Obendrauf und nebendran
Nachverdichtung in Berlin von Studio Loes
Angesichts fehlenden Wohnraums in Berlin ist Nachverdichtung eine mögliche Maßnahme. Ein Beispiel, wie dies konkret aussehen kann, findet sich im Stadtteil Moabit. Hier haben Studio Loes (Berlin) nicht nur acht zusätzliche Wohnungen auf die Dächer eines Vorder- und Hinterhauses gesetzt, sondern im dazwischenliegenden Hof noch einen sechsgeschossigen Neubau mit weiteren 20 Wohnungen realisiert.
Das Ensemble befindet sich auf der nördlichen Seite der Sickingenstraße, unmittelbar neben dem S-Bahnhof Beusselstraße. Während das Vorderhaus aus der Gründerzeit stammt, wurde das Hinterhaus in der Nachkriegszeit erbaut und grenzt direkt an den Berliner S-Bahn-Ring. Aufgesetzt wurden acht Wohnungen zwischen 54 und 75 Quadratmetern mit vier bis fünf Zimmern und Terrassen. Die Form des neuen Dachgeschosses ist eine Interpretation des sogenannten Berliner Daches, das sich auch auf den Häusern der Umgebung finden lässt. Erschlossen werden die Wohnungen über die erweiterten Bestandstreppenhäuser.
Was den Neubau im Hof betrifft, sprechen die Architekt*innen von einem „Gartenhaus“. Durch den Einsatz von vorgefertigten Holzmodulen und Betonfertigteilen konnten Bauzeit und Lärmbelästigung reduziert werden. Der Baukörper nimmt auf fünf Volletagen und einem Staffelgeschoss insgesamt 20 Wohnungen mit drei bis fünf Zimmern auf. Sie verfügen über Wohnflächen zwischen 57 und 101 Quadratmetern und erstrecken sich teilweise als Maisonettes über zwei Stockwerke.
Eine Struktur aus Stahlbeton-Fertigteilen bildet Balkone sowie gemeinschaftlich genutzte Laubengänge und zwei außen liegende Treppen aus. Die Herausnahme des Erschließungssystems aus dem Gebäudeinneren ermöglichte es, die Wohnungen nebeneinander anzuordnen, sodass sie gleichermaßen von Querlüftung und der beidseitiger Besonnung profitieren. Auch die Haustechnik befindet sich in diesem Exoskelett. Die Fassadenschicht wiederum bestehen aus mit Türen oder Fenstern versehenen Wandelementen im Holzrahmenbauweise. Im Inneren sind Wände und Decken aus Brettsperrholz tragende Elemente. Neubau und Aufstockungen verfügen über eine Photovoltaikanlage sowie Wärmepumpen und erreichen KfW-40-Standard.
Im Westen schließt der Neubau an eine benachbarte Brandwand an, schafft aber mit offenen Durchgängen Abstand. Die Ostfassade hingegen bietet einen relativ offenen Blick nach Südosten. Für die Begrünung der beiden neu entstandenen Höfe sollen „Tiny Forests“ nach einem Konzept des japanischen Botanikers Akira Miyawaki angelegt werden. Dabei handelt es sich um schnell wachsende, dichte Mikrowälder auf engstem Raum. (fh)
Fotos: Nate Cook
Eine zu dichte Bebauung, somit Wohnungen mit zu wenig BESONNUNG (Abb. 21, 22). Auch hier sind die 50er Jahre Gebäudeabstandsflächen das richtige Maß, das wir wieder umsetzen sollten. Die windigen BALKONE dürften eher als Abstellfläche dienen, denn als lauschige private Kaffee- und Sonnenecke, da jeder alle/s sieht und hört (Abb. 5). Wieviel besser waren die geschützten, aber sonnigen Loggien der 50er Jahre Wohngebäude für eine traumatisierte Gesellschaft: optisch und akustisch separiert durch Wohnräume (Abb. 3)! Hoffentlich gib es kein/en Hochwasser/Starkregen, sonst sind die EG Zimmer gleich geflutet (Abb. 7). SCHRÄNKE werden wohl aus gutem Grund erst ab Bild 32 eingezeichnet (auf den anderen Grundrissen sehe ich keinen Platz für STAURAM ...). Alle DoppelBETTEN scheinen max. 140 cm breit - nennen wir es französischen Charme. WOHNZIMMER fehlen ... (was Generation Smartphone gar nicht auffällt). Die TREPPENGELÄNDE (Abb. 17, 18) der Wohnung wurden sicherheitstechnisch abgenommen?
Schade! Nachverdichtung ist grundsätzlich jeder Mühe wert, allerdings sollte insbesondere im Innenhof nicht die maximal zulässige Verdichtung nicht die benchmark sein ...