Gelungene Verkleinerung
Kirchenzentrum in Greven von e4 Architekten
Gut sechseinhalb Jahrzehnte lang prägte die 1953 erbaute, durchaus interessante Josefskirche mit ihrem massiven Turm ihr Umfeld im nordrhein-westfälischen Greven. Doch aufgrund schlechter Bausubstanz und Energiebilanz entschloss sich die Katholische Pfarrgemeinde St. Martinus vor wenigen Jahren zum Abriss mit anschließendem Neubau. Den diesbezüglichen Wettbewerb konnten 2017 e4 Architekten aus Münster für sich entscheiden. Wo einst das voluminöse Gotteshaus stand, befindet sich nun das Josefzentrum, das einen kleineren Kirchenbau und multifunktional nutzbare Pfarrheimflächen umfasst. Die Baukosten für das Ensemble mit einer Bruttogrundfläche von 680 Quadratmetern lagen bei 3,2 Millionen Euro.
Statt eines Turms überragt ein hohes, weithin sichtbares Satteldach die Kirche. Als Reminiszenz an den Vorgängerbau aus rustikalem rotem Backstein erhielt auch der Neubau ein Mauerwerk, das zwischen Rot- und Weißtönen changiert. Die Ziegel stammen von der Firma Deppe Backstein und wurden geschlämmt. An die alte Josefskirche erinnern zudem einige in den Ersatzbau integrierte Bestandteile, darunter eine Rosette und ein Sandsteinkreuz, das sich nun in der zum Kirchplatz ausgerichteten Giebelfassade wiederfindet.
Im Sinne eines zeitgemäßen Verständnisses von Religion und Kirche sollte mit dem Josefzentrum ein einladendes und offenes Haus entstehen. Dabei war ein möglichst flexibles Raumkonzept gewünscht, damit der Bau nicht nur durch die Gemeinde, sondern auch von Vereinen und Jugendgruppen genutzt werden kann. Zum Einsatz kommen daher mobile Trennwände, mittels derer verschiedene Räume zusammengeschlossen werden können. Mittelpunkt der Anlage ist ein zentrales Foyer, von dem aus alle Bereiche erschlossen werden.
Das markante Satteldach wird auch im Inneren des ruhig und reduziert gestalteten Sakralraums erlebbar, wo es mit einer einheitlichen Holzverkleidung ausgestattet wurde. Bodentiefe Fensterbänder an beiden Längsseiten sorgen für ein lichtes Raumgefühl. Auf der einen Seite fällt der Blick in einen kleinen, abgeschlossen Patio. An der anderen Seite schließt ein größerer halboffener Hof an, der einen Übergang zwischen öffentlichem Raum und dem Eingangsbereich des Kirchenzentrums bildet. (da)
Fotos: Stefan Brückner, e4 Architekten
die kirche hat einen neubau gebaut - geschmacklich lässt sich daüber streiten. der neubau ist ordentlich gemacht, die architekten haben hier ordentliche arbeit abgeliefert, kreativer input ist hier auch zu erkennen. die architektonische arbeit darf bestimmt als überdurchschnittlich gewertet werden, soviel anerkennung steht den akteuren zu. die eingliederung in die umgebung scheint angemessen, mitunter jedoch - selbst von der straße her blickend - zu belanglos. dieses kann aber durchaus als wert verstanden werden, finde ich nicht verkehrt. worüber ich hier sennierte: wenn die kirche baut, ist das nicht irgendwer. überflüssig zu sagen, dass hier mehr als nur ein glaubenshäuschen sein platz findet, hier findet kultur statt, die unsere lebensräume seit unserer zeitrechnung geprägt und begleitet hat - unabhängig des stellenwertes positiv oder negativ, bloß als feststellung. nun darf hier die frage gestellt werden: wo hin des weges? insbesondere in kleineren strukturen. vieles in unserer zeit ist im wandel - war es schon immer, jedoch nicht so rasant. nun ließe sich sagen: die kirche (ich fasse hier pauschal zusammen) muss dieses nicht, war schon immer da... zu beobachten ist zunehmend, dass die neuausrichtungen von beständen wie hier gezeigt zwar dem ganzen ein frisches gewand verleihen soll, diesen aber mit einem viel zu häufig angewandten öden pragmatismus belegt. ...eine der seltsamkeiten ist mir dann immer wieder aufgefallen: die grünanlagen von bestandsobjekten und neubauten der kirche(n) sind meist nichts besserens als ein abstandgrün. gerade hier lässt sich zeit, raum, kultur und ganzheitliche ansatz von dem irdischen mit dem spirituellem verzahnen. wie ist es möglich, dass die unmittelbare umwelt so wenig integriert, bestandteil wird bzw. ist? ...ich sehe hier lustlosigkeit, kein "gemeinsam", zurückziehen hinter konformitäten, zu viel ordnung, zu wenig wenig "schöpferische" kraft. ganzheitliches denken, synergien.... mit demut wurde nunmehr ü2000 jahre erzogen, jetzt leben dennoch mrd. menschen im kapitalismus... ...ist da was schiefgegangen ließe sich da fragen...? zurück zum punkt: und jetzt neue platte auflegen? ...ne, eher das vor einem liegende erkennen, einbeziehen, ...das wäre doch auch schon mal was... was neues. was neues altes. der garten eden. eben war eden er noch da... ...dabei liegt eden doch direkt vor unseren augen... ...mensch und raum... die welt ist (hinter) eine(r) scheibe.
auch wenn einem das gebimmel auf den wecker geht.... und der mickrige altar mit rednerpult vom dorfkünstler mitsamt der bunten rosette kommt etwas mager daher. da hätte es andere gesten gebraucht
Herr befreie uns. Stärke die Kirche (und deren Erbauer) in Bedrängnis und Verwirrung, wir bitten Dich, erhöre uns.
aber ist das eine kirche? nein. da erwartet man deutlich mehr. wo ist hier ein gotteshaus, das die sinne anspricht? hier geht es um die urkraft des universums, um erde, himmel, leben und tod! da erwarte ich ein haus, das mir eine gänsehaut verpasst, das mich geborgen hält und gleichzeitig sehnsüchtig aufschauen lässt. stattdessen außen rosa klinkerchen, an der dachschräge artige lättchen, seitlich transparent-"freundliche" und angenehm wärmende isolierglasscheiben, dazu brav platzierte spolien - ein haus wie easy-listening-musik, die jedem gefallen will, mich aber nur aggressiv macht. zum gruseln, wenn nicht schlimmer. keine spur von urhütte, himmelszelt, arche und was man sich da alles vorstellen und wünschen könnte - der kirchenraum ist voll gegen die (weiße) wand gefahren. ich verweise auf stauBmeiers sehr treffenden kommentar vom 26.01.22: heiliger heinz, bitte für uns.