Schönste Nordsee-Idylle
Kunstmuseum auf Föhr eröffnet
Passend zum „Weltkulturerbe Wattenmeer“ wurde jetzt auf der Nordseeisel Föhr das Museum Kunst der Westküste eröffnet. Der mehrteilige Baukomplex, der an ein friesisches Dorf erinnern soll, stammt von den Architekten Sunder-Plassmann (Kappeln, Hamburg, Berlin). Die „Neue Zürcher Zeitung“ urteilt: „Atmosphärisch dicht, stilistisch aber heterogen“.
Der Komplex mit 1.950 Quadratmetern Bruttogeschossfläche war seit 2006 in Bau. Als Bauherr trat die Gemeinde Alkersum auf. Das Museum zeigt die Sammlung von Frederic Paulsen Ferring: Unter dem Titel „Von Bergen bis Bergen“ werden Bilder von Emil Nolde, Max Beckmann und Edvard Munch ausgestellt, somit „schönste Nordsee-Idylle“ (Die Welt).
Die Architekten erläutern: „Der mehrgliedrige Baukomplex fügt Tradition und Moderne zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Das Kunstmuseum befindet sich im Zentrum des Dorfes Alkersum auf der Liegenschaft des ehemaligen ‚Grethjens Gasthof‘. Dieser war zur Jahrhundertwende Treffpunkt bedeutender Westküstenmaler wie Otto H. Engel und anderen.
Die Gestaltung der Häuser setzt sich dabei differenziert mit der Inselarchitektur auseinander, nämlich mit
- der Epoche ‚Grethjens Gasthof‘ um 1900 in Bauteil A;
- den spezifischen Proportionen zahlreicher – und so auch auf dem Grundstück bis 1968 vorhandener – Reetdachscheunen Alkersums in Bauteil B;
- den Größen und Proportionen der benachbarten Häuser, welche integriert und zum Teil mitgenutzt werden in Bauteil C.
Die Architektur des Museums will nicht einen eindrucksvollen Solitärbau schaffen, sondern den ursprünglichen Ortsmittelpunkt mittels mehrerer Einzelbaukörper wiederherstellen.“
hat gute und treffende Formulierungen
gefunden.
Die Verwendung von Reet als Deckungsmaterial führt bei materialgerechter Anwendung zu Dächern die eben so aussehen. Man muss das nicht historisierend finden, der Vergleich zum Stadtschloß in Berlin ist jedenfalls völlig daneben: Bei dem bemitleidenswerten Versuch in Berlin stimmt eben - im Gegensatz zu hier - Form und Inhalt überhaupt nicht überein.
Mehr wagen?
Manchmal muss man auch froh sein, wenn nicht überambitioniert zuviel gewagt wird - angemessen eben.
Ansonsten kommt man fast nicht umhin bei dem Kommentar von der Insel ein bischen Neid wegen Nichtberücksichtigung zu spüren. Wie kannn man das angeblich historisierende des Entwurfs kritisieren und gleichzeitig feststellen dass die Fensteraufteilung und Traufhöhe so bei den traditionellen Häusern garnicht existert?
Wir leben im 21. Jhd. und bauen Reetdachhäuser neu für eine Kunstaustellung?
Ich weiß nicht warum die Architekten hier so gearbeitet haben. Klar es gibt eine OGS, klar es gibt Gemeindevertreter, klar es gibt ein Ortsbild aber es gibt auch die Verantwortung der Gegenwart und der Zukunft gegenüber, die hier nicht erfüllt worden sind.
Idylle wollte man haben, dass hat man auch bekommen. Nur mit der Wahrheit ist es nicht weit her. -Die Traufhöhe des Reetdachhauses zu hoch, Fensteraufteilungen die so nie auf der Insel existiert haben, Reetdächer für eine Idylle. Und die Gebäude an der Straße verschleiern, dass im hinteren Teil des Grundstückes versucht wurde anders zu bauen.
Museumsbau, wenn er neu erstellt wird oder sich einem bestehenden Gebäude anfügt, sollte aus meiner Sicht sich der Zeitgeschichte anpassen und nicht schon etwas dagewesenes implizieren. Dies ist ein Rückschritt, wie beim Stadtschloß in Berlin und kein Beitrag der Zeitgeschichte. Oder würden wir heute eine Tageszeitung im Schreibstil von 1900 lesen? Ein Zeitzeugnis für nachkommende Generationen was die Gegenwartsarchitektur anbelangt ist dies nicht, eher eine Ansichtskarte aus vergangener Zeit, die wie der Sandwall in Wyk vom Mythos und Ruf des Idyll der vergangenen Tage wie vieles auf der Insel lebt.
Eine große Möglichkeit gegeben durch viel Geld und großartigen Kunstwerken eines Spenders wurden hier in das gewohnte Bild der Kleinkrämerei gepresst. Wie vieles andere zuvor auch. Stichwort: Sanierung der Promenade Sandwall
Aufs Herzlichste "InsulanerArchitekt"