Gerichtsbaum
Neubau in Belgien fast fertig
Während die aktuelle avantgardistische Architektur in Belgien bis vor drei, vier Jahren kaum über die Grenzen der Benelux-Staaten bekannt war, häufen sich – nicht nur bei uns – inzwischen die Meldungen zu interessanten Projekten aus dem westeuropäischen Königreich (BauNetz-Meldungen). Heute zeigen wir die Teil-Fertigstellung des neuen Gerichtshofs im belgischen Hasselt, der von dem Berliner Architekten J. Mayer H. in Zusammenarbeit mit den belgischen Büros a2o-architecten und Lensºass architecten entworfen wurde. Das Projekt ist aus einem städtebaulichen Wettbewerb basiered auf einem Masterplan von den niederländischen Büro West 8 hervorgegangen.
Der Gerichtshof ist eines von zwei zeichenhaften Projekten, die derzeit im Rahmen eines neuen Entwicklungsgebiets am Hauptbahnhof entstehen. Er besteht aus drei miteinander verknüpften Volumen, deren Komposition neben städtebaulichen auch diversen logistischen und sicherheitstechnischen Anforderungen geschuldet ist. Formal bezieht sich die Gestaltung des Baukörpers einerseits auf die während der Industrialisierung entstandenen Stahlkonstruktionen, die diesen Ort vormals prägten, und soll gleichzeitig auf den hier reich vertretenen Jugendstil rekurrieren.
Mit der organischen Struktur des Justizgebäudes wollen die Architekten jedoch auch auf den Baum im Stadtwappen von Hasselt verweisen sowie auf die europäische Tradition der „Gerichtsbäume“, unter der in kleineren Siedlungen früher Recht gesprochen wurde.
Ein Interview mit Jürgen Mayer H. bei www.designlines.de
Indes hat sich das Hüllen oder Bekleidungsthema in den letzten Jahren völlig von der inneren Struktur emanzipiert. Auch dies mag man begrüssen oder bedauern, zum Diskutieren fehlt wohl hier der Platz.
Jeder, der heutzutage eine lamellierte Holzfassade baut, macht daher in dieser Hinsicht das gleiche wie, sagen wir, Herzog & de Meuron in ihrer mittleren Schaffensphase.
Die eigentliche Empörung rührt hier doch wohl daher, dass JMHs Fassade tektonisch aufgefasst werden _könnte_, es aber nicht oder nur sehr eingeschränkt ist. Das ist allerdings auch eine eher ins Leere laufende Empörung. Mal ehrlich, wollen wir wirklich die "moralische Notwendigkeit" einer Konstruktion über ihre ästhetische Wirkung stellen?
über die ausführung mit den "kleinkarierten" kassetten kann man tatsächlich streiten, aber da wird das budget auch ein wörtchen mitgeredet haben. im übrigen, die kassettierungen von hadid, coop und d+m finde ich bei weitem schlimmer.
im ürbigen fordere ich alle "beginners" auf, aufs lauteste mit zu diskutieren! denn wenn die alten hasen so viel zeit haben, hier zu posten, ists mit denen auch nicht allzu weit her! ;)
Mal abgesehen was man von seinem Oeuvre halten mag, sehe ich hier doch eine konsequente Weiterentwicklung eines eingeschlagenen Weges. Der Vorwurf, hier nur eine Verkleidung zu sehen, dürfte doch wohl seit Gottfried Semper selig niemanden mehr empören.
Sicherlich hat man es hier mit einer modischen Auffassung von Architektur zu tun. Das muss per se nicht schlecht sein. Entscheidend ist doch, welche innenräumlichen Qualitäten (falls vorhanden) aus dem äusseren Spektakel abgeleitet werden können, in wie fern das starke Branding des Neubaus im Kontext funktioniert, und, nicht zuletzt, ob die starke Geste formal überzeugt.
ps ... nicht ganz trocken hinter den ohren zu sein ... ist ... in meinem alter ... ein ziemliches lob ... danke !!!