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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Mehrgenerationenhaus_in_Lille_von_Stera_Architectures_8076684.html

07.11.2022

Frisches Blech und alter Backstein

Mehrgenerationenhaus in Lille von Stera Architectures


Das Pariser Büro Stera Architectures konnte im Stadtzentrum von Lille ein Projekt realisieren, bei dem zeitgenössische und historische Architektur ebenso zusammenkommen wie jüngere und ältere Nutzer*innen. Zum einen wurde ein an der Place aux Bleuets gelegenes Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert durch einen Neubau erweitert, bei dem die Architekt*innen auf maximalen Kontrast setzten. Zum anderen beherbergt das Ensemble nun das generationenübergreifende Wohnprojekt Villa Village, das modellhafte Züge trägt.

In elf voll ausgestatteten Apartments, von denen drei für Wohngemeinschaften vorgesehen sind, können bis zu neunzehn Personen zu moderaten Mietpreisen unterkommen. Dabei sollen mehrere über den Komplex verteilte Gemeinschaftsbereiche, darunter eine kollektiv genutzte Küche mit kleiner Bibliothek, ein Salon sowie ein Wäsche- und Computerraum den wechselseitigen Austausch und die gegenseitige Hilfe befördern. Das Angebot richtet sich an Menschen in prekären Verhältnissen, insbesondere an Senior*innen und Studierende. Es wird von einer privat initiierten Stiftung ermöglicht, die sich durch Spenden finanziert.

Stera Architectures adaptierten zunächst das Innere des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes für die neue Nutzung, wobei viele der historischen Details wie Möbelstücke und Leuchten erhalten blieben und eine teils überraschende Integration erfahren. Wurden die kleinen Zimmern mit großen Kronleuchtern ausgestattet, präsentiert sich ein früherer Flur nun als Miniküche, die mittels eines riesigen Fensters belichtet wird. Der neue Anbau schließt mit gekurvter Kubatur unmittelbar an die beiden Seitenflügel des Stadtpalais an, wodurch ein nach außen abgeschlossener Komplex mit hufeisenförmigem Innenhof entstand.

Während die schmale, dezent gestaltete Straßenfront des Neubaus mit roten Ziegeln die Mauerwerksoptik der umgebenden Bauten aufnimmt, zeigt sich die Hoffassade, die mit hochglanzpoliertem, gewelltem Edelstahl verkleidet ist, selbstbewusst modern. Durch ihre Materialität und Form geht sie aber gleichwohl auf das Bestandsgebäude ein. Während die konkave Wölbung mit den Fluchten des Altbaus korrespondiert, findet sich der historische Trakt zugleich diffus in der Gebäudehülle des Anbaus gespiegelt. Um im etwas beengten Hof die größtmögliche Helligkeit und ein Gefühl von Weite zu schaffen, wurde das Erdgeschoss großflächig verglast. Dabei bewirkt der Spiegeleffekt der neuen Gebäudehülle Lichtspiele, die bis zum Boden reichen. (da)

Fotos: Luc Boegly


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