Zwischen zwei Maßstäben
Neubau von ksg in München
An einer Kreuzung im Münchner Stadtteil Obergiesing befand sich bis vor kurzem ein altes Hertie-Kaufhaus aus den 50er Jahren. Nun haben an dieser Schnittstelle zwischen zwei städtischen Maßstäben Kister Scheithauer Gross (ksg, Köln) ein fünfgeschossiges Geschäftshaus realisiert – der Entwurf stammt aus einem 2010 entschiedenen Wettbewerb.
Der Neubau steht an der Kreuzung, an der die kleinteilige, pittoreske Bebauung der Feldmüllersiedlung – einer zwischen 1830 und 1860 erbauten, aus zweigeschossigen Kleinhäusern mit Satteldächern bestehenden Wohnsiedlung – auf den urbanen, hochgeschossigen Bereich am Tegernseer Platz trifft. „Kernthema des Entwurfes ist das Zusammentreffen dieser unterschiedlichen Maßstabsstrukturen“, erläutert Johannes Kister. „Das Konzept wird in der Übereck-Perspektive sichtbar. Die Bauflucht der Tegernseer Landstraße wird fortgeführt und am Eckpunkt Ichostraße mit einem Geschoss überhöht. Die turmhafte Ausprägung der Ecke geht in der Ichostraße in einen Duktus von Hausfassaden über. Die Geschossigkeit der Ichostraße wird in die Tegernseer Landstraße überführt.“
Dabei möchte die rhythmisierte Lochfassade den gesamten Neubau optisch zusammenfassen und zur Gebäudeecke hin, wo der Wechsel zwischen Offenem und Geschlossenem dichter wird, für einen plastischen Abschluss sorgen.
Auf dem rund 2.000 Quadratmeter großen Grundstück ist ein Büro- und Geschäftshaus mit Einzelhandelsflächen im Untergeschoss, Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss sowie Büroflächen in den Stockwerken zwei bis fünf entstanden. Da das Untergeschoss aus Einzelhandelsflächen besteht und so kein Platz mehr für eine Tiefgarage war, haben die Architekten das Parken kurzer Hand in das 2. Obergeschoss verlegt.
In einem mit goldfarbenen Metallelementen verkleideten Anbau sind Gewerbe- und Lagerflächen untergebracht. Auf die Frage, warum Gold, antwortet Johannes Kister: „Durch die besondere Materialität wollten wir die scheinbare Rückseite des gewerblichen Gebäudes – die oft zu kurz kommt – aufwerten. Zudem war es die Idee, den skulpturalen Charakter durch die an Bronze angelehnte Metallic-Optik zu betonen.“
Fotos: ksg, Yohan Zerdoun
Sicher besser als das Meiste was zur Zeit so entsteht - aber ein bißchen mehr Ruhe hatte gut getan.
Dieser neue Monolith will sich abheben und hebt sich ab. Für mein Empfinden allerdings leider im Negativen. Er nimmt keinerlei Bezug zu seiner Nachbarbebauung und dem Quartier auf - der städtische Kontext spielt keine Rolle. Die Formensprache der Architektur bleibt beliebig, der Sockelbereich abweisend.
Eine städtebauliche und architektonisch vertane Chance für eine ortsspezifisch und markante zeitgenössische Architektur. Schade!