Fliegen mit Fuksas
Neues Terminal in Shenzhen - mit Bildstrecke
Wer nach Shenzhen fliegt, kommt hier an: Morgen wird auf dem Shenzhen Bao’an International Airport das neue Terminal T3 eröffnet. Unschwer zu erkennen, dass dahinter das Studio Fuksas (Rom, Paris) steht – 2008 hatten die Architekten den internationalen Wettbewerb gewonnen und sich mit ihrem Entwurf unter Anderem gegen Konkurrenten wie Foster & Partners (London), gmp (Hamburg) und Foreign Office Architects FOA (London) durchgesetzt. Nach drei Jahren Bauzeit werden in dem 500.000 Quadratmeter großen Terminal nun jährlich 45 Millionen Passagiere erwartet. Zum Vergleich: 57, 5 Millionen Fluggäste wurden 2012 auf dem Frankfurter Flughafen gezählt – an beiden Terminals.
Fuksas' Flughafen ist aber nicht nur riesig, er imitiert auch die markante Form eines Mantarochens – der 1,5 Kilometer lange Komplex liegt wie ein müdes Tier zwischen den Rollfeldern im südlichen Teil der Guangdong-Provinz. Insgesamt 63 feste und 15 mobile Gates kragen aus dem 1,5 Kilometer langen Flughafenkomplex; eine Bahnhofshalle sorgt für den direkten Anschluss in die Stadt, eine Shoppingmeile mit Geschäften und Cafés ergänzt die nötigen Funktionen in der Abflug- und der Ankunftshalle. Das Raumkonzept vereint zwei verschiedene Konzepte: die Idee der Bewegung und die Idee der Pause. Kurze Laufwege sowie einfache Orientierung sollen zudem den Betrieb erleichtern.
Das Terminal öffnet den Blick nach außen und liegt unter einem großen, alles vereinenden Dach, das bis zu 80 Meter frei überspannt. Die Konstruktion für das Riesen-Terminal hat das Studio Fuksas zusammen mit den Ingenieuren Knippers Helbig Engineering (Stuttgart, New York) entwickelt. Dach und Fassade des Rochens sind mit einer doppelwandigen Wabenstruktur aus Metall verkleidet; natürliches Licht fällt so durch die fein gemusterte Oberfläche des Dachs. Auf der Innenseite schließen weiße konische Säulen an, die an eine moderne Kathedrale erinnern – hier ist es elegant.
Die Baukosten für das T3 werden mit umgerechnet 734 Millionen Eruo angegeben. Doch der neue Flughafen in Shenzhen ist noch nicht fertig – die zwei weiteren Bauabschnitte des Bao’an International Airport sollen 2025 und 2035 folgen.
Fotos: Courtesy of Studio Fuksas
Peter formuliert vielleicht etwas überspitzt, so ganz von der Hand zu weisen ist seine Diagnose vom angststarren, alten Europa und dem optimistisch, wagemutigen China nicht. Sind derlei Prestigebauten doch Abbild der Befindlichkeit einer Gesellschaft. Damit man mich nicht falsch versteht: In China ist beileibe nicht alles in Butter, bei uns läuft einiges richtig, und wir haben auch Grund darauf Stolz zu sein. Umso trauriger das diese Tatsache so wenig Eingang in unser kollektives Selbstverständnis findet. Oder wie sonst ist es zu erklären, das der kaum vorhandene öffentliche Diskurs über Baukultur in die Errichtung einer Historie simulierenden Schlossattrappe mündet, während zeitgleich einmaliges Baukulturelles Erbe der kurzsichtigen immobilienwirtschaftlichen Vewertung (S21) geopfert wird? In Cina entstehen unterdessen die Architekturikonen dieser Dekade. Der Fuksasflughafen spielt jedenfalls in dieser Liga.
Es ist gut, dass Deutschland einen gewissen Anspruch an sich selbst hat, aber wenn wir sagen "Es werden immer die gleichen 15 Bueros eingeladen", dann ist das chinesische Equivalent mehr als 250 Bueros - und das bezieht sich auf die Menge der Bevoelkerung, bei Bauvorhaben ist die Dimension sicher noch drastischer. China baut genauso Schrott wie Deutschland. Nur sehen wir von den 100 Grossprojekten pro Jahr eben nur wenige - waehrend wir uns die 1-2 Projekte in Deutschland genuesslich anschauen und zerreissen. Das ist kein Plaedoyer die deutsche Architektur schoenzureden, aber das Argument "in China geht das halt in Deutschland nicht" ist meiner Erfahrung nach nicht stichhaltig.
aber lieber max, haben sie etwa einen gegenbeweis? glauben sie, dass ein gebäude mit dieser nutzung in dieser größe und mit einer so gut durchgehaltenen gestalterischen qualität auf deutschem boden (reduzieren wir es einfach mal auf deutschland) machbar wäre? mir fällt da leider kein projekt ein, das diesem anspruch genügen würde. ber? nö. s21? wohl kaum, das wäre auch verfrüht. elbphilharmonie? wissen wir noch nicht, außerdem ist das ein kulturbau, da gelten andere spielregeln. ich verstehe dieses flughafengebäude als inspirationsquelle für all die bauherren hierzulande, die es so gerne mögen, "geht nicht" zu sagen und obendrein oft viel mehr in die haustechnik verliebt sind als in die architektur. und genau das führt zu den ganzen uninspirierten gebäuden in unserer umgebung. geht nicht gibts nicht. ich denke, diese conclusio passt dann auch wieder zu meinem niveu.
Dies ist ein großartiges Gebäude. Über die anderen Aspekte sollte an dieser Stelle bitte kein halbgarer Diskurs geführt werden, dazu ist das Thema zu wichtig.