Kulturhotel für Bläser
Musikakademie von Bez + Kock Architekten in Staufen im Breisgau
Am nordwestlichen Rand der Gemeinde Staufen im Breisgau konnte kürzlich ein Neubau für die hier ansässige Musikakademie des Bundes Deutscher Blasmusikverbände fertiggestellt werden. In der von Gewerbebauten geprägten Umgebung setzt der markante Solitär mit streng gegliederter Fassade ein deutliches Statement. Entworfen wurde der Klinkerbau von Bez + Kock Architekten aus Stuttgart.
Beim Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) handelt es sich um einen Zusammenschluss von Verbänden in Südwestdeutschland, der um die 250.000 Musiker*innen in rund 1.100 Vereinen vertritt. Mit dem Neubau, der auf der Webseite des BDB auch als Kulturhotel beworben wird, konnte der Verband sein Programm um 5.750 Quadratmeter Bruttogrundfläche erweitern. Dank zusätzlichen Konzert- und Probesälen, Seminarräumen, einem Speisesaal, Büros sowie 60 Gästezimmern steht dem Verband damit künftig mehr als doppelt so viel Fläche zur Verfügung.
Gestalterisch knüpfen die Architekt*innen an bereits realisierte Projekte an. Ähnlich der Stadthalle in Lohr am Rhein oder der Rathauserweiterung in Holzwickede greifen sie auf eine einfache Formensprache sowie schlichte Materialien zurück. Die Funktionen werden in der hellen Klinkerfassade ablesbar: Der Sockelbereich mit trapezförmigen, großzügigen Fensterflächen öffnet sich zur Umgebung hin, während der private Bereich in den Obergeschossen mit einfacher Lochfassade deutlich zurückhaltender in Erscheinung tritt.
Im Erdgeschoss brachten Bez + Kock die großen Konzert- und Probesäle sowie den Speisesaal und Verwaltungsräume unter. Im ersten Obergeschoss befinden sich kleinere Proberäume, ein zweigeschossiger Saal ebenso wie 60 Einzel- und Doppelzimmer. Außerdem dienen zwei zentral angeordnete Bar- und Loungebereiche als Treffpunkte für die Gäste im Haus.
Mit der „Förderung der vielfältigen Breitenkultur“ möchte das Land Baden-Württemberg regionale Verbände wie etwa Amateurtheater-Gruppen oder Trachten- und Heimatvereine fördern. Auch der rund 18 Millionen teure Neubau (KG 200–700) in Staufen wurde mit 9 Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg unterstützt. (dsm)
Fotos: Peter Ziegner
Brav, so muss das bei echten Architekten ;)
Aber schon richtig, ich erinnere mich an das 1. Semester: Prof zu Studis: "Schönheit gibt es nicht, vergesst das. Es gibt nur begründete und unbegründete, formale Lösungen. Begründetes ist gut, Formalismus ist Sch...". So war sein "Geschmack", und irgendwie hatte er ja Recht.
Nur: Begründungen kann man wiederum an der Lockenperücke herbeiziehen.
Mittlerweile würde ich sagen, Form und Funktion müssen zu einem stimmigen Ganzen gefügt werden, das darf auch mal geschmäcklerisch oder gar kitschig werden - wenn es stimmig bleibt. Schmaler Grat, schon klar.
Beim hier gezeigten Haus finde ich das Gesamtbild einfach nicht an allen Stellen stimmig.
wer behauptet, dass Schuhschachteln als musikalisch genutzter Raum schlecht funktionieren??
Ganz im Gegenteil! Einige der weltbesten Konzertsääle sind nach dem "Schuhschatelprinzip" konzipiert/gebaut.
Die strenge Baukörperform ist doch OK, die Lochfassade mit ihren kleinen Öffnungen wirkt auf mich etwas beklemmend. Vor allem aber stört der obere Abschluss des Gebäudes, hier fehlt gefühlt ein Meter Attikahöhe. Der Fassadenziegel wirkt in seinem Farbspiel unruhig, v.a. aber löst seine Profilierung nicht die o.g. Probleme. Auch die Betonfertigteile verhalten sich farblich zu den Ziegeln meines Erachtens zu unentschieden.
Statt dekorativer Detailliebe wäre hier mehr Brutalismus wahrscheinlich überzeugender gewesen - ein Blick zu Baumschlager Eberle oder zu den Tessiner Meistern hätte vielleicht inspirierend sein können. Vielleicht wollten auch die Architekten, aber der Bauherr wollte anders - so entstehen oft solche Kompromisse, man kennt es ja.
Die Gestaltung im Innenraum wirkt angenehm, der Grundriss scheint gut zu funktionieren.