Buchtipp: Du, glückliches Österreich
Neues soziales Wohnen. Positionen zur IBA_Wien 2022
Hamburg, Heidelberg, Thüringen, Stuttgart: Eine wahre Flut von Internationalen Bauausstellungen brach in den letzten Jahren über Deutschlands Stadtregionen herein. So unterschiedlich wie die Programmatik war und ist auch der Erfolg. Andere, wie die geplante IBA Berlin 2020, fanden ein Ende, bevor sie überhaupt begannen.
Auch die IBA_Wien 2022 „Neues Soziales Wohnen“ hatte einen etwas unruhigen Start. Konzipiert vom damaligen Leiter der Wiener Wohnbauforschung, Wolfgang Förster, wurde sie 2015 (damals noch mit dem Zieljahr 2020) vom damaligen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig mit großem Stolz verkündet. Förster musste später aus gesundheitlichen Gründen die Rolle als IBA-Koordinator abgeben, und Ludwig scheint sich, seit er 2018 Bürgermeister wurde, nicht mehr sonderlich für die IBA zu interessieren. Auch die Wiener Architektenschaft reagierte eher skeptisch. Nicht wenige warfen der IBA vor, sie sei ein reines Marketinginstrument, das den international schillernden „IBA-Stempel“ auf Stadtentwicklungs- und Wohnbauprojekte drückte, die ohnehin schon geplant waren.
Dies zumindest hat sich geändert, das IBA-Team hat die Projektkandidaten, von denen 9 Quartiere und 15 Einzelprojekte ausgewählt wurden, mit einem Begleitprogramm gekoppelt, das die städtebaulichen, architektonischen und politischen Intentionen deutlicher fokussiert. Dies mit einem vergleichsweise kleinen Team um IBA-Koordinator Kurt Hofstetter (die IBA Stuttgart 2027 hat viermal soviel Personal!) und minimalem Budget. Mit dem Thema „Neues Soziales Wohnen“ knüpft man bewusst an die Tradition des Wiener Wohnbaus an.
Aufgrund des Coronavirus musste die für April 2020 geplante Zwischenpräsentation auf Herbst verschoben werden, doch dafür gibt es nun reichlich Lesestoff. Die eben erschienene Publikation Neues soziales Wohnen. Positionen zur IBA_Wien 2022 zieht sozusagen die Fundamente unter das IBA-Konstrukt ein – und das mit Nachdruck. Über mehrere Kapitel hinweg konsolidiert sich eine wesentliche Position: Der freie Markt bietet keine Lösungen für die Wohnungskrise, im Gegenteil.
Dies wird vor allem im internationalen Vergleich deutlich, wo Wien mit seinem Anteil an kommunalen und geförderten Wohnungen mit gedeckelten Mieten von 41 Prozent in den letzten Jahren mehr denn je als Insel der Seligen gilt. „In Deutschland ist abzulesen, wie verheerend der freie Wohnungsmarkt für das städtische Zusammenleben sein kann und zu welchen aufwendigen Eingriffen er zwingt, um den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Tu felix Austria!“ wie Christiane Thalgott in ihrem Beitrag schreibt. Doch ist Wien von der Finanzialisierung des Wohnungswesens und dem Run aufs „Betongold“ keineswegs verschont geblieben, im Gegenteil. Ob und in welcher Form Gegenmaßnahmen wie die 2019 eingeführte Baulandkategorie „geförderter Wohnbau“ hier greifen, wird man erst in ein paar Jahren wissen.
Die von Rudolf Scheuvens im Buch gestellte Frage, ob Wien mit seiner gut geölten Wohnbaumaschinerie überhaupt eine IBA braucht, findet hier die bejahende Antwort. Das auf Konfliktvermeidung gründende Wiener Erfolgsmodell der sozialen Nachhaltigkeit, so der Konsens vieler Beiträge, gilt es mit neuen Miet-, Finanz- und Stadtentwicklungsmodellen fortzuführen. In diesem Zusammenhang ist es vor allem die Quartiersbildung, der in mehreren Beiträgen eine zentrale Rolle zugewiesen wird. Hier profiliert sich die IBA bereits in der Praxis als Koordinatorin zwischen Wohnbauträgern, die es meist noch nicht gewohnt sind, über das eigene Baufeld hinaus zu denken.
