Im tiefen Tal von Amsterdam
Mixed-Use-Projekt von MVRDV
„The World needs better Buildings.“ und „Treat Our Planet the Way it Deserves.“ – so lauten die Catchphrases, mit denen der Projektentwickler Edge Technologies Gäste auf seiner Webseite begrüßt. Die 2018 gegründete Tochtergesellschaft des Immobilienriesen OVG Real Estate hat unter anderem in Amsterdam, Berlin, London und Luxemburg Standorte. Seit diesem Jahr hat sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben, dem Pariser Klimaübereinkommen zu entsprechen. Das Ziel: Bis 2050 will Edge seine Kohlenstoffemissionen auf Netto-Null reduzieren.
Dass bei der Selbstdarstelllung als Klimapionier big names und aufsehenerregende Großprojekte helfen, wird auch am Beispiel des kürzlich fertiggestellten Valley im Amsterdamer Bankenviertel Zuidas deutlich. Das Haus von MVRDV (Rotterdam) ist das erste Wohngebäude im sonst ausschließlich Bürobauten umfassenden Portfolio von Edge. In Berlin-Friedrichshain baut das Unternehmen beispielsweise gerade das Hochhaus Edge East Side Berlin von BIG (Kopenhagen), als dessen Mieter Amazon gehandelt wird.
Irritierend wirkt die Marketingstrategie, mit der das Wohnen im Finanzbezirk etabliert werden soll: Die zerklüftete Gestalt des 75.000 Quadratmeter umfassenden Ensembles, dessen drei Türme an aufkragende Gipfel entlang eines tiefen Tals erinnern sollen, wird metaphorisch als Resultat von Naturgewalten beschrieben, die durch steten Wasserfluss und tektonische Verschiebung das harte Gestein formten. Doch die Form bleibt künstlich – und mit den verspiegelten Fassaden in Richtung der Banken zeigt das Gebäude letztlich seine eigentliche Zugehörigkeit.
Eine dreistöckige Tiefgarage mit 375 Stellplätzen, sieben Büroetagen, 196 Wohnungen sowie diverse Einzelhandels- und Kultureinrichtungen sind in den bis zu 100 Meter hohen Türmen und dem verbindenden Sockelgeschoss untergebracht. In den beiden obersten Geschossen ist eine öffentlich zugängliche Sky-Bar angesiedelt. Um allen parametrisch individuell geplanten Wohneinheiten einen größtmöglichen Außenbezug zu ermöglichen, kamen bei den Grundrissen ohne Terrasse oder Freisitz maßgefertigte Glas-Faltwand-Systeme der Firma Solarlux zum Einsatz. Die Planung der ganzjährigen Gebäudebegrünung übernahm Landschaftsarchitekt Piet Oudolf (Hummelo).
Wie viel graue Energie in dem mit Cenia verkleideten Stahlbetonbau steckt, wird nicht kommuniziert. Auf der Webseite von Edge wird jedenfalls betont, dass die Gewerbeflächen das Nachhaltigkeitszertifikat BREEAM-NL „Excellent“ erhielten. Ansonsten ist neben vagen Angaben zu technologischen Lösungen fürs Gebäudeklima und zur Verbrauchsermittlung lediglich von Investitionen in CO2-senkende Projekte außerhalb Europas zur mittelfristigen Kompensation aktueller Bauvorhaben die Rede. (kms)
Fotos: Marcel Steinbach, Bart van Hoek, Ossip van Duivenbode
erinnert an die SITE architektur in USA. die haben aber einkaufszentren so gebaut mit nem gag als eingang, hier ist es das thema.... und bei den shopping malls wusste man dass sie auch nur eine kurze halbwertszeit haben und auch mal was danebengehen kann. das ist hier nicht der fall (wäre nicht nachhaltig...) und so wird uns das noch lange die augen beleidigen
Natürlich ist es Greenwashing, mit einem vermutlich unheimlich schlechten AV-Verhältnis und einem Vollen Blatt an Marketing-Bullshit-Bingo. Dafür entstand aber ein Haus mit spannenden Außenräumen und einer räumlichen Komplexität (und auch Qualität) die sich im Großwohnungsbau durchaus mit Moshe Safdies Habitat 67 und den bewohnbaren Sternenhimmeln von Jean Renaudie messen kann. Es ist halt nicht die optimierte Schweizer Kiste. Würde ich das so bauen? Vermutlich nicht. Aber ich finde es gut, dass es getan wurde.