Flicken-Look
Neues Museum in Berlin zu besichtigen
Die „Berliner Morgenpost“ macht sich, nicht unerwartet, Volkes Stimme zu Eigen: Der von David Chipperfield angeblich angestrebte „Flicken-Look“ bei der Wiederherstellung des kriegsbeschädigten Neuen Museums in Berlin kam bei einer Umfrage unter den Lesern der Zeitung gar nicht gut an. Nur 11 Prozent zeigten Zustimmung, 81 Prozent dagegen wünschten sich ein „komplett neu verputztes Gebäude“. Der überwiegende Rest der Feuilletons dagegen ist in diesen Tagen überzeugt von Chipperfields Ansatz, die „Narben des Krieges“ zu zeigen, statt sie wegzuschminken. In fast allen Räumen des Museums bleibt so die Geschichte als Bruch lesbar. Wo einst Wandmalereien die Antike feierten, dominiert – wie beispielsweise im lichten Treppenhaus – nun Beton, Natursandstein, Glas oder Marmor. Wo einst Säulen farbig strahlten, bleiben sie nun karg verputzt als bloße Stützkonstruktion sichtbar.
Wer sich selbst ein Bild machen will, dem geben drei Tage der Offenen Tür vom 6. bis 9. März 2009 die Gelegenheit dazu. Das Gebäude ist nämlich fertig, und am 5. März 2009 um 12 Uhr wird in einem geschlossenen Festakt der Schlüssel symbolisch an den Nutzer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Staatlichen Museen zu Berlin, übergeben. In den folgenden drei Tagen ist das Museum für die Öffentlichkeit zugänglich. Die endgültige Eröffnung des Gebäudes als „Ägyptisches Museum“ (mit Nofretete) ist für Oktober 2009 geplant.
Tage der Offenen Tür: 6. bis 9. März 2009
Ort: Neues Museum, Museumsinsel, Bodestr. 3, Berlin-Mitte
Und das ist für mich ganz angemessen der Nutzung als ägyptisches Museum (etc.): Hat doch genau diese Museumsnutzung in Deutschland eine Geschichte, die Geschichte einer nationalen Selbsterklärung aus antiken Mythen, die Geschichte einer späten Kolonialmacht. Und das hat eine Menge mit dem zu tun, was dem Haus dann später widerfahren ist. Ein Glücksfall, dass das in diesem Haus so direkt, im Material, realisiert ist. Und damit auch Platz schafft für eine zeitgenössische, kritischere Würdigung der Exponate, als es in den spektakulären Inszenierungen der Erbauungszeit der Fall war. Gruß, svenski.
ich hab den Bau im jetzigen Zustand noch nicht gesehen, aber, wenn man sich mit der Geschichte des Endes des 2. Weltkriegs und dem Häuserkampf in Berlin auseinandergetzt hat, dann bekommt man ein Gefühl dafür, dass man nicht alle Narben übertünchen sollte, die als echte Zeugnisse der Geschichte mehr erzälen können, als manch ein Buch oder Museum. Ich nehme mal an, dass das Gefühl alles renovieren zu wollen, gerade mit dieser bedrückenden Authentizität zu tun hat... Daher sollte mal die Frage gestellt werden, welche Geschichte eigentlich an so einem Ort ausgestellt werden sollte. Für eine Ausstellungen die sich mit der Nazi-Zeit auseinandersetzt (z. B. Topografie des Terrors ?) wären die Kriegsnarben eine passende Umgebung, passender jedenfalls als für die alten Ägypter...
Ein Problem dabei ist sicherlich: Damit Architektur wirken kann, muß mann sich darauf einlassen können und unvoreingenommen dorthingehen. Das ist das eigentlich Problem bei allen künstlerischen Schaffensakten. Kritik ist einfach. Selber erschaffen schwierig.
Deswegen ist die Toskana so schoen und sind Teile der Berliner Stadtlandschaft sanierungsbeduerftig....