Hanseatisch Richtung Mekka
Muslimisches Gebetshaus auf Hamburger Friedhof von Medine Altiok
Es ist ein sanfter Streifzug durch die Architektur des Islam: Backstein in einem sandfarbenen Ton wie die frühislamischen Wüstenschlösser, ein ausgearbeitetes Ziegelmauerwerk wie die karachnidischen Moscheen in Usbekistan, Fassadenornamente und eingerückte Fenster mit getreppten Bögen wie sie auch die Seldschuken in der heutigen Osttürkei einsetzten, und Maschrabiyyas – Gitterfenster. Unterschiedlichste Motive aus der islamischen Baukunst arbeitete Medine Altiok (Zürich) in dieses muslimische Gebets- und Waschhaus ein. Trotzdem ist die Architektur geradezu minimal.
Gelegen im Süden Hamburgs auf dem Friedhof Finkenriek, wo die Stadt gerade 100 neue Grabstellen nach islamischen Begräbnisritus schuf und weitere 440 in Aussicht stellt, verweist Altioks schlichter Backsteinbau mit seinen Rautenmustern auch auf eine hanseatische Bautradition. Mit diesem zurückgenommenen Projekt wollte die Architektin, die selber einen muslimische Hintergrund hat, zwischen den Kulturen vermitteln, wie sie kürzlich in einem Interview mit der NZZ erklärte. Dafür wurde das Gebets- und Waschhaus in Hamburg-Wilhelmsburg mittlerweile für den Mies van der Rohe Award 2022 nominiert.
Medine Altiok reduzierte die 220 Quadratmeter Nutzfläche für das muslimische Friedhofsgebäude auf den einfachsten Grundriss in Form eines Rechtecks. Auf das massive Ziegelmauerwerk platzierte sie bei einer Traufhöhe von 3,70 Metern ein verzogenes Zeltdach mit Blechverkleidung, unter dessen seitlich abgerückter Spitze im Innenraum eine Kuppel liegt. Wie auch die Grabfelder ist das Wasch- und Gebetshaus nach Mekka ausgerichtet. Es verfügt über einen Waschraum für die rituelle Waschung, den überkuppelten Gebetsraum, zwei Warteräume und Sanitärräume. Unter dem weit auskragenden Dach im Innenhof formuliert Altiok den Bereich für den Totenstein. Dort kann nach islamischen Ritus das Verabschiedungsgebet für die Toten ausgesprochen werden. Zwei Eingänge führen in das Gebäude, getrennt für Frauen und Männer.
Das schlichte Gebäude, das Medine Altiok zusammen mit Imamen als Vertretern von lokalen muslimischen Gemeinden plante, berührt eine politische Leerstelle. Denn muslimische Grabfelder und entsprechende Gebets- und Waschhäuser für die Bestattungen gibt es nur selten in Deutschland, wie unlängst der Deutschlandfunk vermeldete. Auch Altioks Projekt auf dem Friedhof Finkenriek geht vielmehr auf einen Zufall zurück: Bis vor Kurzem noch gab es in Wilhelmsburg nur vierzig muslimische Gräber. Auf deren Terrain plant die Stadt aber eine Autobahnverbindung zwischen A1 und A7, die umstrittene Hafenquerspange. Die vierzig Gräber mussten umgebettet werden und die muslimischen Gemeinden erhielten im Gegenzug von der Stadt die neuen, sehr viel größeren Grabfelder auf dem Friedhof Finkenriek. Vermittelt hat die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, die für den Bau jener Autobahnverbindung zuständig ist.
Die DEGES ist ungewöhnlicherweise auch die Bauherrin des Wasch- und Gebetshauses mit seinen Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro. „Mit der Autobahn sind wir zwar nicht einverstanden, aber ohne sie hätte es das Waschhaus wohl nie gegeben!“, wird der Wilhelmsburger Bayram Inan anlässlich der Eröffnung des Gebäudes in einem Lokalblatt zitiert. Bereits seit 20 Jahren soll er sich für den Bau eines muslimischen Waschhauses eingesetzt haben. „Wir sind glücklich, dass es nun endlich soweit ist.“ (sj)
Fotos: Jens Franke
Soviel Arroganz und Überheblichkeit über ganze Epochen der Baugeschichte sind schon ein schönes Stück "zeitgenössischer Diskurs". Auch wenn es gern übergangen wird, es geht um die gebaute Form und nicht um theoretische Konstrukte.
Was einigen Leuten hier richtig gegen den Strich geht, das sind Deine diskriminierenden Äußerungen gegenüber Menschen, für die Dein perfider Imperativ "sich in sein Umfeld ein(zu)ordnen", immer existenz- und oft genug auch lebensbedrohend ist: je nachdem wie viel Kraft sie haben, über welche Netzwerke sie verfügen oder auf welchen Flecken der Erde sie der Zufall geworfen hat. Trans- und Zwischengeschlechtlichkeit sind nämlich keine Theorie, wie Du hier weismachen willst, und sie sind auch nicht das Ende der Menschheit - wie viel Anmaßung benötigt man, um sowas von sich geben? Trans- und Zwischengeschlechtlichkeit sind eine Wirklichkeit, die von unzähligen Menschen erlebt wird, und die als "gleiches Leben" leider solange weniger gut gelebt werden kann, wie ihnen von Menschen mit Deiner reaktionären Geisteshaltung die Existenz abgesprochen wird. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Du Dich mal selber beim Wort nimmst: "also, einfach schweigen."
Lieber Karl, was soll man bloß zu Ihrem vor lauter Intolleranz und Engstirnigkeit trotzenden Beitrag schreiben? Offensichtlich besteht ihr Weltbild aus sehr einfachen Wahrheiten, die die komplexe Realität aber nicht abbilden. Ideologie und Dogmen liefern scheinbar einfache Antworten und mögen aus dieser Hinischt attraktiv für Sie sein; beim genaueren Hinschauen sind die einfachen Antworten jedoch häufig falsch. Vielleicht sollten Sie mal über Ihren Tellerrand hinaus blicken und ihre eigenen Wahrheiten hinterfragen, die sie offenbar ungeprüft von irgendwem anderen übernommen haben. " sie tragen ein thema in einen architektur- diskussion, welches da nicht hingehört. Da ist einfach ein schönes haus." Ein "einfach schönes Haus" gibt es nur im Grundschul-Kunstunterricht oder auf der Modelleisenbahnplatte. In der Realität ist Architektur immer nur Politik untrennbar verwoben, wenn nicht sogar ein Teil von Politik. Durch Gebautes wird Gesellschaftspolitik betrieben. Somit ist es absolut notwendig, die politischen und gesellschaftlichen Aspekte von Architektur zu diskutieren. Das zu negieren ist nichts als Augenwischerei.
als ob es hier um fortpflanzungsfragen ginge. shame on you!