In Stein gehauen
Museum in Portugal fertig gestellt
Was passiert, wenn Beton auf Schiefer trifft? Ein Ergebnis dieser ungewöhnlichen Kombination lässt sich in Portugal bewundern. In dem Städtchen Vila Nova de Foz Coa in der Regiao Norte hat das portugiesische Architektenduo Camilo Rebelo und Tiago Pimentel ein Museum aus eben diesen beiden Materialien realisiert. Das MAAVC – Museo de Arte e Arqueologia do Vale do Côa wurde mitten in der Berglandschaft auf einem Hochplateau errichtet – wie in Stein gehauen verbindet sich das Gebäude mit der Topografie.
Die Architekten begreifen den monolithischen Neubau als eine Installation in der Landschaft. Mit diesem Konzept haben sie 2004 den international ausgelobten Wettbewerb gewonnen. Das dreieckige 6.200 Quadratmeter große Gebäude wurde auf der Mittellinie zweier Täler – Vale de José Esteves und Vale do Forno – errichtet, zu denen sich jeweils die beiden Längsseiten des Neubaus wenden. Die dritte kürzere Seite blickt auf die Flussmündung des Côa in den Douro.
Um das Gebäude in seiner Umgebung zu inszenieren, wurde der Museumseingang konträr zum Gebäudeinneren entwickelt. Dieser befindet sich auf dem Museumsdach und dient als Bühne für das Berg- und Talpanorama – eine Plattform mit Parkmöglichkeiten, eine Terrasse und ein Aussichtspunkt öffnen das Gebäude zur Umgebung. Die darunter liegenden Ausstellungsflächen hingegen sind abgeschlossen und introvertiert; nur wenige Fenster öffnen das Gebäude nach außen. Die schmalen Fenster wirken dabei ebenfalls, als wurden sie nachträglich in den Gebäudekubus gehauen. Durch die Faserbeton-Schiefer-Platten wird die raue Struktur der Fassade zusätzlich hervorgehoben. Da dem Beton lokale Schiefersteine untergemischt wurden, tarnt sich das Gebäude in der kargen Berglandschaft.
Fotos: Camilo Rebelo und Tiago Pimentel
Das Museum hat mich überwältigt. übrigens wird auch der Inhalt sehr gut vermittelt. Im Foyer ist dann auch noch ein erster Entwurf als Modell ausgestellt, der glücklicherweise nicht verwirklicht wurde. Rechtzeitig besann man sich auf einen in Portugal selten fairen Wettbewerb.
das ist schade. und mehr noch: es wird zur echten gefahr für den standort deutschland (der architektonisch gesehen schon länger tot ist), wenn wir in immer mehr bereichen unseres lebens sicherheit dem risiko vorziehen und nicht mehr in der lage sind, die einfachsten entscheidungen zu treffen. das erlebe ich mit unseren (öffentlichen) bauherren ständig. es ist viel bequemer, bedenken zu äußern und mutige entscheidungen zu verhindern als diese entscheidungen konstruktiv mitzutragen und durchzusetzen. genau aus diesem grund stirbt momentan der architektenwettbewerb zugunsten des (vermeintlich sicheren) verhandlungsverfahrens. bloß kein risiko, nur noch jahrzehntealte, verkrustete büros mit allen iso-zertifikaten und haufenweise referenzen. junge büros? fehlanzeige. neue ideen? bitte nicht, wäre risiko. wie diese referenzen dann aussehen und ob man bei diesem ganzen verfahren noch architektur entstehen kann, interessiert keinen. und die vereinigte architektenschaft hat die tendenz, alles mit sich machen zu lassen, bis hin zu ihrer eigenen abschaffung. wir sind halt immer noch (und wieder immer mehr) ein staat von obrigkeitsgläubigen kleinbürgern. und die bringen eben keine extravaganten ideen hervor.
Allerdings höre ich in meinem Hinterkopf ein riesiges Stimmengewirr von Technikern, Gutachtern, Sachverständigen usw mit Sätzen wie: "und wie wird die Flachdachrichtlinie eingehalten?" - "Wer steht für die Betongüte grade mit unbekannten Zuschlagstoffen?" - In Deutschland fehlt der Mut, Verantwortung zu übernehmen, wenn Richtlinien nicht eingehalten werden - und von Gerichtsverfahren gegen mutige Architekten hat man ja auch schon gehört.
die dachflächen... einfach wunderbar! da bekommt der überstrapazierte begriff der fünften fassade endlich gehalt. eine schöne stille architektur, passend zum großartigen ort!