Milchglas und Kopfsteinpflaster
Museum von Steven Holl in Biarritz fertig
Eine riesige Welle aus Milchglas, Kopfsteinpflaster und weißem Beton ist an der französischen Atlantikküste an Land gespült worden: Ende April wurde in Biarritz die Cité de l'Océan et du Surf fertig gestellt. Entworfen und geplant wurde der Neubau von Steven Holl Architects in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Architekten und Künstler Solange Fabião. 2005 hatte das Team den internationalen Wettbewerb für das Projekt an der Atlantikküste gewonnen. Am 25. Juni 2011 soll der Gebäudekomplex nun offiziell eröffnet werden.
In seinem Inneren fasst der Neubau gleich mehrere Funktionen. Durch die komplex angeordnete Mischung aus Museum, Kulturzentrum, Veranstaltungshalle und Hotel ist der Hybrid für das See- und Heilbad Biarritz eine besonderes Prestigeprojekt. Hier soll das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit dem Ozean geprägt werden, ohne dabei den Lokalsport in Biarritz, Windssurfen und Wellenreiten, außer Acht zu lassen. In den Ausstellungsräumen des Museums werden wissenschaftliche Phänomene des Meeres erläutert, während der Skate-Pool mit Veranda und Surf-Kiosk als Treffpunkt der Surfeszene geplant ist.
Der Gebäudekomplex mit seiner konkaven Form nimmt auch im Inneren diese extreme Form der Wölbung auf. Die konvexe Decke prägt den Charakter der Ausstellungsräume und erzeugt durch die gekrümmten Oberflächen auch eine Dynamik im Gebäudeinneren. Der Besucher wird so geschickt von dem Gebäude verschluckt. Im Untergeschoss, weit unter dem Meeresspiegel liegend, liegen versteckt die Ausstellungsräume, die durch Rampen mit der Eingangshalle und der Lobby verbunden sind.
Die Verzahnung von Konzept und Topographie soll dem Gebäude ein unverwechselbares Profil geben. Durch das Zusammenspiel von Landschaftsplanung und Architektur wird der konkave Neubau durch die Platzgestaltung aufgenommen und in der Landschaft erweitert. Wie Felsbrocken liegen in dieser Landschaft weitere kleine Neubauten wie das Restaurant oder der Surf-Kiosk. Das Gebäude intergiert sich in der Landschaft und wird zum öffentlichen Raum. Doch ganz ins Extrem geht das Konzept dann doch wieder nicht: Die äußere Welle, die man nur zu gut als Halfpipe nutzen könnte, wurde auf Anraten der städtischen Behörden mit Kopfsteinpflaster versehen – als subtile aber wirkungsvolle Bremse für spontanen Skatesport.
Die Doktrin: "form follows function", für die Sie plädieren, ist schon längst überholt und uninterressant, nicht nur für ein Museumsgebäude, sondern für alle Bauaufgaben. Architektur fängt erst an, wenn man sich von der Banalität der Funktionalität befreit hat. Oder sind etwa die Pyramiden und Tempel funktional? Ihr Kommentar fing gut an, aber am Ende widersprechen Sie sich selbst, alles dazwischen habe ich erst gar nicht gelesen. "Die Dynamik des Meeres ist geradezu spürbar", finde ich auch, aber das hat ja nichts mit Funktionalität zu tun. Entweder ist man ein 0-8-15-Planer und baut funktional, um den vielen 0-8-15-Bauherren eine Befriedigung zu verschaffen, oder man schafft außergewöhnliche Architektur.
Nicht einmal 1% haben weder das Talent (oder den Geist), noch die Chance, zu den Letzteren, wie Holl zu gehören.
Ich kenne die Gegebenheiten vor Ort nicht und daher auch nicht die genauen Gründe, warum die Stadt an dieser stelle keine Inklusion wollte. Wenn zB ein Skate-Park nebenan steht, dann möchte ich zustimmen. In jedem Fall ist die Reaktion der Architektur auf diese Vorgaben wunderbar gelungen. Herr Holl scheint immer noch besser zu werden. bRavo,