Bilbao goes Britain
Kunstmuseum von Chipperfield eröffnet
Die Briten buhlen um den Bilbao-Effekt: Einst war das Küstenstädtchen Margate ein beliebtes Ausflugsziel im Südosten Englands. Aber dann wurden die Touristenströme immer mehr zu Rinnsalen. Jetzt soll das ein neuer Prestigebau ändern: Am vergangenen Samstag weihte die britische Skandalkünstlerin Tracey Emin das von David Chipperfield Architects entworfene „Turner Contemporary“-Museum ein.
Der nüchterne Galeriebau soll dem heruntergekommenen Seebad, das mit einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent zu kämpfen hat, neues Leben einhauchen – Bilbao goes Britain also. Aber im Gegensatz zu Frank O. Gehrys schimmernder Museumsforelle an der baskischen Küste besticht Chipperfields Neubau durch strukturierte Einfachheit. Im Profil erinnern die auf sechs rechteckigen Grundrissen errichteten Hallen mit Pultdach an einen Industriebau mit Sheddächern. „Ich wollte, dass das Gebäude etwas Unschuldiges, Naives hat. Es ist einer strengen Geometrie unterworfen und sollte bewusst nichts Anspruchsvolles, Mondänes ausstrahlen“, erklärt Chipperfield in einem Interview mit der Deutschen Welle. Daher orientierten sich auch die Innenräume an der Schlichtheit von Künstlerateliers.
Namensgeber ist der britische Maler William Turner, der einen Teil seiner Kindheit in dem Seebad verbrachte. Schiffe, Licht und Meer prägten die romantischen Landschaftsbilder des Künstlers, der als Vorläufer des Impressionismus gilt. Turner war der Überzeugung, dass man in der Umgebung von Margate den schönsten Himmel Europas finde. Regelmäßig besuchte er als Erwachsener den Küstenort und logierte in einem Gästehaus am Pier. An dieser Stelle wurde das Museum errichtet, das sich nun vor jener rauen Küstenlandschaft erhebt, die dem Maler im 19. Jahrhundert als Inspirationsquelle diente. Das besondere Licht des Orts sei auch Ausgangspunkt für den Museumsentwurf gewesen, so Chipperfield: „Die Galeriefenster lassen das Nordlicht herein - und holen so das Licht vom Meer in den Raum.“
Eine unprätentiöse Architektur muss umso mehr Wert auf Proportion und Fugenbild legen, dann kann sie überzeugen. Das scheint hier eher mäßig gelungen zu sein. Im Modell erscheinen die einzelnen Gebäudekörper noch sehr aufgelockert und spannend - der Eindruck später ist dann doch ernüchternd.
Und innen? Etwas unmotiviert werden Spotschienen und Lichtdecken kombiniert, die Räume erscheinen stark asymmetrisch durch die Tatsache, dass nur ein Shed den ganzen Raum aufhellen soll. Hier wird die Idee aus dem Städtebau eher zur Zwangsjacke, die ein flexibles Ausstellungskonzept verhindert.
aber diesem gebäude einen sog. bilbao-effekt zuzuordnen... ich weiß nicht.
so speziell, ikonografisch, ist es auch nicht, dass es sogar die touristen-masse anlocken würde....kann ich mir nicht vorstellen...
grüsse nach deutschland franky o.