Präzises Implantat
Nachverdichtung in München von kandlerundmack architekten
Blickt man per Satellit auf den engen Hof, erscheint die Nachverdichtung, die kandlerundmack architekten kürzlich im Münchner Glockenbachviertel vorgenommen haben, wie ein geradezu chirurgischer Eingriff. Nicht mal 20 Meter breit war der Bauplatz im Inneren einer schmalen Blockrandbebauung. Dort befand sich eine Garagenanlage, die die Architekten – die hier auch ihr Büro haben – zunächst in Form einer Tiefgarage in den Untergrund verlegten. Darüber entstand eine kompakte Häuserzeile, deren solitäre Obergeschosse auf die Vorderhausbebauung reagieren.
Das Projekt kam auf Initiative der Architekten zustande, die den späteren Bauherrn vom Potential einer Nachverdichtung überzeugen konnten. Das gelang nicht zuletzt mit Blick auf den Mehrwert, denn neben den neuen Wohn- und Arbeitsräumen und der Tiefgarage mit 26 Plätzen konnte zusätzlich auch eine neue Hofbegrünung realisiert werden. Das durchgehende Erdgeschoss besteht dabei aus Stahlbeton, während die Obergeschosse in Holzfertigteilbauweise errichtet wurden. Verkleidet sind sie mit verzinnten Kupferblechschindeln. Insgesamt entstand – abzüglich der Garage – eine Nutzfläche von rund 320 Quadratmetern.
Die Herausforderung des Projekts bestand darin, trotz der deutlichen Verdichtung des Grundstücks einem Gefühl der Enge vorzubeugen. Dies gelingt vor allem durch die freigestellten Volumen im oberen Geschoss, deren Rhythmus mit den Balkonflächen des Vorderhauses korrespondiert. Diese Setzung ermöglicht es außerdem, die neuen Häuser um private Terrassen herum zu organisieren. Punkt- und bandförmige Oberlichter bringen zudem auch Helligkeit in die Erdgeschosse. (sb)
Fotos: Sascha Kletzsch
"A bowl is most useful when it's empty" (Lao Tse)
Ein Garagenhof eignet sich zum Beispiel - ganz ohne Aufwertung - manchmal super zum Kicken (wenn die Garagentore nicht aus Blech sind). Die Kinder ohne Aufsicht vor die Tür schicken zu können, ohne in den nächsten Park zu müssen, ist eine enorme Qualität im städtischen Raum.
Oder man wertet die Fläche auf: Wenn man die Garagen abreißt, kann man einen Spielplatz draus machen. Oder einen anderweitig gemeinschaftlich nutzbaren Innenhof.
Und die Nachbarn, die ja schon länger da waren, haben immer noch freie Sicht, und schauen nicht plötzlich auf ein anderes Gebäude, wenige Meter vor ihrem Fenster.
Je dichter die Umgebung bebaut ist, desto wertvoller sind auch die kleinen Freiflächen - selbst dann, wenn sie (noch) nicht als Freifläche aufgewertet wurden. Sind sie erstmal bebaut, gibt es meist keinen Weg zurück.
Dieser Leerraum mag nicht gestaltet sein, aber eine Funktion hat er, selbst wenn er noch nicht mal als Hundeklo genutzt wird.