Kein Schloss! Und wenn doch: wofür?
Mitmachaktion im Internet, Veranstaltung in Berlin
Ganz Deutschland ist für die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses. Ganz Deutschland? Nein, ein kleine Gemeinschaft leistet dem repräsentativen Projekt hartnäckig Widerstand.
Sicher ist kein Architekturprojekt in diesem Land jemals so anhaltend, kontrovers und teilweise giftig in der breiten Öffentlichkeit diskutiert worden wie dieser Wiederaufbau. Die Auswirkungen der Entscheidung des Bundestags für eine undeutlich historisierende Rekonstruktion werden nur langsam deutlich, wenn etwa Rekonstruktionsbefürworter der Frankfurter Altstadthäuser am Römer das Stadtschloss als Argumentationshilfe verwenden. Sicher ist: Diese Rekonstruktion ist keineswegs – wie Minister Tiefensee betont – eine singuläre Entscheidung für die Berliner Stadtmitte, sondern wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf kommende Bautätigkeiten im Land abfärben.
Nun, da die großen Entscheidungen gefallen sind, der Siegerentwurf feststeht und die Verhandlungen über die weitere Ausgestaltung und Überarbeitungen des Projekts zunehmend hinter verschlossenen Türen zwischen Bauherrn, Nutzern und Architekt stattfinden werden, was kann öffentlicher Protest da noch machen? Gesicht zeigen, dachten sich Nina Brodowski und Christoph Wagner und stellten bei der Ausstellungseröffnung mit allen Wettbewerbsarbeiten zur Schlossgestaltung die Internetseite www.kein-schloss-in-meinem-namen.de vor.
Hier kann nun jeder Nutzer ein eigenes Bild hochladen und mit dem eigenen Namen und Gesicht (oder etwas ähnlichem) öffentlich Stellung beziehen. Damit reihen sich die Initiatoren in eine lange Reihe von Protestseiten etwa gegen den Irakkrieg „Not in Our Name“ oder gegen israelische Siedlungen auf palästinensischem Gebiet ein – starker Tobak, wo es doch hier nur gegen ein Gebäude geht? Übles Nachtreten der schlechten Verlierer? Oder vielleicht doch der notwendige lange Atem in einer öffentlichen Diskussion, die nun Gefahr läuft, nicht länger öffentlich stattzufinden?
Alleine aus den Debatten in den BauNetz-Kommentarspalten (114 Kommentare zur BauNetz-Meldung über die Wettbewerbsentscheidung) wissen wir, dass es noch immer einen sehr großen Diskussionsbedarf gibt – und auch die Internetseite kann mit über 50 Porträtfotos von Schlosskritikern (von Bruno Flierl über Jesko Fezer und Philipp Oswalt bis Jörg Joppien und Wolfgang Sabath) bereits einen gewissen Zulauf verbuchen.
Und offene Fragen gibt es ja noch genug: Was wird mit den vorhandenen, wirklich historischen Schlossfundamenten geschehen? Wie werden die Fassaden finanziert und welche Rolle wird der Förderverein Berliner Stadtschloss dabei spielen? Und wie kann das Gebäude sinnvoll genutzt werden?
Um über die Fragen der kommenden Nutzung zu debattieren, lädt die Initiative Humboldt-Forum heute abend, 9. Dezember, zu ihrer dritten Veranstaltung ins Pergamon-Museum. Im Gegensatz zu den zwei vorhergehenden Gesprächsrunden kann sich die Debatte nun auf die vorliegenden Pläne von Francesco Stella beziehen und wir sind gespannt, was der Ethnologe Mamadou Diawara und der Kunsthistoriker Hans Belting, die im Programm als „Pioniere des Humboldt-Forums“ beschrieben werden, zu den Architektenplänen sagen werden. Wie können die ethnologischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Berliner Landesbibliothek die geplanten Räume nutzen? Zu wünschen bleibt, dass dieses Projekt auch in Zukunft von einer öffentlichen Debatte mit hohem Niveau begleitet wird. Denn wenn es schon ein Schloss sein muss, dann nur eines, das aus einem jederzeit transparenten, demokratischen Prozess entstanden und einer aktiven Nutzung zuzuordnen ist.
- Florian Heilmeyer
Veranstaltung: „Was erwartet die Welt vom Humboldt-Forum in Berlin?“
Termin: Dienstag, 9. Dezember 2008, 20 Uhr
Ort: Pergamon-Museum, Altarsaal, Am Kupfergraben, 10178 Berlin-Mitte
Du musst dafür bezahlen.
Das geht dir auf den Sack.
