Unterhaltsam, sozial, nachhaltig
MVRDV planen Sportzentrum in China
Sport boomt in Shenzhen. Einem gesteigerten Bedürfnis nach Gesundheit, Wohlbefinden und Fitness folgt eine größere Nachfrage nach Sportzentren. Immer, wenn etwas in China stark nachgefragt wird, birgt dies scheinbar unkontrollierbare, stadt-und regionalräumliche Konsequenzen. Die Nachfrage nach Sportstätten führt in Shenzhen – einer der sich am schnellsten entwickelnden Regionen Chinas – unweigerlich zu Strukturen, die eine gewisse Alltäglichkeit, beziehungsweise einen menschlichen Maßstab, entbehren: Arenen von olympischer Größe.
MVDRV möchten mit ihrem ersten Projekt in Shenzhen, dem Xili Sports and Cultural Centre, eine Alternative anbieten – „unterhaltsamer, sozialer und nachhaltiger.“ Sie konzipieren eine städtebauliche Strategie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die einzelnen Arten der sportlichen Betätigung sollen nicht wie Inseln als singuläre Entitäten nebeneinander existieren und räumlich präzise gefasst sein – Schwimmen im Schwimmbad, Basketball spielen in der Basketballhalle, Trainieren im Fitnesscenter, und so weiter, sondern in offenen, multifunktionalen Zonen mit „sozialen oder kulturellen Aktivitäten“ überlagert werden.
Sie verstehen ihr Sportzentrum als öffentlichen (Stadt)raum, der von verschiedenen Gruppen zu verschiedenen Zeiten genutzt werden kann, und als einen Ort an dem die Schnittstellen zwischen Kultur und Sport aufweichen. Die verschiedenen Baukörper – Amphitheater, Basketball-und Badminton Arena, Schwimmbad, multifunktionale Arena – sind auf dem Grundstück um eine diagonale, begrünte Brücke arrangiert, welche Besucher von der Chaguang Metro-Station in Richtung der Tanglan-Berge leitet. Ein erhöhter Sprintpfad, der den gesamten Komplex umläuft und alle Baukörper tangiert, realisiert die rhetorische Verwebung der einzelnen Sportstätten des themenparkähnlichen Komplexes.
Trotz aller Schnittstellen und Hybridität der Sportstätten bleibt es – rein programmatisch – zweifelhaft, ob der Themenpark als Stadtraum funktionieren kann. Es ist leicht vorstellbar, dass nachts hier irgendwann die Lichter ausgehen und irgendwelche Schwellen den Zugang konditionieren. Bis zum Baubeginn 2017 haben die Architekten sicher präzisere Ausformulierungen für die platzhalterhaften Volumen. (df)
Nach nun mehr als 2 Jahren Arbeitserfahrung in China, kann ich mir dazu schon mal eine Meinung erlauben. Dieser Bau wird von einem privaten Investor auf vom Staat gepachtetem Boden gebaut werden. Da an die Erlaubnis dann dort ein Gebäude zu errichten gewisse - meist kostspielige Bedingungen geknüpft sind (z.B. die Bereitstellung der Erschließung für ÖPNV oder Einrichtung für den Zivilschutz) neigen chinesische Bauherren dazu, den Rest des Bauraumes möglichst gewinnbringend zu füllen. Und da es außer einer groben Angabe zur GFZ oder BGF und der Setback-Rules dort in der Regel keinerlei größere Einschränkungen gibt, wird jeder m² Raum bis zum letzten privatisiert und genutzt.
Das nicht vorhanden sein von öffentlichem Raum in China entwickelt sich genau aus dieser Situation. Und da ist es egal ob das nun Shenzhen, Chengdu, Shanghai oder Beijing ist.
Vielleicht möchten Sie ja in Zukunft lieber die Projekte kommentieren und nicht meine Kommentare. Dann tragen Sie auch mal was bei.
Ich finde es ausgesprochen langweilig darueber zu diskutieren, ob Architekten ihre Entwuerfe mit Hilfe von 'Geschwurbel' und Lichteffekten in Renderings verkaufen sollen oder nicht, also zur Sache:
Meine Erfahrung (arbeite in China) ist, dass HOPSCAs immer mehr zu offenen Strukturen werden, die Leute einladen sollen. Sport und Kulturzentren sind da eher schon weiter - auch wenn ohne Frage der Prozess ein langsamer ist und noch lange andauern wird. Auf der Basis glaube ich ist die Formel "Rendite nur durch HOPSCA", die durch 'hat eine Rendite-Erwartung und somit wird es ein typscher HOPSCA' ausgedrueckt wird, nicht mehr zeitgemaess ist.
Auch muss man hinzufuegen, dass ich noch nie ein Volk erlebt habe, dass derart offen im Aneignen von oeffentlichem Raum ist wie China, weswegen ich es gut finde, dass Architekten mit dem Stellenwert wie MVRDV solche Konzepte pushen.
All that said: Ich bin skeptisch, ob der Ort nachts aktiviert ist, bin aber auch nicht sicher ob er das muss / sein will. Kenne nicht so viele Sportplaetze in Deutschland wo Nachts viel los ist.
Auch stimme ich dem Artikel mit den 'Platzhalterhaften Volumen', aber die lesbaren Aspekte von gemeinsamer Mitte, dem "Sprintloop" und, dass die einzelnen Baukoerper sich mit diesem verzahnen finde ich eignetlich ziemlich gut.
geht es auch ohne arroganz? Als wenn Sie mit Ihren jungen jahren ganz China kennen und sich solche herablassenden Worte erlauben könnten.
Am schönsten finde ich aber folgendes:
"Sie verstehen ihr Sportzentrum als öffentlichen (Stadt)raum, der von verschiedenen Gruppen zu verschiedenen Zeiten genutzt werden kann, und als einen Ort an dem die Schnittstellen zwischen Kultur und Sport aufweichen."
Wer wie MVRDV schon einiges an Erfahrung in China vorzuweisen hat, sollte sich nicht zu einem solchen Geschwurbel hinreisen lassen. Es wird kein öffentlicher Raum entstehen, wer auch immer der Bauherr ist, hat eine Rendite-Erwartung und somit wird es ein typscher HOPSCA ohne HO und A werden. Privatisierter Raum. Oben Decathlon unten Dicos. Weiter, immer weiter...