Orthogonaler Kontrast
Mehrfamilienhaus mit Gewerbe in Zürich von Max Dudler
Pastellfarben und Faschen prägen die Wohnhäuser an der Götzstraße im beliebten Zürcher Stadtquartier Oberstrass. Ein kürzlich fertiggestellter Neubau bringt nun einen Kontrast in das Straßenbild. Das von Max Dudler (Berlin/Zürich) geplante Wohn- und Geschäftshaus sticht mit strenger Kubatur und reduzierter Fassadengestaltung aus der Nachbarschaft hervor.
Dem Bau ging 2020 ein internationaler Studienauftrag des Unternehmens Sagitta Immobilien voraus. Max Dudler erhielten daraufhin den Zuschlag für ihren Entwurf mit rund 2.600 Quadratmetern Gesamtfläche. In Summe wurden 17 durchgesteckte Mietwohnungen mit 2,5 bis 3,5 Zimmern sowie eine Gewerbeeinheit im Souterrain realisiert. Die Wohneinheiten verteilen sich auf drei Obergeschosse und ein Staffelgeschoss.
Der Baukörper besetzt ein Eckgrundstück nördlich des Hauptbahnhofs. Dem abfallenden Terrain folgend wurde er als Zwillingsbau mit zwei fast identischen Gebäudeteilen konzipiert, wobei eines der beiden Häuser um ein halbes Geschoss abgesenkt wurde. Je ein Treppenhaus erschließt die Einheiten als Zweispänner.
Während sich die Frontfassaden aalglatt an den Straßenraum schmiegen, verzahnt sich die Rückseite stufenartig mit der Umgebung. Dadurch wurde nicht nur mehr Wohnfläche aus dem Grundstück herausgeholt, sondern auch der Lichteintrag für die rückwärtig platzierten Loggien maximiert.
Eine ähnliche Geste in kleinerem Maßstab findet sich an den Eingängen: Diese werden durch tiefe, ebenfalls einseitig abgetreppte Laibungen gerahmt. Die übrige Fassadengestalt ist von Abstraktion und Orthogonalität geprägt. Bodentiefe Fensteröffnungen sind rasterartig in ein monolithisch wirkendes Kleid aus hellgrauen Ziegeln eingelassen. Die nach oben hin aufgelockerte Figur des Körpers entsteht durch Rücksprünge im Attikageschoss und Stahlstabgeländer aus Messing.
Die Baukosten des Projekts sind nicht bekannt. Angeboten werden die entstandenen Wohnungen in einschlägigen Immobilienportalen für einen Durchschnittsmietpreis von umgerechnet rund 53 Euro brutto pro Quadratmeter – längst kein Novum mehr für gehobene Neubauten in Zürich. (tg)
Fotos: Stefan Müller
- Architektur:
- Max Dudler
- Auftraggeber*in:
- Sagitta Immobilien GmbH
- Fläche:
- 2.600 m² Bruttogrundfläche
Ein Themenpaket anlässlich Max Dudlers 75. Geburtstag im vergangenen Jahr versammelt zwölf weitere Projekte seines Büros.
Auch die Kubatur (auf die ich in meinem ersten Statement durchaus eingegangen bin), ist vollkommen im Rahmen. Und es gibt auch zwei Adressen, siehe bspw. Foto 6 - niemand muss seinen Hauseingang suchen und bleibt verwirrt auf der Straße zurück.
Wenn einem das Gebäude nicht gefällt und man grundsätzlich eine andere Architektur bevorzugt, ist das eine Sache. Aber an den Haaren herbeigezogene Argumente sind etwas anderes. So unsachlich und fachlich falsch kann die Kritik nicht unkommentiert bleiben.
wo sehen sie bei den häusern und den mansarddächern einen unterschied zwischen trauf- und giebelseite?
und warum "städtebau" machen wenn stattdessen die belichtung oder die nutzbarkeit der balkone leidet (wenn man diese offenheit machen darf)?
Ignoranz in städtbaulicher Hinsicht bei der Kubatur, die keine zwei Adressen baut, trotz zweier Stiegenhäuser.
Die Mißachtung der Nachbarschaft sieht man schon im Lageplan.
Ignoranz auch bei der Fassadengestaltung, die nicht bereit ist, die unterschiedlichen Situation der Trauf- und Giebelseite zu respektieren.
Der genannte Mietpreis klingt für mich allerdings so als hätte es hier keine großen Limits gegeben. Unter diesen Umständen fällt ein gutes Bauwerk auch leichter als wenn Kompromisse getroffen werden müssen. (Gibt es eigentlich einen kostengünstigen oder gar Sozialwohnungsbau dieses Büros? Könnten die das??)
Abgesehen davon: Mein Kompliment für dieses Bauwerk! :)
PS: Den Vorwurf an die Grundrisse kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Mir erscheinen sie sehr gelungen - klug geplant und im positiven Sinne spannungsvoll.
das "Umfeld": diese dächer sind leere rumpelkammern, jede wohnung mehr die man bei gleicher bauhöhe bekommt ist ein gewinn, deswegen finde ich das durchaus sinnvoll.
ausser den architekturfotografen merken das nur wenige "laien", das blickfeld ist auf das erdgeschoss und max 1. OG beschränkt.......