Der Tonfall ist durchgehend sachlich, mehr soziologisch, politisch und wirtschaftlich als architektonisch, und angesichts der überbordend vielen Beiträge, die weitgehend ähnliche Positionen vertreten, ergeben sich zwangsläufig einige Redundanzen. Wouter Vanstiphout darf sich als einer der wenigen einen Ausflug in die Utopie erlauben und fordert „100 Millionen neue Häuser in Europa innerhalb von zehn Jahren, die allesamt uns gehören“. Schade nur, dass die konkreten IBA-Projekte selbst bloß am Rande vorkommen – hier hätte sich noch mehr Neugier auf die Ausstellung erzeugen lassen. Welche Antworten die Projekte auf die im Buch gestellten Fragen bieten und wie sich die Positionen in die Realität umsetzen lassen, hätte man gerne etwas genauer gewusst. Eine Lücke, die man beim Besuch in Wien zur Zwischenpräsentation im Herbst oder spätestens im IBA-Jahr 2022 selbst füllen kann.
Text: Maik Novotny
Neues soziales Wohnen. Positionen zur IBA_Wien 2022
IBA_Wien 2022 und future.lab (Hg.)
256 Seiten
Jovis Verlag, Berlin 2020
ISBN 978-3-86859-619-9
35 Euro
dass Eigentum auch finanzielle Verpflichtungen zur Unterhaltung und Werterhaltung mit sich bringen, wissen Sie aber doch oder? ...Die können ganz erheblich sein, dass die Lage einen erheblichen Anteil des Wertes ausmacht sollte auch nicht unerwähnt bleiben... Bei Beobachtung der Marklage und den gesellschaftlichen Änderungen gilt es daher zu filtern, welcher Lebensweg sich besser für einen eignet, Vermögensbildung geht heute auch anders... Ich hoffe daher nicht, dass der Wüstenrotfuchs bei Ihnen zu tiefe Spuren hinterlassen hat und pflichte ixamotto an dieser Stelle bei, dass Selbstbestätigungen per se nicht hilfreich dabei sein können, Thesen zu untermauern...
Wer, glauben Sie eigentlich, kommt für die Instandhaltungskosten in Mietwohnungen auf? Und nein, "Covid-19"-Tote sind kein Gradmesser für die Leistungsfähigkeit eines Gesundheitssystems (etwas geschmacklos, sogar für Sie) Ja, Eigenheime wurden auch schon vor der "Nullzinspolitik" gebaut. Nein, es ist kein Existenzrisiko (Altersarmut aufgrund fehlender Kapitalrücklagen und Alterseinsamkeit aufgrund mangelnder familiärer Bindungen aufgrund von Kinderlosigkeit schon) Nein, ich werde kein Buch lesen, das mir von jemandem empfohlen wurde, der sich durchweg durch schlechten Stil und blanke Ahnungslosigkeit auszeichnet. Ich danke Ihnen. Es tut immer wieder gut, immer und immer wieder Recht und nochmals Recht zu haben.
