Kunst-Campus Berlin
Miller Maranta gewinnen Wettbewerb
Die Zeiten, in denen hinter dem Hamburger Bahnhof in Berlin mediterrane Delikatessen verkauft wurden, sind vorbei. Ein Kunst-Campus ist hier geplant; der Realisierungswettbewerb für das erste Galeriegebäude wurde bereits entschieden. Grundstückseigentümer und Auslober ist ein Privatinvestor, die Ernst Basler + Partner AG. Die Jury unter Vorsitz von Peter C. Jakob vergab folgende Preise:
- 1. Preis: Miller Maranta AG, Zürich
- 2. Preis: Volker Staab Architekten
- 3. Preis: E2A, Eckert Eckert Architekten, Zürich
Des weiteren waren zu dem Wettbewerb die Berliner Büros Eike Becker, Ludloff + Ludloff und Müller Reimann sowie die Basler Architekten Christ & Gantenbein eingeladen.
Besonders überzeugte die Jury die „zeitlose urbane Eleganz“, die „subtile Interpretation der Dualität von Wasser- und Platzseite“ sowie die „spannende organische Ausformulierung der Erschließung und die Qualität der Grundrisse“. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die ebenfalls in der Jury saß, lobte auch die „offene elegante Gestaltung des Erdgeschosses, welche die publikumsbezogenen Nutzungen wie Café und Galerie sowohl zur Wasser- wie auch zur Platzseite schön inszeniert.“
Das Galeriegebäude soll der erste Baustein des Kunst-Campus werden, einem Teilgebiet der neu entstehenden Europacity nördlich des Berliner Hauptbahnhofs. Zudem soll das Gebäude als Nullenergiehaus nach den Prinzipien des nachhaltigen Bauens realisiert werden, erklärt der Auslober. Neben der Nutzung als Firmensitz wird der Neubau weitere Büroflächen zur Vermietung an anspruchsvolle Unternehmen beinhalten, heißt es weiter. Der Begriff eines Galeriegebäudes ist, auch wenn im Erdgeschoss ebensolche Räume für die Kunst geplant sind, mehr als irreführend.
Alle Wettbewerbsarbeiten sind noch bis zum 21. Oktober 2011 in einer Ausstellung in der „Halle am Wasser“, Invalidenstraße 51, 10557 Berlin, zu sehen.
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Diese "Klitzekleinigkeit vor 60 Jahren" ermöglichte es Architekten (bei aller Grausamkeit) Ihre Visionen in Deutschland (und sonst nirgendwo auf der Welt in dieser Gründlichkeit) in die Tat umzusetzen.
Wie man das im Jahr 2011 immer noch übergehen kann, ist mir ein Rätsel. Als "unsere Städte zugrunde richtend" werden ja nicht Bauten aus der Kaiserzeit oder Stadtplätze aus dem Mittelalter empfunden, sondern aberwitzige Verkehrsplätze a la, Alexanderplatz, Hannover, etc. oder Wohnburgen-Anlagen a la Mehringplatz in Berlin.
P.S. Bitte nicht gleich einwenden, die Moderne hätte nicht auch ihr Gutes - das hat sie - und es gibt aus meiner Sicht auch äußerst erhaltenswerte und qualitätsvolle Platzanlagen / Bauten, etc.
Doch in der Masse ist das, was seit 60 Jahren entstanden ist, mehr als ernüchternd.
Und jetz kommt mein Argument - und das in einem Land, in dem fast jedes zweite Haus in den Städten neu gebaut werden musste - aus Sicht von Architekten - konnte.
Also bitte behaltet Eure Visionen fürn Zeichentisch, aber bietet der Realität qualitätsvolle Häuser - das wär ein Anfang.
Dazu zwei Anmerkungen:
- Wo haben denn diese Visionen so schlimm zugeschlagen?
- War da nicht eine Klitzekleinigkeit vor 60 Jahren, die unsere Städt mal so richtig zugrunde gerichtet hat?
Ich kann dieses durchgerasterte Zeug nicht mehr sehen. ÜBERALL wird gerastert was die Kopiertasten hergeben. Mein Vorschreiber sprach von München. In Frankfurt bauen demnächst Mäckler, Franzke und KSP das ehemalige Degussa-Areal mit Gebäuden voll, dass es einem die Zehennägel nach oben biegt.
Wo in den 90ern alles eine (doppelte) Glasfassade haben musste, wird jetzt eine Natursteinrasterfassade drübergebügelt. Echte Visionen. Das wäre mal schön.
Genau diese permanent "neuen" Visionen haben unsere Städte die letzen 60 Jahre so zugrunde gerichtet. Deshalb ist diese, ich nenns mal vorsichtig 'zurückhaltende Eleganz' für viele schon ein Meilensprung.
der 'strichcode' harmoniert aber bestimmt sehr mit dem benachbarten neuen ministerium für bildung (für das es ja nicht mal einen wettbewerb gab)
wo bleiben eigentlich die visionen einer neuen urbanität?