Aufgeblasene Formensprache
MVRDV gewinnen Comic-Museum in China
Vergangene Woche wurde bekannt, dass Superman seine US-Staatsbürgerschaft abgibt, da er „die Nase voll davon“ habe, dass seine Taten als Instrumente der amerikanischen Regierungspolitik verstanden werden. Weltweiter Applaus und Zustimmung. Der Einfluss von Comic-Helden auf das politische Weltgeschehen ist zwar gering, aber vorhanden.
Eine Woche später melden die Architekten MVRDV den Wettbewerbsgewinn für ein Comic-Museum in China. Sie haben sich im Wettbewerbsverfahren gegen internationale Konkurrenz wie EMBT Arquitectes (Barcelona), Atelier Bow Wow, Tongji Institute of Architectural Design and Tsinghua Architectural Design durchgesetzt. Nun soll das niederländische Büro das China Comic and Animation Museum CCAM in der ostchinesischen Großstadt Hangzhou realisieren und den Comic-Helden der Volksrepublik ein neues Zuhause bieten.
Die Architekten schlagen acht gebaute Riesen-Sprechblasen vor, die sich als abstraktes Bubble-Ensemble mit dem Charme eines gelandeten Raumschiffes in das Stadtbild einfügen. Auf insgesamt 30.000 Quadratmetern Nutzfläche soll der Gebäudekomplex verschiedene Funktionen wie Ausstellungsflächen, drei Kino- und Theatersäle, eine Comic-Bibliothek sowie eine Lobby, Café, Restaurant und Shops enthalten. Die einzelnen Gebäudevolumen sind spiralförmig erschlossen, sodass ein Rundgang entsteht. Die aufgeblasene Formensprache soll nicht nur für Aufmerksamkeit sorgen, sondern auch ein vielseitiges, wandlungsfähiges Raumprogramm in der Ausstellungsgestaltung ermöglichen.
Die Fassade ist als eine feine weiße Betonoberfläche geplant, die an chinesische Vasen erinnern soll. Durch die monochrome Farbgebung lässt sich die Fassade auch bespielen –Texte sollen auf die Ballonhüllen projiziert werden und die Gebäude-Bubbles in wahre Sprechblasen verwandeln. Die Fassadengestaltung stammt von dem Amsterdamer Graphic-Designer JongeMeesters.
Schon 2012 soll mit dem Bau der neuen Comic-Ikone begonnen werden, 92 Millionen Euro wird der Gebäudekomplex kosten. Es ist eines dieser Prestigeprojekte, die nicht nur durch ihre experimentelle Formensprache, sondern vor allem durch ihren politischen Kontext bei Fertigstellung weltweit für Aufregung sorgen werden. Vielleicht wird China dann dazu auch freie Weltenbürger wie Superman einladen.
und wird nicht schon seit anbeginn darüber diskutiert, daß des architekten metier eben nicht nur ästhetik und bildliches gefallen ist?
die schwarze Wand vor dem Rendering. lol
Gefaellt mir nicht. Als Expo-Pavillion - gut. Aber das ist halt auch Geschmackssache.
Wer Blobs mag - dann wird das schon recht sein mit mvrdv.
Das mit den Eintrittspreisen ist ja schon fast Realitaet, wenn man hier in die Natur gehen will muss man meist erst ein Ticket loesen.
Einfache Systemkritik greift gar nicht - Interessant ist ja eher zu beobachten das es trotz politischer Singularitaet diesen Hyper-Pluralismus in der Architektur gibt (Alles was in 3D gebaut werden kann geht!) und ob das Ruekwirkungen auf die Bevoelkerung hat!?
Es ist in Ordnung das ein Museum "laut" ist - nur zu oft geht es in China daneben laut weiter. Das moegen jetzt Platzhalter sein im Bild sein.
Eine Welt von mvrdv - her je - das waer ja wie "meet the robinsons"
insofern sollte man fein säuberlich trennen zwischen einer architekturkritik an formalen, strukturellen und inhaltlichen fragestellungen und polemisierungen in richtung der jüngsten chinesischen bauwut. immer ins gleiche populistische anti-china-regime-horn blasen bringt auch nix.
ich würde mir hier mehr offenheit und -vor allem- konzentration auf unser metier wünschen, anstatt die weltverbesserer-nummer raushängen zu lassen.
ganz banal zum schluss: für die chinesische bevölkerung ist so ein comic-museum bestimmt auch ein mehrgewinn, das sollte man nicht vergessen.
für das Thema gefällts mir räumlich, auch wenn das Sprechblasenmotiv etwas Platt ist.
Aber die Formensprache passt zum Comic, Die Innenräume lassen gutes erwarten und
der Kungfu-Panda in Bild 4 gefällt mir auch ;-)
Frag mich nur, wie lang es Geld für so etwas gibt und wie das Gebäude mal aussieht, wenn der China seine Prozbauten nicht mehr unterhalten kann...
aber interessant find ichs..und ganz ohne Neid
schade das der partei nicht mehr einfällt, als westlichen höher-weiter-schneller-sensationeller-mist nachzuäffen. aber das macht sie ja nicht nur bei der architektur.
ist es eigentlich das, was der ai wei wei an seinen regenten kritisiert?