Das Auge von Shenzen
OMA gewinnt Wettbewerb in China
Shenzen, schon früh als „Sonderwirtschaftszone“ in den globalisierten Kapitalismus entlassen, ist eine der aktivsten Städte Chinas – und wurde kürzlich durch die UNESCO sogar als „City of Design“ geadelt. Archdaily.com meldet jetzt das Ergebnis eines Wettbewerbs für ein Shenzhen Creative Center in dem Gebiet Crystal Island im Stadtzentrum von Shenzen – einem programmatischen Projekt direkt vor dem Rathaus.
Den Wettbewerb gewonnen hat OMA (Rem Koolhaas und Ole Scheeren) in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Büro Urbanus (Meng Yan). Zum Programm gehören ein zentrales Kulturzentrum, ein Verkehrsknoten und eine „öffentliche Landmarke“.
Der Entwurf verteilt das Programm über eine 20 Hektar große Landschaft von Parks und Gärten, in der Ansammlungen von Pavillons und kleinen Gebäuden so genannte „Design-Dörfer“ ausbilden, in denen „Design-Verwaltungen“ ebenso untergebracht sind wie ein Touristenzentrum, Design-Einzelhandel und ein Design-Campus. Das alles umschließt einen großen offenen Platz, die „Zeremonien-Plaza“.
All diese Gebäude und Freiflächen sind über ein System erhöht geführter Fußgängerstege miteinander verbunden, den „Ring-Verbinder“, der auch bestehende und zukünftige Eisenbahn- und U-Bahnhöfe einbindet. Im Zentrum der ringförmigen Bebauung wird eine „sphärische Leerstelle“ zum „Wahrzeichen“ der ganzen Stadt: das „Auge von Shenzen“. Die weite Streuung des Programms über das Areal soll die Kreativindustrie mit den übrigen städtischen Aktivitäten vermischen und Vielfalt, Durchlässigkeit und Offenheit ermöglichen.
Trotzdem vielen Dank für die einzig wertvollen Kommentare im Baunetz!
Hier gibt´s auch noch ein paar mehr erläuternde Zeichnungen:
http://www.archinnovations.com/news/new-projects/oma-wins-shenzhen-crystal-island-competition/
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die "pedestrian walkways" wirklich besonders innovativ sind. Schließlich kennt man solche Konstruktionen ja auch hierzulande aus den 60er Jahren zur Genüge. Es wäre bedauerlich, wenn letztlich nur der autogerechte Städtebau des 20.Jahrhunderts neu aufgelegt werden sollte.
Dass die klare Trennung der Funktionen als urbanes Heilsversprechen nicht wirklich funktioniert hat, können wir ja schon in unseren Städten ganz gut beobachten.