Stakkato am Sakralbau
Kirche von KLUMPP + KLUMPP in Balingen
Neubau statt Rückbau: Während die IBA Thüringen derzeit nach Ideen für hunderte von leerstehenden Kirchenräumen sucht, und die Wüstenrotstiftung gerade die Ergebnisse ihres kürzlich entschiedenen Wettbewerbs „Kirchengebäude und ihre Zukunft“ publiziert hat, um einen beispielhaften Umgang und Strategien für einen langfristigen Erhalt von Kirchenräumen und Gemeindezentren aufzuzeigen, kann die katholische Gemeinde St. Paulus im baden-württembergischen Balingen in ihren frisch fertiggestellten Neubau einziehen.
Der Hintergrund des von KLUMPP + KLUMPP Architekten umgesetzten Projektes ist jedoch weniger erfreulich: 2011 war der Vorgängerbau bis auf den Glockenturm abgebrannt. Die Gemeinde hatte daraufhin einen Wettbewerb ausgelobt, den die Stuttgarter Architekten 2012 für sich entscheiden konnten. Ihr Entwurf integriert den bestehenden Glockenturm in ein Ensemble aus Pfarrhaus, Gemeindehaus und Kirche. Gemeinsam schaffen die Baukörper einen neuen öffentlichen Platz für den Balinger Stadteil Frommern.
Charakteristisch für den Neubau – das kubische Kirchengebäude – ist sein transluzentes Sockelgeschoss. Ringsherum öffnet sich die vollverglaste Erdgeschosszone, die von regelmäßigen Kanthölzern rhythmisiert wird, so dass zwar Offenheit demonstriert wird, die Innenraumnutzung aber gleichzeitig nicht direkt einsehbar ist. Mit diesem „stakkatoartigen Gestaltungsmerkmal“ aus Holz knüpfen die Architekten an den Bestand mit seiner Einhausung des Kirchturmgeläuts an. Auch im Kirchinnenraum taucht die Rhythmisierung in Gestalt des Oberlichtes über der Altarfläche wieder auf. Eine massive Altarwand und trichterförmige Oberlichter dominieren den ansonsten großen, zentrierten Kirchenraum, der vielfältige Nutzungsmöglichkeiten offen lässt. (lr)
Fotos: Zooey Braun
anders ausgedrückt - zu hell, zuviel schnickschnack, zu viele halogenspots.
natürlich ist alles sehr wertig und gut gestaltet, keine frage. aber von der kubatur her könnte es eben auch eine dekorierte turnhalle sein.
außerdem geht mir langsam die mode auf den wecker, alle kircheräume, egal ob neu oder saniert, in weiße farbe zu tauchen. das war mal ein schönes konzept, aber greift sich zunehmend ab. räume (zumindest teilweise) aus rauhen, erdverbundenen materialien à la böhm sen. und bienefeld spielen da in einer ganz anderen liga.
Ein interessantes Beispiel; neue Kirche mit altem Schema.
Und viele Grüße an die Heimat.