luft speichern soll, um diese im Winter zum Heizen zu nutzen. In der Fassade soll transluzente Dämmung genutzt werden.
OMA: „Nach einem beeindruckenden Aufeinanderfolgen von abrupten städtebaulichen Veränderungen seit dem deutschen Bombardement 1940 ist das heutige Rotterdam bestimmt von einer Vielfalt von architektonischen Ideologien, die unabhängig nebeinander stehen, jede neue Schicht im Widerspruch zu der davor. In diesem Kontext einer ‚Überdosis Form‘ ist Subtilität und Mehrdeutigkeit nötig. Deswegen schlagen wir eine veränderbare Formlosigkeit vor, die entweder eindrucksvoll, symmetrisch und formal sein kann – die aber auch delikat und kontextbezogen ist.“
Stadskantoor Rotterdam (niederländische Webseite)
Mal ganz im Ernst halte ich das für eins der spannendsten Projekte der letzten Jahre aus dem Büro. Und das ähnliche Entwürfe vor Jahrzehnten mal schiefgegangen sind, wird doch bitte niemand ernsthaft als Beleg dafür nehmen, dass es heute nicht gehen könnte, zumal bautechnisch. Was ich außerdem spannend finde ist, dass Rem offenbar mal wieder auf seinen alten Helden Constant zurückkommt. Bin gespannt, was er daraus macht - und hoffe, dass all die Rufer in der hiesigen Wüste sich das Ding fertig vor Ort nach einigen Jahren Nutzung ansehen, bevor sie hier allzu große Worte schwingen. Gruß, svenski.
2590 Avenue Pierre Dupuy in montreal, QC, canada. dann auf street_view schalten und schon kann man das beispiel aus augenhöhe sehen. ich kenne das gebäude, es besteht nach wenigen jahren eigentlich nur noch aus bauschäden, da die bauweise unendlich viele kritische detailecken eröffnet, die man schwer in den griff bekommt. heute sieht das nur noch trostlos aus und obwohl weltbekannt stand schon mal ein abriss zur diskussion.
Wenn das Umfeld heterogen ist hilft aus meiner Sicht nur Eindeutigkeit. Aber das ist ja in modernen Zeiten wohl nicht mehr so on-vogue. Zuviel Virtualität in der Architekturentwicklung führt offensichtlich zu solchen Auswüchsen. Da läßt sich sicher ein schönes Video machen, wie der Haufen so vor sich hin wabbert und im Zeitraffer ständig verändert ;O( Der Mist wurde in Deutschland doch schon in den 70-er gebaut und ist mittlerweile (Gott sei Dank) schon wieder rückgebaut. Das ist die einzige Stärke einer solchen "Architektur", das man sie schön schnell wieder entsorgen kann. Wenn der Punkt erreicht ist, dass der Containerstapel "delikat kontextbezogen" ist, hätte ich gerne ein Foto davon, ein mit viel glattem Glas gebauter Ameisenhaufen (entlarvend finde ich Bild 4). Darin spiegelt sich das Umfeld sicher schön ... Zuviel "heiße Luft", meine Begeisterung für holländische Architektur leidet darunter sehr.