Dem Vorgegebenen entfliehen
Minimalistisches Studio in England
Stell dir vor, du baust ein 55-Quadratmeter-Studio in den Wald. Stell dir vor, dass Nachbarn und Freunde mitbauen, zum Einheitslohn. Ungelernte Leute, von denen noch nie jemand ein Haus gebaut hat. Stell dir vor, dass du dir für zwei Tage eine mobile Industriesäge mietest. Und dass das Ganze am Ende inklusive Lohnkosten nur 15.000 britische Pfund gekostet hat. Dann hast du das Wesen dieses erstaunlichen kleinen Projekts ungefähr erfasst.
Das Büro Invisible Studio bei Bath in England hat diese Holzhütte als Studio für sich selbst gebaut – als Demonstrationsbau, mit Material aus der Umgebung, und fast ohne Pläne. „Der Tyrannei des festgelegten Entwurfs entfliehen“ wollten Invisible Studio und ihr Prinzipal Piers Taylor – statt dessen „Ad-Hoc-Entdeckungen und Improvisationen zulassen“. Fehler, die beim Bau gemacht wurden, werden nicht versteckt, sondern „gefeiert“, um dem Bau einen rustikaleren Ausdruck zu geben.
Entstanden ist ein aufgeständertes Studio; darunter liegt eine offene Werkstatt zum Experimentieren mit 1:1-Modellen. Ein teures Gerüst wurde vermieden, statt dessen wurde die Konstruktion beim Bau mit Holz gestützt, das schließlich für die Zugangsbrücke verbaut wurde. Die Wärmeisolierung besteht aus Materialresten von anderen Projekten, und geheizt wird mit Abfallholz vom Grundstück. Das Regenwaser vom Dach speist ein kleines Biotop.
Das Projekt beansprucht sicher nicht, Vorbild für jedwede zeitgenössische Architekturproduktion zu sein, aber mit seinem minimalistischen Geist führt es dem heutigen Perfektionismus den Narrenspiegel vor. (-tze)
Was ist denn ein festgelegter Entwurf? Das Gleiche wie eine ergebnisoffene Diskussion, wie ein ernster Spaß, wie dichte Luft? Man weiß es nicht und lacht doch in Anbetracht der Tatsache, dass diese Hütte aus Holz (da im Wald), ohne Pläne (wie die umgebende Natur) und mit Rustikalem (wie die Baumrinde) vom Ergebnis her exakt so zu erwarten war bei diesem Bauplatz. Fast so, als wäre der Entwurf von vornherein festgelegt...
wäre mal interessant zu wissen, wie man so etwas ohne pläne (statik?) genehmigt bekommt. ob diese art der zersiedelung des waldes vorbildlich ist, weiß ich noch nicht, aber ansonsten beeindruckt das konzept.
und benutze als material pressholz, folie und makrolon. ich bekomme schon asthma wenn ich das nur ansehe. formal aber schön.