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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Kinderwelt_des_Juedischen_Museums_Berlin_von_Olson_Kundig_und_Engelbrecht_7317506.html

13.07.2020

Arche im Blumengroßmarkt

Kinderwelt des Jüdischen Museums Berlin von Olson Kundig und Engelbrecht


Man nehme: einen alten Löffel, einen Holzrundstab, sechs Nägel und zwei Nadeln mit farbigen Köpfen für die Augen. Fertig ist die Kakerlake. Sie ist mit ihren gerade mal sieben Zentimetern das kleinste Tier im neuen Kindermuseum Anoha des Jüdischen Museums in Berlin. Seit Mai ist die Anoha Kinderwelt in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle gegegnüber dem berühmten Hauptgebäude von Daniel Libeskind fertig. Entworfen hat die Erweiterung des Jüdischen Museums das aus Seattle stammende Büro Olson Kundig, das 2016 den Wettbewerb gewann.

Gemeinsam mit dem Architekturbüro Engelbrecht (Berlin) realisierten Olson Kundig auf 2.700 Quadratmetern BGF die moderne Interpretation einer Arche. Inspiriert von einem alten sumerischen Text (der vor einem Jahrzehnt entdeckt wurde und eine kreisförmige Arche beschreibt) und dem Schiff aus Stanley Kubricks Film „2001: A Space Odyssey“ entstand ein sieben Meter hoher Rundbau aus Holz, mit 20 Rippen aus 40 gebogenen Brettschichtholzbindern. 28 Meter misst die Konstruktion im Durchmesser. Sie besteht aus insgesamt 300 Holzbauteilen. Der Korpus aus Fichte, die Böden und Inneneinrichtung aus Buchenholz, die Tragkonstruktion aus, wie es heißt, heimischen, nachhaltigen Rohstoffen.

Die kreisförmige Konstruktion wurde als Haus-in-Haus in der 6.500 Quadratmeter großen ehemaligen Blumenmarkthalle realisiert, in der auch die Akademie des Jüdischen Museums sitzt. Ihre krummlinige Form soll einen milden Kontrapunkt zur geradlinigen Sichtbetonstruktur der Halle setzen, die in den 1960er Jahren nach dem Entwurf von Bruno Grimmek entstand.

Auch inhaltlich dreht sich in der Museumserweiterung, die sich an Kinder zwischen drei und zehn Jahren richtet, alles um die Erzählung der Arche Noah aus der Tora. Im Zentrum stehen die riesige Holzarche, 150 Tiere – darunter Einhorn, Nacktmull und eben Kakerlake – und die Kinder selbst, die an Bord gehen und das Schiff steuern sollen. Erlebbar werden Geschichten von Schöpfung, Neuanfang, Vielfalt, dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und die Frage: Wie wollen wir gemeinsam auf dieser Erde leben? Inspiriert vom jüdischen Konzept Tikkun Olam, das jeden Einzelnen auffordert, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Das neun Millionen Euro teure Projekt ist das zwölfte, dass Olson Kundig speziell für Kinder entworfen haben. So realisierte das Büro unter anderem die Arche Noah im Skirball Cultural Center in Los Angeles, das als Vorläufer für das Berliner Anoha gelten darf. Die Kleinsten sollen zum Mitmachen animiert werden; statt Vitrinen und Absperrungen findet man deshalb Werkbänke, Rutsch- und Kletterbahnen, einen Regenraum und eine 14 Meter lange Wasserteststrecke. Und die Tiere? Sind aus Feuerwehrschläuchen, Stehlampen, Würfelbechern, Fußbällen oder recycelten Gebrauchsgegenständen zusammengeschustert. Vier Schiffsruder, ein kleines Ruderboot, Fischernetze, zwei Stoßstangen eines VW Käfers, Seile, zwei Kotflügel, diverse Holzschüsseln und kleine Trommeln ergeben das mit drei Metern größte Tier der Ausstellung: ein Mammut. (kat)

Fotos: Hufton+Crow


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