Ich lach mich drüber schlapp.
Mit Geschichte habt ihr nichts am Hut.
Die Fassade find ich trotzdem gut.
Ihr denkt das alles wär nich richtig.
Man nehmt euch bloss nich so wichtig!
Du sagst ein Schloss passt nicht in die Zeit.
Ich sag mach dich dafür bereit.
Was noch kommt kannst du nicht wissen.
Die Zukunft wird für dich beschissen.
Was ist denn die Moderne? Die Moderne ist ja kein Stil, sondern eine Denkart.
Und da hat sie doch einiges gebracht, das wir alle nicht mehr missen möchte.
man sollte in der ganzen diskussion mal aufhören mit dem Begriff Moderne oder Modernismus pauschal umherzuwerfen.
Die Auseinandersetzung ist um einiges Vielschichtiger als Schwarz Weiß.
Stahl-Glas ist ein veraltetes Schlagwort, o.k. ich nehms zurück.
Selbst der ewige Baukasten der Moderne ist ja heute erweitert und hat so vielviel mehr im Repertoire als noch vor 20 Jahren...;-)
Vielleicht so ein Faust-aufs-Auge-Gebäude wie das Galeriehaus am Kupfergraben welches dauerhaft seine historischen Nachbargebäude erschlägt ? Nein, das würde sicher nicht als kulturelle Schlappe gesehen, Herr Chipperfield hat ja schliesslich das Schämmen so völligvöllig neu entdeckt.
Das wäre doch sicher was für die wenn-Schloß-dann-Modern-Fraktion: Ein bischen nach alten Fundamenten buddeln, das Erbuddelte dann pulverisieren, die übliche spätmodernistische Kiste mit "kompositorischen" Fassaden auf den Platz wuchten, und mit der "ehrlich" generierten Schlämme die alten Schloßportale auf die Wände manschen... Ach stop, der Kopf will ja mehr, gut, dann noch irgendne alte Trauf- oder Fensterhöhe "interpretieren"... Ja, so sieht innovative Architektur aus, oder...mit ein bischen Vogelnest-Firlefanz sogar "Weltarchitektur" ?
Lieber Herr August: " Weltvergleich der Nationen" ," kulturell zu den Schlußlichtern der Globalen Zivilisation" ...große Worte wählen Sie da, aber Sie werden es nie verstehen:
Sobald ein Entwurf "global" wird, ist er falsch, Thema verfehlt ! Internationale Stile haben und hatten wir zur Genüge, ein bischen was regionales(ja ich weiss, langweilig und piefig) braucht der Mensch, früher nannte man es mal viel zu pathetisch "den Ort". Kulturelle Vielfalt heisst nicht Gleichmachen, sondern Unterschiede betonen ! Aber Sie sind ja in guter Gesellschaft: Rem Koolhaas hat mal gesagt, er findet es toll, überall auf der Welt den gleichen Beneton-Pullover kaufen zu können...
Ich empfinde genau dies als die wahre "kulturelle Schlappe".
Gut gefiel mir hier der Hinweis auf die Münchener Residenz, denn Eines hat die jüngere Geschichte ja bereits gelehrt: Dort wo endlich mal eine Rekonstruktion durchgeführt werden durfte, ist aller Streit nach Fertigstellung selbst in Deutschland schnell vergessen und das Gebäude darf gerne ein paar hundert Jahre kritiklos das Stadtbild bereichern.
Seht es doch endlich mal ein, liebe Bestatter:
Wir brauchen keine weiteren ewigen Mahnmale an die Fehler der Moderne mehr...
Nicht nur Berlin ist voll davon, seht Euch um ! Die Elb-Phil. wird grade die nächste Lächerlichkeit "von internationalem Rang".
Ausserdem ist doch überall noch Platz genug für diese üblichen "Innovationen", auf dem Schloßplatz dann einmal nicht .
Welche Wohltat...
Schlechte Gewinner!
, die es nicht ertragen können, dass sie zwar "gewonnen" haben, aber dass sie damit die Urteile der "Unterlegenen" in keinster Weise verändert haben. Ist doch schon ein bisschen armselig! Freut Euch doch einfach! Baut Eurer Spielzeug. Aber erwartet nicht, dass ihr Leuten, die Ihre Meinung vertreten, dieses Recht absprechen könnt. Woher diese Arroganz?
Es gab nie Krieg in Deutschland ...
es gab keine DDR ...
... Hitler - nie gehört
Berlin bleibt Berlin
Majestät brauchen Sonne!
Voila - werde jetzt mein Bild hochladen. Tolle Seite, Danke!