Coop Himmelb(l)au en francais
Museum in Lyon wird im Dezember eröffnet
Wolke in Lyon gelandet. 2010 wurde mit den Bauarbeiten für das Naturkundemuseum von Coop Himmelb(l)au begonnen, diesen Juni konnte der Neubau fertig gestellt werden. Ab jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, denn: Am 20. Dezember wird das Musée des Confluences in Lyon eröffnet.
„The Crystal Cloud of Knowledge“ nennt Wolf D. Prix seine Raumschiff-Wolke – und ja, es ist ein typischer Coop-Himmelb(l)au-Blob mit allem was dazu gehört, und auch noch der erste in Frankreich – Coop Himmelb(l)au en français, s’il vous plaît. Zacken und Kanten wachsen ineinander, auseinander und aufeinander zu einer gigantischen, glänzenden Demonstration der wundervollen Möglichkeiten des Dekonstruktivismus – kann man mögen, muss man natürlich nicht.
Dahinter steckt ein kluges Konzept. Das neue Museum besetzt eine prominente Lage in einem ehemaligen Industriegebiet auf der Halbinsel zwischen Rhône und Saône. Damit auch architektonisch alles im Fluss bleibt, haben die Wiener Architekten dem „klar strukturierten Kristall” eine „weiche Wolke“ gegenübergestellt. Der Kristall bildet zur Stadtseite eine Art Forum, während die Wolke mit ihren flexiblen Raumstrukturen das eigentliche Museum aufnimmt. „Das gesamte Gebäude schwebt in der Luft, damit man ohne Blockade von der Stadt zum Wasser bzw. auf die Halbinsel kommt“, erklärt Wolf D. Prix. „Ich würde es als Passagentor beschreiben, das einen neuen urbanen Raum schafft, ein Eingangstor zum neuen Stadtteil.“
Doch noch einmal zurück zur Form, die sich als Metapher versteht. Kein wissenschaftlicher Bereich kann heute noch abgegrenzt für sich alleine stehen, „Durchdringung, Deformation, Gleichzeitigkeit und Auflösungen“ sind für Coop Himmelb(l)au deshalb Auswirkungen auf die Architektur.
Dieser Ansatz passte zum Musée des Confluences, das sich keineswegs als „exklusiver Musentempel des Bildungsbürgertums“ versteht. Dafür, dass der Entwurf vor dreizehn Jahren aus dem Wettbewerb als Sieger hervorging, sind die Ideen dahinter immer noch erstaunlich aktuell.
Um diese Gedankenwolke dann auch in die Realität zu steuern, war eine lange Liste von Architekten und Fachplanern vor Ort beteiligt – die Frankfurter Ingenieure Bollinger + Grohmann haben die Tragwerksplanung übernommen. Schließlich kennen sie sich bestens mit den Coop Himmelb(l)au-Architekturen aus, das haben sie bei den Großprojekten in München, Dalian oder aktuell in Frankfurt bewiesen. (jk)
Fotos: Quentin Lafont
www.museedesconfluences.fr
Beyond the Blue: Ein Gespräch mit Wolf D. Prix
Also ich mag so extrovertierte Dinger wie die von Coop Himmelblau genau so gern wie die weißen Kisten von Richard Meier oder Luigi Snozzi. Beides geht, beides ist toll und beides erweitert meinen geistigen Horizont. In diesem Sinne!
Ein anderes Beispiel ist die BMW-Welt: Man vergleiche Wettbewerbs-Grafik (transparentes Gebäude) in Kombination mit dem schon fast unverhohlenen Wettbewerbs-Text (Zitat des Dachs des Olympiastadions) mit dem Ergebnis: Eine riesige, dunkle Kiste, die nur nachts durch ein paar Beleuchtungstricks noch herzeigbar ist. Dagegen die zeitlose Olympiaanlage mit ihrer revolutionären Architektur - ein schönes Gebäude kann nichts entstellen... :)
Wer sich über schlechte Architektur dahingehend freut, dass sie Diskussionen auslöst und für Aufregung in der Stadt sorgt, der versteht nicht, welche enorme Verantwortung einem Gebäude zukommt. Schließlich steht es für Jahrzehnte in der Gegend und hat erheblichen Einfluss auf die Menschen, die ihm täglich ausgesetzt sind. Im besten Falle ist sein Anblick dauerhaft (!) erfreulich und seine Funktion stets eine Unterstützung für die Menschen, die es "gebrauchen". Im schlechtesten Falle ist es ein lauter und unangenehm riechender "Furz", der nur durch die Unausweichlichkeit seiner Belästigung die von ihm gewünschte Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen bekommt. Als Architekt ärgere ich mich maßlos über die Verantwortungslosigkeit und Selbstverliebtheit mancher Kollegen. Solche Gebäude helfen keinem - auch der Architektur - nicht weiter, lassen Sie doch den Laien kopfschüttelnd zurück und entfernen ihn noch mehr vom Verständnis - von Anerkennung ganz zu schweigen - für unsere Zunft. Es ist nicht so, dass es keine schönen und funktionierenden Bauten des Dekonstruktivismus gäbe. Warum coop Himmelblau es aber so gut wie nie hinbekommen, ihnen aber immer wieder Verschandelungen in der Größenordnung einer BMW-Welt erlaubt werden, lässt sich wohl nur mit der "überzeugenden" Art von Herrn Prix erklären.
danke an coop himmelblau das ihr solange durchgehalten habt und ihr werdet langsam besser als die stones