Fahren sie einmal nach Nordengland und besuchen sie dort schrumpfende Regionen und ihre Bewohner*innen, die in ihren tollen Eigentumshäusern sitzen und so reich sind, dass sie sich keinen Arztbesuch mehr leisten können. Unternehmen sie eine ähnliche Tour in den nordamerikanischen rust belt, wo Häuser verfallen, weil ihre Eigentümer*innen durch deren Besitz nicht wohlhabender, sondern nur verschuldeter geworden sind und lernen sie ein paar Lektionen über Einkommensungleichheit. Besuchen sie Spanien und sprechen sie mit all den Menschen, die durch das Platzen der Immobilienblase ihre Häuser verloren haben, während gleichzeitig tausende spekulativ errichtete Wohnungen leer stehen. Lernen sie, dass der "reale Geldfluß" beim Abzahlen der Häuser tatsächlich bedeutet, dass das real geliehene Geld zurückgezahlt werden muss. Sie werden sehen: Vermögensbildung muß man sich leisten können. Beginnen sie sich also mit der Frage auseinanderzusetzen, welches langfristige private Risiko es bedeuten kann, wenn man mit Eigenkapitalquoten von 20% Wohneigentum finanziert. Oder stellen sie sich umgekehrt die Frage, wer in ihren ach so wohlhabenden Gesellschaften Wohneigentum erwerben kann, ohne auf Kredite angewiesen zu sein - und v.a. wer nicht. Fangen sie damit an, in ihre frechen Kostenkalkulation auch die Renditeerwartung des Anbieters, sowie die Instandhaltungs- und Betriebskosten mit einzuberechnen - man könnte ja fast glauben, sie wollen mir gerade einen windigen Kredit andrehen! Was geschieht eigentlich, wenn der Kreditvertrag ausläuft und nachfinanziert werden muss? Halten sie die Nullzinspolitik der EZB für ein unumstößliches Naturgesetz? Oder sie bleiben einfach zuhause und ziehen sich die Statistiken zur Covid-19-Epidemie rein, überprüfen angesichts der hohen Mortalitätsraten in Italien, Spanien und England ihre steile Thesen zur Langlebigkeit der Bewohner*innen dieser Länder und setzen sich damit auseinander, was man von niedrigen Steuern eigentlich hat, wenn die Gesundheitssysteme so kaputtgespart sind, dass sie ihre Steuerzahler*innen gar nicht mehr versorgen können. Zu guter Letzt: Lesen sie Bourdieu's "Der Einzige und sein Eigenheim" und befreien sie sich von ihrem Eigentumsfetisch. Schade, dass wir drüber sprechen mussten.
Es geht hier um Vermögensbildung, und dabei geht nichts über Wohneigentum, da Mietkosten gemeinhin den größten Ausgabenposten darstellen und der Eigentumserwerb es ermöglicht, den realen Geldabfluss auf die Höhe der Kreditzinsen zu begrenzen. Der Durchschnitts-Italiener, Spanier und Brite ist also nicht nur vermögender, er zahlt auch weniger Steuern und lebt länger (Googlen!) Gut, daß wir darüber gesprochen haben. Der Hinweis auf die Bildersuche soll dem neutralen Leser nur deutlich machen, daß es sich dabei keineswegs um Geheiminformationen handelt und sie einfach zu finden ist. Nun, für die meisten jedenfalls. Wie kann es sein, ixamotto, in dieser Welt zu leben, und sie doch so wenig zu kennen?
Dankenswerterweise ntlarven sie sich mit jedem Kommentare immer weiter als selbstetikettierter Wissenschaftler: - Aus dem Medianeinkommen allein können sie keine statistischen Schlüsse über gesellschaftlichen Wohlstand ziehen. Wenn sie das wirklich vorhätten, dann müssten sie noch andere Faktoren hinzuziehen. Sozial- und Krankenversicherungsquote, Steuerrsystem, soziale und medizinische Infrastruktur, Verschuldungsquote, usw. Die Armutsquote und die Eigentumsquote unter verschuldeten Haushalten, die ich an anderer Stelle bereits erwähnt habe, vernachlässigen sie wahrscheinlich ganz bewusst. Zu Italien und Spanien fällt ihnen weiterhin nichts ein. Zu Großbritannien ebenso. Warum wohl? Die Eigentumsquoten sagen für sich genommen leider auch nicht mehr aus, als das sie aussagen wie hoch die Eigentumsquote ist. Wie gesagt: Man kann ja auch im Grundbuch stehen und trotzdem gehört alles solange die Schulden nicht abbezahlt sind faktisch der Bank. Und den Zusammenhang von Fertilitätsrate und Eigentumsquote entdecken sie also in der Google-Bildersuche. Na herzlichen Glückwunsch! Können sie auch aus der Hand lesen?