Kelterhalle aus Leichtbeton
Neubau für Weingut in der Südpfalz
Architektur und Wein sind eine ideale Kombination für Freunde des guten Geschmacks, über den sich bekanntlich nicht streiten lässt. In der kleinen Ortsgemeinde Billigheim-Ingenheim in der südpfälzischen Verbandsgemeinde Landau-Land trifft nun seit letztem Sommer eine für den Ort ungewohnt zeitgenössische Architektur auf die edlen Tropfen des Weinguts Bietighöfer: Die neue Kelterhalle des 28-jährigen Winzers Stefan Bietighöfer präsentiert sich als nackter Betonmonolith inmitten der traditionellen Bebauungsstruktur der Pfälzer Weinbaugemeinde – der Neubau gefällt nicht Jedem im Ort.
Entworfen wurde der Kubus aus Leichtbeton von dem Büro Burkhard Architekten aus Landau, das auch die neue Vinothek für das Gut realisiert. Diese ist an die Kelterhalle angegliedert und soll in diesem Jahr fertig gestellt werden. Als gestalterischer Kontrapunkt zum Beton wurde sie mit Cortenstahlplatten verkleidet, während alle anderen Neubauten der Wirtschaftshöfe aus Sichtbeton ausgeführt sind.
„Beim Entwurf der Kelterhalle haben wir uns sowohl an der bestehenden Gebäudehöhe der Blumenhalle, am bestehenden Geländeniveau und der Vorgabe von 5,50 Metern maximaler Höhe auf der Grundstücksgrenze orientiert. Entstanden ist somit ein rechteckiges Gebäude von 21x13 Metern Grundfläche, das sich in seiner Höhenentwicklung mittig um 1,50 Meter, von hofseitig sieben Metern Höhe auf grenzseitig 5,50 Meter abtreppt“, beschreibt Architekt Felix Burkhard den Baukörper der Kelterhalle. Diese zarte „Höhenentwicklung“ soll den Kubus in das bestehende Ensemble integrieren.
In der oberen Abstufung der Dachfläche sorgt ein durchgehendes Lichtband für eine ausreichend natürliche Belichtung der Halle; weitere Öffnungen sind mit den zwei notwendigen Türöffnungen und einem Tor ebenfalls reduziert und schlicht gehalten. Ein über Eck laufender, festverglaster Sichtschlitz gewährt hingegen einen Einblick in die Produktionsstätte.
Inspirieren ließ sich der mutige Bauherr auf seinen Reisen in die Schweiz und nach Österreich – dort hatte ihn besonders das Weingut Loimer in Langenlois im niederösterreichischen Kamptal begeistert. Bereits im Jahr 2000 hatte hier der Winzer Fred Loimer auf einem historischen Ziegelgewölbekeller einen minimalistischen schwarzen Kubus errichten lassen und damit das liebliche Kellergassen-Ensemble ordentlich aufgemischt. Auch der Pfälzer wird in Mühlhofen immer noch darauf angesprochen, wann die neue Halle denn endlich verputzt würde. „Der Beton sei ja noch zu sehen“, zitiert Bietighöfer die Leute, „und das zumindest müsse an dem neuen Klotz doch noch getan werden.“
Fotos: Hans-Georg Merkel
Bei aller Weltoffenheit der Jungwinzer würde ich mir aber wünschen, das die Hofreitenstruktur in der weiteren Bearbeitung etwas mehr Berücksichtigung findet. Die Kollegen von Burkhard Architekten sollten noch ein mal darüber nachdenken ob die Vinothek nicht doch nach vorne an die Strasse gehört, um den derzeit empfindlich gestörten Rhytmus von giebelständigen Wohngebäuden und Hofeinfahrten wieder herzustellen.
Woi, Worscht un Musik !
ABER. einfach nur irgendein sichtbeton und irgendeine cortenoberfläche machen noch kein design-weingut. die schalungsqualität ist mager und zufällig, die detaillierung nicht besonders sehenswert. und wohin führt eigentlich die treppe?
es muss ja nicht immer gleich der andobeton sein, aber das hier ist mir doch eine spur zu uninspiriert, zumal der entwurf vor lauter pragmatismus mit seiner rauhheit recht ungelenk umgeht. sichtbeton ist nicht automatisch "design".
das erinnert eher an die 16jährige jung-diva, die zum ersten mal im kleinen schwarzen und stöckelschuhen über den abschlussball stolpert.
sie hätte besser selbstbewusst jeans und chucks getragen, dann hätte man ihr mit respekt beim wienerwalzer zugeschaut...
Verloren wirkt allein die Freiraumgestaltung mit fehlendem Abschluss zum Straßenraum.
Auch auf Bild 2 sieht man finde ich wie sehr schoen die Hoehe des Sockels aufgenommen wurde - fuer mich ist das ein Paradebeispiel wie man sich trotz Flachdach und neuer Materialien wundervoll in gewachsene Strukturen integrieren kann. Mir ist dabei das Wort integrieren wichtig, denn es beinhaltet, dass sich auch der Ort veraendert, was mir bei Architektur am Herz liegt.
Das Argument, dass die Materialwahl fuer die Funktion unsensibel sei, kann ich nun gar nicht nachvollziehen, schliesslich sind auch die Kelterbottiche im innern aus Metall... Ich glaube was hier gestoert ist, ist nicht die tatsaechliche Funktion, sondern unser romantisiertes Bild davon.