Des Kaisers altes Porzellan
Museum in Jingdezhen von Studio Zhu-Pei
Jingdezhen befindet sich im Norden der Provinz Jiangxi. Aufgrund der reichen Kaolinvorkommen, der weiten Wälder und der Lage am Fluss Chang ist die Stadt für die Herstellung von Porzellan und dessen Export geradezu prädestiniert. Kein Wunder also, dass Jingdezhen während der Ming-Dynastie zur Kaiserlichen Produktionsstätte ernannt wurde und heute als Hauptstadt des Porzellans gilt.
Studio Zhu-Pei realisierte nun auf einem rund 10.000 Quadratmeter großen Grundstück im Zentrum des historischen Viertels, direkt neben der kaiserlichen Ofenanlage, das Imperial Kiln Museum, das sich der Geschichte der Keramik in Jingdezhen widmet. Der Komplex besteht aus mehreren unterschiedlich geformten Ziegelgewölben, die mit Sorgfalt in bestehende Ruinen älterer Bauten – die teilweise auch erst während des Baus ans Tageslicht kamen – integriert wurden. Dem Architekten zufolge verkörpern die massiven Bögen eine abstrahierte Kombination des traditionellen Brennofens mit der „Glätte“ Chinas.
Im Erdgeschoss öffnet sich das Foyer mit einer einladenden Geste zu dem Ruinen-Park, um die Besucher*innen in das Museum zu locken. Von hier aus gelangen sie über eine Treppe hinunter in fünf versunkene Höfe, die jeweils ein anderes Thema repräsentieren: Gold, Holz, Wasser, Feuer und Erde. Während die oben liegenden Gewölbe durch ihr Wechselspiel zwischen Innen- und Außenraum eine gewisse Offenheit und Zugänglichkeit suggerieren, muten die Ebenen darunter zurückhaltend und geheimnisvoll an. Hier befinden sich die verborgenen Schätze der Ruinen, ausgegrabene Relikte aus der Kaiserzeit.
In Anlehnung an die lokale Baukultur wurde sowohl mit recycelten als auch neuen Ziegeln gebaut. Da die Brennöfen alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden müssen, um die erforderliche thermische Leistung gewährleisten zu können, ist es in Jingdezhen gang und gäbe, die alten Ofenziegel für Gebäude aller Art wiederzuverwenden. Früher soll gar die ganze Stadt mit recycelten Ofenziegeln gedeckt worden sein. Angeblich machten sich damals vor allem Kinder deren wärmespeichernde Eigenschaft zunutze: An kalten Wintertagen lagerten sie einen Stein in ihren Schultaschen, um sich damit für mehrere Stunden warm zu halten. (tp)
Fotos: schranimage, Tian Fangfang, Zhang Qinquan, Studio Zhu-Pei
bild 1 zeigt aber wesentlich spannendere kontextbebauung. die wohnbauten mit den kleinen innenhöfen und die gründacharchitektur mit pagode. was das wohl sein mag? in jedem fall, baunetz: ihr macht das echt super. und ich freue mich fast jeden tag über fast jeden beitrag
Wieder mal Dominikus Böhm, der sogar aus Parabeltonnen Räume gestaltet ohne das die Form formal mit ihm durchgeht oder ihn zu etwas zwingt, sie wirklich empfindet.
Kommt mir das nur so vor, oder kommen in letzter Zeit immer mehr sehr gelungene Projekte aus China, deren Architekten zumeist chinesische Büros sind? Was ist da los?